Mariahilf

6. Bezirk
Fläche: 1,48 km²
Einwohner: 30.298 (1991)
27.867 (2001)

Mariahilfer Straße

Mariahilfer Straße, 6., 7., 14. und 15., seit 1897 (im 6. und 7. Bezirk ursprünglich Kremser Sraße, dann Bayerische Landstraße, Laimgrubner Hauptstraße, Mariahilfer Hauptstraße, Fünfhauser Hauptstraße, Schönbrunner Straße und Penzinger Postsraße, dann Schönbrunner Straße); zur Erinnerung an den alten Vorstadtnamen; Mariahilf war 1660 bis 1850 selbständige Gemeinde, seither mit Gumpendorf, Magdalenengrund, Windmühle und Laimgrube 6. Bezirk

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Mariahilfer Straße, 1908
Bild aus „August Stauda – Ein Dokumentarist des alten Wien“
erschienen im Verlag Christian Brandstätter – zur Buchbeschreibung

Geschichte

Tongefäße und Wein

Die Ersten, die das Gebiet der heutigen Mariahilfer Straße (nach dem Mammut) nachweislich besiedelten waren die Illyrer. Sie nutzten die reichen Lehmvorkommen zur Herstellung einfacher Gefäße. Die Kelten pflanzten auf den sonnigen Anhöhen die ersten Weinreben und verstanden sich auf die Weinzubereitung. Als die Römer zu Beginn unserer Zeitrechnung Wien durch einige Jahrhunderte besetzt hielten, ließen sie viele Spuren zurück. Die Weinkulturen der Kelten verfeinerten sie. Auf der Anhöhe der heutigen Mariahilfer Straße verlief ein römischer Kammweg, dessen Ursprung im Lager Vindobona lag. Nach der Herrschaft der Römer führte die Völkerwanderung viele Kulturen vorübergehend hierher, bis nach der Vertreibung der Awaren bayrische Kolonisten aus dem Westen kamen.

Das bäuerliche Mittelalter – Vom Weingarten zum Dorf
Dank des lehmigen Bodens bildete der Weinbau, der erst mit der Verbauung der Vorstädte zurückgedrängt wurde, bis zur Mitte des 17. Jh. die Lebensgrundlage der bäuerlichen Bevölkerung. „Im Schöff“ oder auch „Schöpf“ und „Schiff“ (von „schöpfen“) hieß die Gegend damals. Die irrtümliche Verwendung eines Schiffes im Siegel des Bezirkes erinnert an die alte Bezeichnung, die dann durch das Gnadenbild „Mariahilf“ ersetzt wurde. Das Weinbergrecht sah damals vor, dass der Grundzins in Form von Maische an Ort und Stelle entrichtet werden musste. Dies wurde als „schöpfen“ bezeichnet.

1495 wurde der Mariahilfer Wein wegen seiner besonderen Güte in die Weinordnung für Herrenweine aufgenommen und erzielte hohe Preise.

1529 Die erste Türkenbelagerung
Die Mariahilfer Straße, schon damals ein wichtiger Verkehrsweg in den Westen, wurde mehrmals Schauplatz historischer Auseinandersetzungen. Als die Türken Wien das erste Mal belagerten, befand sich am unteren Ende der heutigen Mariahilfer Straße, gleich vor den Stadtmauern Wiens, eine kleine Ansiedlung aus Häusern und Hütten, Gärten und Äckern. Auch das Sankt Theobald-Kloster befand sich dort. Diese so genannte „Lucke“ wurde beim Herannahen der Türken niedergebrannt, um diesen keine Schlupfwinkel bei der Belagerung zu bieten. Trotz eines Verbotes wurde das Gebiet nach Abzug der Türken wieder aufgebaut.
1558 wurde eine Bestimmung erlassen, wonach das Glacis, ein breiter, unverbauter Streifen zwischen der Stadtmauer und den äußeren Siedlungen, freigelassen werden sollte. Das Glacis bestand bis zum Abbruch der Stadtmauern 1858. Hier wurde später die Ringstraße errichtet.

1663 Die neue Poststraße
Mit der neuen Bestimmung der Mariahilfer Straße als Poststraße entstanden auch die ersten drei Einkehrgasthäuser. Gleichzeitig stieg auch der Reiseverkehr an, da die Kutschen nun endlich komfortabler wurden und die Wege sicherer. Zwei bekannte Ausdrücke stammen aus dieser Zeit. Das „Trinkgeld“ und das „Schmiergeld“. In den alten Reisehandbüchern jener Zeit begegnen sie uns als Posten neben der Fahrstrecke, dem Fahr- und Gepäcktarif. Das Trinkgeld sollte dem Kutscher bei der Raststation das Getränk entgelten, während das Schmiergeld anteilig für die Wagenschmiere berechnet wurde. Wer es eilig hatte, zahlte eben ein höheres Schmier- oder Trinkgeld, um den Kutscher zu motivieren.

1683 Die zweite Türkenbelagerung
Die zweite Türkenbelagerung bescherte der Mariahilfer Straße das gleiche Schicksal. Mittlerweile war eine ansehnliche Siedlung entstanden, eine richtige Vorstadt, die allerdings noch viele Felder und Ziegelgruben aufwies. Abermals wurde die Vorstadt entlang der Mariahilfer Straße dem Erdboden gleichgemacht, die Bevölkerung flüchtete hinter die Stadtmauern oder in den Wienerwald. Der Wiederaufbau gestaltete sich langsam, da es an Geldmitteln aber auch an Arbeitskräften mangelte. Erst zu Beginn des 18. Jh. fand ein gezielter Wiederaufbau statt.

1686 Palais Esterhazý
Auf mehreren „Brandstetten“, durch die zweite Türkenbelagerung zerstörten Häusern, ließ die ungarische Aristokratenfamilie Esterhazý ein einfaches Palais erbauen, das auch einen Durchgang auf die Mariahilfer Straße besaß. 1764 kaufte der Wirt Paul Winkelmayr vom Spittelberg das Gebäude, demolierte es und errichtete zwei Neubauten, die in Anlehnung an die Esterhazýs „Zur ungarischen Krone“ genannt wurden.

17. Jh. bis 19. Jh. Vom Dorf zur Vorstadt
Mit der Entwicklung der Siedlungen an der Mariahilfer Straße vom Dorf zur Vorstadt änderte sich nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die Bevölkerung. Immer mehr landwirtschaftliche Flächen fielen der Bebauung zum Opfer, Handwerker und Gewerbetreibende siedelten sich an. Es herrschte eine unglaubliche Vielfalt an Berufen und Gewerben, die meisten waren in Zünften oder Innungen zusammengeschlossen. Diese sorgten für Berufsausbildung, Qualität und Preis der Ware, sowie für Fälle von Arbeitslosigkeit, Krankheit und Tod.
Die Landwirtschaften wurden durch Kirchen und Paläste, Häuser und Geschäftslokale ersetzt. Mariahilf wandelte sich zu einem bedeutenden Industriebezirk, die Mariahilfer Straße wurde ein wichtiger Umschlagplatz. Unzählige Straßenhändler verkauften die Waren, die sie entweder bei sich trugen, oder in einem Straßenstand zur Schau stellten. Die Händler machten sich durch einen signifikanten Kaufruf bemerkbar. So gab es da den Tintenmann, der mit seinen Flaschen umherzog, den Wasserbauer, der Donauwasser auf seinem Pferdefuhrwerk als Nutzwasser verkaufte, oder die Lavendelfrau. Diese liebenswerten Wiener Figuren verschwanden mit der Entstehung fester Geschäftslokale und der Verbesserung des innerstädtischen Verkehrs.
Privatkutschen, Fiaker und Einspänner bevölkerten das Straßenbild, die diese Route auch für Spazierfahrten nutzten. Am Mariahilfer Linientor war der Hauptstandplatz des billigsten und volkstümlichen Verkehrsmittels, des Zeiselwagens, den die Wiener zu ihren Ausflügen in die Natur nützten, was allmählich in Mode kam. Im 19. Jh. kam dann noch der Stellwagen- und Omnibusverkehr dazu, der die Verbindung zwischen Wien und den Vorstädten zu bewerkstelligen hatte. Vom Stellwagen behauptet der Wiener Witz, dass er deswegen so heiße, weil er nicht von der Stelle komme.

1719 – 1723 K. u. K. Hofstallungen
Kaiser Karl VI. gab den Auftrag zur Erbauung der Hofstallungen an Johann Bernhard Fischer von Erlach. 1772 wurde das Gebäude durch 2 Häuser an der Mariahilfer Straße erweitert. Die Größe der Hofstallungen zeigt noch heute, da es als Museumsquartier dient – seine ehemalige Bedeutung an. Die Mariahilfer Straße wurde vom kaiserlichen Hof seit der Erbauung von Schloß Schönbrunn sehr stark befahren. Heute ist in den historischen Gebäuden das Museumsquartier untergebracht.


Die Kirche und Kloster zu Maria Hülff
Kolorierter Stich von J. Ziegler, 1783

1730 Die Mariahilfer Kirche
1711 begannen die Umbauarbeiten an der Mariahilfer Kirche, die ihr das heutige Erscheinungsbild und ihre Bedeutung als barockes Baudenkmal gaben. Die Baupläne stammen von Franziskus Jänkl, dem Bauführer von Lukas von Hildebrandt. Ursprünglich stand auf dem Platz der Mariahilfer Kirche, im mittelalterlichen Weinried „Im Schöff“ ein Friedhof mit Holzkapelle, errichtet von den Barnabiten. Schon damals befand sich das Gnadenbild Mariahilf darin. Während der Türkenbelagerung wurde die Kapelle zerstört, das Gnadenbild konnte hinter die schützenden Stadtmauern gerettet werden. Nach dem provisorischen Wiederaufbau wurde das Gnadenbild im Triumphzug, begleitet von 30.000 Wienern zurückgebracht.

1790 – 1836 Ferdinand Raimund
Obwohl im Bezirk Mariahilf viele Künstler und historische Persönlichkeiten Wiens lebten, fällt auf, dass sie die Mariahilfer Straße als Wohnort eher mieden, da schon im 18. Jh. ein äußerst lebhaftes und lautes Treiben auf der Straße herrschte. Die berühmteste Persönlichkeit, die an der Mariahilfer Straße geboren wurde, ist der Volksschauspieler und Dramatiker Ferdinand Raimund. Er kam im Haus Nr. 45 „Zum Goldenen Hirschen“, das heute noch besteht, als Sohn eines Drechslers zur Welt. Als Zuckerbäckerlehrling musste er auch die Theater besuchen, wo er ein so genannter „Numero“ war, der seine Waren an die Besucher verkaufte. Diese Begegnung mit dem Theater war schicksalhaft. Er lief seinem Lehrherren davon und schloss sich einer Wandertruppe als Schauspieler an. Nach seiner Rückkehr nach Wien wurde er bald der beliebteste Komiker. In seinen Theaterstücken traten alle jene Figuren auf, die damals die Straßen Wiens belebten. Seine berühmteste Rolle war die des „Aschenmannes“ im „Bauer als Millionär“, ein echt Wiener Typ, der die Holzasche in der Butte aus den Häusern holt, und vom Erlös ein bescheidenes Dasein fristet.

1805 – 1809 Französische Besatzung
Die zweimalige Besatzung Wiens durch die Franzosen traf die Vorstadt hart. Zum Glück wurde aber die Bausubstanz nicht zerstört.

19 Jh. Die Industrialisierung
Hier, wo sich eine höhere Konzentration an Handwerkern als in anderen Bezirken entwickelt hatte, spürte man die Konkurrenz der Fabriken besonders hart. Ein Handwerker nach dem anderen wurde Fabrikarbeiter, Frauen- und Kinderarbeit war an der Tagesordnung. Mit der sprunghaft angestiegenen Bevölkerung wuchs das Wohnungselend und es blühte das Bettgeher- und Untermieterwesen.

1826
Die Mariahilfer Straße wird bis zum heutigen Gürtel gepflastert.

1848 Jahr der Revolution
Auch die Mariahilfer Straße war in diesem Jahr in Aufruhr. Bei Ausbruch der Revolution richtete sich der Hass der Bevölkerung gegen die Verzehrungssteuerämter an den Linien, die für die Verteuerung der Lebensmittel verantwortlich gemacht wurden, und gegen die Maschinen in den Fabriken, die den kleinen Handwerker brotlos oder zum unselbständigen Arbeiter gemacht hatten. Im Oktober rissen Studenten, Arbeiter und Bürger Pflastersteine auf und verschanzten sich beim Mariahilfer Linientor in der Gegend des heutigen Gürtels.

1858 Die Ringstraße
Die Stadtmauern fielen und auf dem Glacis entstand die Ringstraße, die den nunmehrigen 6. Bezirk enger mit der Innenstadt verband.

1862 Offizielle Namensgebung
Die Mariahilfer Straße erhielt ihre bis zum heutigen Tag gültige Bezeichnung, nachdem sie vorher folgende inoffizielle Namen trug: „Bayrische Landstraße“, „Mariahilfer Grund Straße“, „Penzinger Straße“, „Laimgrube Hauptstraße“ und „Schönbrunner Linienstraße“

Die Jahrhundertwende: Entwicklung zur Geschäftsstraße
Nach der Revolution von 1848 verdrängte die Industrie das vorherrschende Kleingewerbe zusehends. Gleichzeitig entwickelte sich die Mariahilfer Straße zur ersten bedeutenden Geschäftsstraße Wiens. Das steigende Angebot musste an den Mann gebracht werden, und so schossen immer neue Geschäfte aus dem Boden. Um die Jahrhundertwende brach eine wahre Bauwut aus. Die niedrigen Vorstadthäuser mit ihren Barock- und Biedermeierfassaden wichen mehrstöckigen Häusern mit protzigen und prunkvollen Fassaden in jenem historischen Stilgemisch, das für die späte Ringstraßenperiode so charakteristisch war. Vom einstigen Altbaubestand blieb fast nichts erhalten. Die Geschäftsportale wurden größer und pompöser, die ersten Warenhäuser im modernen Stil waren Gerngroß und Herzmansky. Vor allem die Bekleidungsindustrie fasste hier Fuß.

1863 Herzmansky eröffnet
Am 3. März eröffnete August Herzmansky eine kleine Gemischtwarenhandlung in der Kirchengasse 4. 1897 wurde das große Geschäft in der Stiftgasse eröffnet, das größte Textilhaus der Monarchie. August Herzmansky verstarb ein Jahr vor der Eröffnung, zwei Neffen übernehmen das Geschäft. 1928 wird das Haus Mariahilfer Straße 28 dazu erworben. 1938, der damalige Inhaber Max Delfiner musste fliehen, übernahm die Firma Rhonberg und Hämmerle das Haus. Das Gebäude in der Mariahilfer Straße 30 wurde dazu erworben. In den letzten Kriegstagen 1945 fiel es allerdings den Flammen zum Opfer. 1948 wurde das Unternehmen an Max Delfiner zurückgegeben. Dessen Sohn verkaufte 1957 an den deutschen Hertie-Konzern, der einen Neubau in der Mariahilfer Straße 26 – 30 errichtete. Weitere Eigentümerwechsel folgten.

1869 Die Pferdetramway
Die Pferdetramway machte ihre erste Fahrt durch die Mariahilfer Straße bis zur Neubaugasse.

1879 Gerngroß eröffnet
Alfred Gerngroß, ein Kaufmann aus Bayern und Mitarbeiter August


Mariahilfer Straße um 1905

Herzmanskys, gründetete auf der Mariahilfer Straße 48/Ecke Kirchengasse ein eigenes Stoffgeschäft. Er wurde zum schärfsten Konkurrenten seines ehemaligen Chefs.

1901 Das k.k. Hofmobiliendepot
Das k.k. Hofmobilien- und Materialdepot wird in der Mariahilfer Straße 88 gegründet. Die Sammlung entwickelte sich schnell, da jeder neue Herrscher neue Möbel bekam. Heute dient es als Museum. Unter anderem befinden sich das Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph, die Einrichtung von Kaiser Maximilian von Mexiko aus Schloss Miramare, der Prunktisch Karls VI. und das Mobiliar aus dem orientalischen Kabinett des Kronprinzen Rudolf dort.

1911 Das Stafa Haus
Am 18. August 1911, zu Kaiser Franz Josephs Geburtstag wurde Ecke Mariahilfer Straße/Kaiserstraße der „Zentralpalast“ eröffnet. Der Bau erregte durch seine Architektur großes Aufsehen. Neun große Doppelfiguren-Relieftafeln von Anton Hanak schmückten ihn. In diesem Gebäude war das „1. Wiener Warenmuster-Kollektivkaufhaus“, ein achtgeschossiger Rundbau untergebracht, der vor allem dem Handwerk dienen sollte. Die größte Widrigkeit bei der Errichtung waren unterirdische Quellen. Zwei Schachtbrunnen mussten gebaut werden, um das Wasser abzupumpen. 970 Liter pro Minute müssen allerdings bis heute abgepumpt werden.

1945 Bomben auf Wien
Am 21. Februar 1945 fielen Bomben auf die Mariahilfer Straße, viele Bauten wurden schwer beschädigt. Am 10. April plünderten Wiener das Warenhaus Herzmansky. Ella Fasser, die Inhaberin des Cafés „Goethe“ in der Mariahilfer Straße bewahrte die Stiftskaserne vor der Zerstörung, indem sie mit Hilfe anderer Widerstandskämpfer die Zündschnüre, die die abziehenden deutschen Truppen gelegt hatten, kappte. Währenddessen lud sie die Offiziere ins Kaffeehaus ein, und benebelte sie mit reichlich Alkohol.

DharmeshShoppingMariahilf 6. Bezirk Fläche: 1,48 km² Einwohner: 30.298 (1991) 27.867 (2001) Mariahilfer Straße Mariahilfer Straße, 6., 7., 14. und 15., seit 1897 (im 6. und 7. Bezirk ursprünglich Kremser Sraße, dann Bayerische Landstraße, Laimgrubner Hauptstraße, Mariahilfer Hauptstraße, Fünfhauser Hauptstraße, Schönbrunner Straße und Penzinger Postsraße, dann Schönbrunner Straße); zur Erinnerung an den alten Vorstadtnamen; Mariahilf war 1660 bis 1850...