Die Praterstraße


Blick von der Rotenturmbastei zur Jägerzeile.
Gemälde von Albert Marzik (Ausschnitt), um1824.
© Die Praterstraße – Verlag Christian Brandstätter

Die ca. 1 km lange Praterstraße im 2. Wiener Gemeindebezirk, Leopoldstadt, verbindet die Altstadt von der Schwedenbrücke über den Donaukanal und der Taborstraße aus mit dem Praterstern, einem der größten Verkehrsknotenpunkte der Stadt, und dem Wiener Prater. Der Straßenzug setzt sich jenseits des Pratersterns in der Lassallestraße, der Reichsbrücke über die Donau und der Wagramer Straße (22. Bezirk) fort und führt ins nordöstliche Niederösterreich und nach Südmähren. 1781 wurde an der Jägerzeile das Leopoldstädter Theater eröffnet.


Die Jägerzeile mit dem Leopoldstädter Theater.
Gemälde von Franz Scheyerer. um 1830.
© Die Praterstraße – Verlag Christian Brandstätter

1809 plünderten die Truppen Napoleons I. in der Jägerzeile. Nach dem finalen Sieg über den Kaiser der Franzosen im Rahmen der Koalitionskriege zogen am 25. September 1814 Zar Alexander I. von Russland, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Kaiser Franz I., der sie an der Taborlinie (siehe Taborstraße Nr. 80) mit großem Gefolge zum Wiener Kongress willkommen geheißen hatte, durch die Jägerzeile in die Stadt (siehe Bauten, Nr. 33). Drei Wochen später gab der Kaiser zur Eröffnung des Kongresses ein großes Fest im Prater; über die Jägerzeile erfolgte die Zufahrt seiner Gäste.

1824 hatte Ferdinand Raimunds Zauberposse „Der Barometermacher auf der Zauberinsel“ im Leopoldstädter Theater ihre Uraufführung. 1838 wurde der Eisenbahnverkehr auf der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn vom Nordbahnhof beim Praterstern aufgenommen. Der erste Bahnhof Wiens entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zum meistfrequentierten der Monarchie und bewirkte viel Verkehr in der Praterstraße.


Die alte und die neue Nepomukkirche.
Lithographie von F. X. Sandmann. um 1850
© Die Praterstraße – Verlag Christian Brandstätter

1846 wurde, da sich die alte Nepomukkirche als zu klein für die stark wachsende Vorstadt erwiesen hatte, auf einem anderen Grundstück die neue Johann-Nepomuk-Kirche (siehe Bauten, bei Nr. 45) eröffnet. Ihr hoher, spitzer Turm mit großer Uhr prägt die Silhouette der Häuserfront seither signifikant. Am 28. Oktober 1848 kam es in der Jägerzeile wie im Prater zu schweren Kämpfen zwischen den Verteidigern der 1848er Revolution und den von Fürst Alfred I. zu Windisch-Graetz und Graf Joseph Jelačić von Bužim befehligten reaktionären kaiserlichen Truppen (siehe Wiener Oktoberaufstand 1848), die Barrikaden beim Praterstern und bei der Nepomukkirche stürmten. Die Zivilbevölkerung beklagte viele Tote und hohen Sachschaden.


Die Praterstraße vom Praterstern aus gesehen,
im Hintergrund der Stephansdom. Um 1900.
© Wien die Welt von gestern in Farbe – Verlag Christian Brandstätter

Die Vorstädte im 2. Bezirk wurden 1850 eingemeindet. Benannt ist die Straße offiziell seit 1862 (zuvor aber z. B. schon auf dem Stadtplan von 1856) nach dem Wiener Prater, der an den Praterstern anschließt. Zuvor hatte sie, wie die südlich angrenzende Vorstadt, Jägerzeile geheißen.
Das Wappen der Jägerzeile bildet heute einen Bestandteil des Leopoldstädter Bezirkswappens.


Praterstrasse 1912
Bild: © www.dasrotewien.at – SPÖ

1866 / 1867 schrieb der spätere „Walzerkönig“ Johann Strauss an der Praterstraße den Donauwalzer. 1868 wurde die Pferdetramway durch die Praterstraße eröffnet, die hier bis 1901 betrieben wurde; vom Franz-Josephs-Quai und von der (1864 eröffneten) Aspernbrücke über den Donaukanal kommend führte die Strecke durch die kurze Aspernbrückengasse in die Praterstraße und auf dieser zum Praterstern und weiter zu den Strombädern an der Donau.


Blumenkorso auf der Praterstraße. Gouache von R. Völkel, Mai 1902
© Historisches Museum der Stadt Wien

Die Straßenbahn verlief hier jahrzehntelang in Seitlage, d. h. nahe der nordseitigen Häuserfront, nach dem Umbau des Pratersterns in den 1950er Jahren in der Straßenmitte. 1873 fand im Prater die Wiener Weltausstellung statt, der bis heute zahllose Messen und Ausstellungen folgten; die Praterstraße war wichtigster Zubringer.


Die ehemalige Fassade Nr. 52
Photographie, 1899


Der Dogenhof. Nr. 70.
Photographie, nach 1900

© Die Praterstraße – Verlag Christian Brandstätter

1886 wurde als optischer Abschluss der Praterstraße das markante Tegetthoff-Denkmal enthüllt (Architektur: Karl von Hasenauer, Plastik: Carl Kundmann). Es erinnert an den siegreichen österreichischen Admiral und bildete bis Anfang der 1950er Jahre den Mittelpunkt des Pratersterns. Die Straßenbahnzüge umrundeten das Denkmal.


Praterstrasse 1946
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at

Die U-Bahn-Linie U1, die vom Stadtzentrum kommend 1979 den Nestroyplatz an der Praterstraße erreicht hatte, wurde 1981 bis zum Praterstern verlängert. Damit waren mehr als 110 Jahre des Schienenverkehrs auf der Praterstraße zu Ende. Nach Beendigung des U-Bahn-Baus unter der Straße wurde sie großteils vierspurig geführt, zumeist mit erhöhtem Mittelstreifen ausgestattet und zu einer Allee gemacht. Seit 1981 verkehrt unter der Praterstraße in ihrer vollen Länge die U-Bahn-Linie U1, die hier etwa in der Mitte zwischen Schwedenplatz und Praterstern die Station Nestroyplatz (seit 1979) bedient. Neben der Taborstraße ist die Praterstraße eine der Hauptstraßen des 2. Bezirks und der zentrumsnächsten Stadtteile.

Grätzel Praterstraße


Die Praterstraße in Richtung Praterstern

Die heutige Praterstraße entstand um 1560, als Kaiser Maximilian II., ein begeisterter Waidmann, den Prater zum kaiserlichen Forst und Jagdrevier erklärte. Die Baugründe zwischen Schwedenbrücke und Prater stellte er seinen Jagd- und Forstgehilfen zur Verfügung und ließ entlang einer geraden Zeile Häuser für sie errichten. Dadurch erhielt die Straße ihren ersten Namen: Jägerzeile. Während der Zeit des Biedermeier und anlässlich der Weltausstellung 1873 wurde die Jägerzeile – mit Unterstützung des wohlhabenden jüdischen Bürgertums – zu einer mondän-eleganten Prachtstraße ausgebaut und galt als einer der schönsten Wiener Boulevards. Die Noblen und Reichen, aber auch Schauspieler, Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle ließen sich gerne in den hier ansässigen Kaffeehäusern und Etablissements blicken.


Die Praterstraße beim Nestroyplatz im Winter;
an der linken Straßenseite: Nr. 33, Alliiertenhof

Der 1896 / 1897 errichtete „Alliiertenhof“ erinnert mit einem Medaillon im 1. Stock an die drei verbündeten Herrscher, die 1814 durch die Jägerzeile zum Wiener Kongress in die Stadt zogen (siehe oben). Vorher stand hier der Gasthof „Zur Weintraube“, in dem 1830 Therese Krones starb.

Fast 100 Jahre nach der Öffnung des Praters für die Allgemeinheit bekam sie 1862 ihren heutigen Namen: Praterstraße. Ein prominenter Bewohner der Praterstraße war Johann Strauß Sohn (1825 – 1899). Der Komponist des Donauwalzers – der heimlichen österreichischen Hymne – lebte von 1863 bis 1870 in der ehemaligen Jägerzeile. Auch Dr. Karl Renner (1870-1950), zweimaliger Republikbegründer, Bundespräsident und Staatskanzler, war bis 1934 Bewohner der Praterstraße.


Praterstraße Nestroyplatz – Galaxy 21Gebäude


Galaxy 21Gebäude


Johann-Nepomuk-Kirche, 1846
Hochaltarbild von L. Kupelwieser,
Kreuzweg-Wandgemälde von J. Führich

Die Wiener Theaterszene residierte fast geschlossen hier, angefangen vom Schauspieler und Dramatiker Ferdinand Raimund (1790-1836) über Johann Nestroy (1801-1862), Theaterdichter, Jurist, Sänger und Schauspieler bis hin zur wohl berühmtesten Volksschauspielerin ihrer Zeit, Josefine Gallmeyer (1838-1884). Arthur Schnitzler (1862-1931), Arzt und Dichter, wurde in der Praterstraße 16 geboren.


Die Praterstraße in Blickrichtung Schwedenplatz

In den letzten Jahrzehnten verlor die Gegend etwas an Glanz und Pracht der Vergangenheit. Eine Revitalisierungskampagne soll das Grätzel nun wieder mit Leben füllen und zum attraktiven Wohn- und Arbeitsumfeld machen.

Text auszugsweise aus:

„Der UNIQA TOWER“
http://tower.uniqa.at

Die Straße des Walzerkönigs


Bild: Eine Wandtafel erinnert an das Gebäude,
in dem Johann Strauß den Donauwalzer schrieb
© Verlag Christian Brandstätter – Duncan J. D. Smith

II. Bezirk (Leopoldstadt), Johann-Strauß-Museum, Praterstraße 54;
U-Bahn-Station Nestroyplatz (U1).

Als Johann Strauß Sohn (1825-1899) in die Praterstraße 54 zog, war er bereits einer der bekanntesten Männer Wiens. Die Gegend passte zu ihm; die Straße war ein vornehmer, kosmopolitischer Boulevard quer durch die ebenso kosmopolitische Leopoldstadt, vom Rand der Inneren Stadt bis zum Prater. Sein Vater Johann Strauß (1804-1849), der den Radetzkymarsch komponiert hatte, war lange tot, und mit ihm auch die schmerzliche Rivalität zwischen Vater und Sohn. Strauß übertraf seinen Vater an Ruhm, er wurde der Walzerkönig und tourte durch Europa, Russland und Amerika.

Hier in der Wohnung in der Praterstraße, heute ein ausgezeichnetes Museum (Johann-Strauß-Museum), hat er die inoffizielle Hymne Wiens komponiert, den Walzer „An der schönen blauen Donau“, Opus 314. Er war ursprünglich für den Wiener Männergesangsverein bestimmt und wurde gesungen 1867 auch einem etwas ratlosen Publikum in den Dianasälen in der Oberen Donaustraße 95 präsentiert. Nicht lange danach wurde er in Paris in einer Orchesterfassung aufgeführt und in der Folge auf der ganzen Welt berühmt und beliebt. Heutzutage wird der Walzer jedes Mal in den weltweit vom Fernsehen übertragenen Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal des Musikvereins gespielt. 1878 zog Strauß schließlich aus der Praterstraße weg; 1890 starb er, der Komponist Hunderter Walzer, darunter „Geschichten aus dem Wienerwald“, und Operetten, die berühmteste davon „Die Fledermaus“. Seine letzte Wohnung in der heutigen Johann-Strauß-Gasse 4 auf der Wieden wurde leider im 2. Weltkrieg zerstört; an der Mauer einer Wohnung auf Nummer 10 sind die Eröffnungstakte des berühmten Donauwalzers eingraviert.


Johann Nestroy Denkmal in der Praterstraße
In der Rolle als Blasius Rohr in seinem Stück „Glücksmissbrauch und Rückkehr“ – errichtet im Jahre 1929 vom Bund der Nestroyfreunde in Wien.

Über die Jahre lebten in der Praterstraße auch viele andere Wissenschaftler, Künstler und Ärzte. Der Pionier der Filmmusik, Max Steiner (1888-1971), zum Beispiel wurde auf Nummer 72 geboren und arbeitete im Volksprater, bevor er an den Broadway und nach Hollywood ging. Er schrieb Musik für über 300 Filme, darunter „Casablanca“, „Vom Winde verweht“, „King Kong“ und „Der Schatz der Sierra Madre“. Beachten Sie den Dogenhof im venezianischen Stil auf Nummer 70, der den Cà d’Oro am Canale Grande in Venedig imitiert; damals plante man, ein italienisches Viertel in Wien zu errichten. Auf Nummer 44 befand sich die Ordination von Alfred Adler, dem Begründer der Individualpsychologie, auf Nummer 31 das ehemalige Carltheater, wo Johann Nestroy (1801-1862) Direktor war und viele seiner Stücke aufgeführt wurden (eine Statue steht vor dem Haus Nummer 19). Auf Nummer 22 schließlich findet sich der schlichte Raum, in dem Elias Canetti (1905-1994), Literaturnobelpreisträger von 1981, während seiner Schulzeit lebte. Auf Nummer 16 wurde der Dramatiker und Romancier Arthur Schnitzler (1862-1931) geboren, dessen „Traumnovelle“, die im Wien um 1900 spielt, als Vorlage für den letzten Film Stanley Kubricks, „Eyes Wide Shut“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman, diente.

auszugsweise aus

Duncan J. D. Smith; Nur in Wien
Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten
Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer
Fotografien von Duncan J. D. Smith

„Die Straßen Wiens sind mit Kultur gepflastert, die Straßen anderer Städte mit Asphalt.“ Karl Kraus (1874-1936)
Wien ist sicherlich eine der großartigsten und zugleich homogensten Hauptstädte in Europa. Und es ist eine der faszinierendsten. Die Überfülle an Reiseführern, die es zu kaufen gibt, präsentiert dem nicht allzu anspruchsvollen Besucher eine märchenhafte (und leicht zugängliche) Fülle an Museen, Kirchen, Palais und kulinarischen Lokalitäten, und sie erzählen von der Geschichte der Stadt seit den Zeiten der Römer über jene des Habsburgerreiches bis zur Gegenwart.

mit freundlicher Genehmigung

Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen
www.brandstaetter-verlag.at

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