Das Theater in der Josefstadt
Legendäre Geschichten und unvergessene Stars

Das Theater in der Josefstadt ist – mit mehr als 350.000 Besuchern und mit über 700 Vorstellungen pro Spielzeit – eine der erfolgreichsten Bühnen der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Das Theater ist als Aufführungsstätte für die besten künstlerischen Kräfte bekannt, hat besonderes Flair und atmet große Tradition. Dabei fing seine Geschichte ganz bescheiden an: 1788 wurde die Bühne errichtet, um dem Wirtshaus „Bey den goldenen Straußen“ in der Josefstädter Straße 26 mehr Umsatz zuzuführen. Aber schon 1822 wurde das für den Publikumsansturm zu klein gewordene Haus durch einen Neubau ersetzt. Eröffnet wurde das neue Theater mit Ludwig van Beethovens Ouvertüre „Die Weihe des Hauses“– vom Meister selbst dirigiert. Ferdinand Raimund und Johann Nestroy spielten hier, Johann Strauß dirigierte. 1924 ließ Max Reinhardt die Josefstadt umbauen – zu einem mit rotem Damast, Goldschmuck und venezianischem Lüster-Prunk ausgestatteten Raum für die Gegenwartsflucht.


Hier musizierten Johann Strauß und Josef Lanner:
Die Sträußelsäle einzigartige Biedermeier-Tanzsäle, erbaut 1834.
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.

Diese eindrucksvolle Geschichte wird nun in einem prächtigen Jubiläumsband dokumentiert: unveröffentlichtes Bildmaterial, spannende Beiträge namhafter Persönlichkeiten, unvergessene Stars. Ein Sammlerstück für TheaterliebhaberInnen!

Gusti Adler

Wie eine alte Geige
Gusti Adler begleitete als Reinhardts Privatsekretärin dessen Traum, aus dem heruntergekommenen Theater eine festlich-prächtige Josefstadt zu machen.

Das Jahr 1923 war in Reinhardts Leben sehr bedeutungsvoll:
Sein Pachtvertrag mit dem Josefstädter Theater kam am 22.Juni endlich zustande. Er hegte schon lange den Wunsch in diesem Alt-Wiener Theater zu spielen, in dem sich die kostbarste Theatertradition zu einer Atmosphäre verdichtet hatte, die den Raum, das ganze Gebäude, in geheimnisvollen Wellen durchströmte. Eröffnet 1822 mit Beethovens „Weihe des Hauses“ – eine Bühne, auf der Raimund und Nestroy gespielt hatten, auf der im Laufe eines Jahrhunderts in bunter Folge das Wertvollste an Theaterkunst vorbeigezogen war, vom Schauspiel zur Posse, vom Singspiel zur Oper, um nun, als Krönung, Max Reinhardts Bühne zu werden.


Die Sträußelsäle vor und nach der Renovierung von 1924.
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.

Der unbeschreiblich verwahrloste Zustand, in dem er dieses Theater übernahm, konnte Reinhardt nicht abschrecken: Das „Foyer“ des alten Theaters riecht wie ein Stall und die schmutzigen Wände mit den armseligen Holzverkleidungen, der gepflasterte Boden, haben etwas vom Charakter eines Stalles. Nur der Idealismus (des einstigen Hausherren) Jarnos, der zum Vorkämpfer Strindbergs in Wien wurde, das Wiener Publikum mit seiner Begeisterungsfähigkeit, konnten dieses Haus erwärmen und soviel Armseligkeit vergessen lassen. Max Reinhardt ist ein stiller Betrachter, der sich Zeit läßt. Er nimmt die Räume in ihrer Dimension in sich auf, sieht im Geiste alle Möglichkeiten, und sie entfalten sich ihm wie eine Wunderblume. Vor Jahren, und seitdem immer wieder, hat er das Teatro La Fenice in Venedig gesehen, war seinem Zauber verfallen. Aus diesem alten Wiener Theater, in dem er unvergeßliche Jugendeindrücke empfangen hat, will er etwas Ähnliches schaffen. Eine Variation über das Thema, in dem aber, wie ein Orgelpunkt, Bodenständiges, Wienerisches mitschwingen wird. Die Vision ist da. Die Schwierigkeiten der Verwirklichung liegen in der Zukunft und werden überwindbar sein. „Bedeutung schafft Tatbestand“ Reinhardts Phantasie läßt sich nicht fesseln. Unbeschwert von materiellen Erwägungen kristallisiert sich in seinem Inneren das künftige Bild.


Foyers zu Zeiten Josef Jarnos vor der Umgestaltung durch Max Reinhardt.
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.

Er schreitet das Foyer des Josefstädter Theaters ab, in dem dünne Gußeisensäulen ein schmutziges Lichthofdach tragen. Im Geiste sieht er aber darüber schon eine gewölbte Stuckodecke mit italienischen Deckengemälden; Mosaikboden wird an Stelle des Zementpflasters treten, venezianische Türen in das zweite, intimere Foyer, in den Zuschauerraum führen. Die einstmaligen „Sträußelsäle“ dienten seit vielen Jahren zur Aufbewahrung des Kostümfundus und der Requisiten. Über eine Art Hühnerleiter steigt man zu einem eingebauten Zwischenstock hinauf. In feuergefährlichster Enge hängen hier in einem dachbodenartigen Raum Hunderte von Kostümen. Ein Geruch, der ungelüfteten Garderobenräumen eigentümlich ist, dringt einem entgegen. Ein phantastisches Nebeneinander von Farben, Gold und Flitter, zwischen dem sich Max Reinhardt hindurchdrängt. Ein unsagbarer Theaterzauber geht von dieser Fülle verblichener Pracht aus. Soviel verflossene Herrlichkeit, zusammengepresst, flimmernd und geladen mit der Atmosphäre schicksalsschwerer Dramen und heiterster Komödien.

Herbert Föttinger, Herausgeber
Herbert Föttinger, geboren 1961 in Wien, nach der Matura privater Schauspielunterricht bei Peter Jost. Seit 1993 Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt. Sein Debüt war der Alfred in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ unter der Regie von Karlheinz Hackl; es folgten zahlreiche Hauptrollen. Seit September 2006 Künstlerischer Leiter des Theaters in der Josefstadt. Im Februar 2012 ist ihm der Berufstitel „Kammerschauspieler“ verliehen worden.

Christiane Huemer-Strobele , Herausgeber

Christiane Huemer-Strobele studierte Betriebswirtschaft und Kulturmanagement, seit 1994 ist sie am Theater in der Josefstadt für Presse und Werbung verantwortlich. Seit 2006 ist sie Leiterin der Abteilung Kommunikation.

auszugsweise aus

Das Theater in der Josefstadt
Legendäre Geschichten und unvergessene Stars
Herbert Föttinger, Christiane Huemer-Strobele (Hg.)

Spezifikationen:
Format 22 × 28 cm
224 Seiten, ca. 250 Abbildungen
Hardcover


Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen
www.cbv.at

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