Geschichte des Opernballs
von Franz Mailer


Die Taenzer des Wiener Staatsopernballetts waehrend der
Generalprobe für den Opernball 2013.
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at

Die ersten Ballfeste, bei denen zwar nicht das k. k. Hof-Operntheater nächst dem Kärntnertor, wohl aber die an dieser Bühne wirkenden Künstler als Veranstalter auftraten, schlossen gewissermaßen an die zur Legende gewordenen Feste des Wiener Kongresses (1814 – 1815) an. Diverse Ballfeste fanden in den zwanziger und dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts in den zahlreichen kleineren und größeren Etablissements der Kaiserstadt an der Donau statt. Die Künstlerinnen und Künstler wünschten jedoch für ihre Feste einen intimeren Rahmen und bald fanden sie eine ideale Lösung in den bei aller kultivierten Repräsentation dennoch gemütlichen Redoutensälen der kaiserlichen Hofburg.

Nach dem ebenso blutigen wie ruhmlosen Ausgang des Revolutionsjahres 1848 war in Wien vorerst niemandem allzu sehr nach Tanzen zumute. Es mußten einige Jahre verstreichen, ehe die Lebensfreude wieder jene Intensität erreichte, die Ballfeste im „Wiener Stil“ neuerlich möglich machten.

Im Jahre 1862 erhielt das berühmte Theater an der Wien wieder die „allerhöchste Erlaubnis“, Ballfeste veranstalten zu dürfen. Dabei nahm man sich selbstverständlich die damals spektakulären Veranstaltungen der Pariser Opernbälle zum Vorbild. Als im Jahre 1869 das Personal des k. k. Hofoperntheaters endlich ins prachtvolle neue Haus am Ring einziehen konnte, verweigerte jedoch Kaiser Franz Joseph I. die Erlaubnis, in seinem Theater Tanzfeste zu veranstalten. So fand der erste Ball mit der Bezeichnung „Ball in der Hofoper“ nicht im Haus am Ring, sondern im ebenfalls neuen und prachtvollen Gebäude der „Gesellschaft der Musikfreunde“ statt.

1877 gab der Kaiser endlich seine Zustimmung zu einer „Soirée“ in seinem Opernhaus. Obwohl bei diesem Fest in der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember offiziell nicht getanzt werden durfte, berichtete das „Wiener Fremdenblatt“ am folgenden Tag: „… es ging anfangs recht schwer, aber Wienerblut und Wienermut hielten stand … nach Mitternacht gab es den ersten regelrechten Tanz im Festsaal unseres Opernhauses.“

Nach dem Untergang des Kaiserreiches 1918 erinnerte sich die junge Republik erstaunlich bald an die imperialen Feste im Opernhaus. Bereits am 21. Jänner 1921 konnte die erste Opernredoute der Republik Österreich abgehalten werden, und im Jänner 1935 fand der erste, nun auch so benannte „Wiener Opernball“ statt – ein Zauberwort, dessen Wirkung auch im fahlen Licht der dreißiger Jahre nicht versagte.


Opernball 1935 – Blick in die Ehrenloge, rechts Bundeskanzler Schuschnigg.
Albert Hilscher; 1935-01-26
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges wurde 1939 auf Befehl der Reichsregierung im inzwischen von Deutschland besetzten Österreich ein letzter Opernball abgehalten. Nach dem Wiedererstehen der Republik Österreich 1945 und der Überwindung der ersten Hungerjahre im zerbombten Wien wurde im November 1955 die festliche Wiedereröffnung des im Krieg zerstörten Opernhauses gefeiert.


Wiener Opernball – 1956, Eröffnung durch das Staatsopernballett; 1956
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Am 9. Februar 1956 wurde das herrliche Haus zum ersten Mal in der Zweiten Republik wieder in den strahlenden Opernballsaal verwandelt.

Text auszugsweise aus:

www.wiener-staatsoper.at

Der Wiener Opernball


Opernball 2005
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at

Der Wiener Opernball ist jedes Jahr der gesellschaftliche Höhepunkt der Ballsaison im Wiener Fasching. Er findet immer in der Wiener Staatsoper statt. Der Opernball ist mit seinen bis zu 12.000 Besuchern der größte Treffpunkt Österreichs für Kulturschaffende, Unternehmer und Politiker aus dem In- und Ausland. Die Ballbesucher und der Werbeeffekt für den österreichischen Tourismus haben sich auch zu einem Wirtschaftsfaktor in Wien entwickelt. Rund 4.700 Besucher kommen jedes Jahr zum Ball nach Wien, wovon etwa die Hälfte der Ballbesucher aus dem Ausland kommt. 180 Paare aus dem In- und Ausland eröffnen den Ball.


Opernball 2004, Feststiege
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at

Die Tradition des Opernballes führt zurück in die Zeit von 1814/15 – der Zeit des Wiener Kongresses. An dieses politische Ereignis anschließend veranstalteten die Künstler der Hofoper Tanzveranstaltungen. Ein Opernball am heutigen Standort fand erstmals als Hofopern-Soirée am 11. Dezember 1877 statt. Einnahmen aus dieser Veranstaltung waren dem Opernpensionsfonds gewidmet. Nach dem Ende der Donaumonarchie fand man sehr schnell wieder zurück zur Balltradition: Bereits am 29. Jänner 1921 fand (zugunsten der Altpensionisten der beiden Staatstheater) die erste Opernredoute der Ersten Republik statt.


Wien, Opernredoute um 1930, Gruppe auf der Bühne.
R. Lechner (Wilh. Müller) ;um 1930
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Der erste Ball unter dem Namen Wiener Opernball wurde am 26. Jänner 1935 unter dem Ehrenprotektorat von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg zugunsten der Winterhilfe veranstaltet. Seitdem findet er (fast) alle Jahre am letzten Donnerstag im Fasching in der Wiener Staatsoper statt. Ausnahmen waren meist Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen, wie beispielsweise der Zweite Weltkrieg. 1939 wurde der Ball trotz des bevorstehenden Ausbruchs des Krieges auf Anordnung der deutschen Reichsregierung (am 21. Februar) abgehalten.


Wiener Opernball 1956 – Eröffnung.
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at

Am 9. Februar 1956 wurde er erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder veranstaltet. Eine weitere Unterbrechung war 1991 auf Grund des Golfkriegs, bei dem man die Sicherheit der zahlreichen in- und ausländischen (Staats-)Gäste nicht garantieren konnte.


Wiener Opernball – 1959
Regierungsloge mit Schärf, Raab, Drimmel, von Karajan
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Am 7. Februar 1962 trat Herbert von Karajan (1908–1989) von der künstlerischen Leitung der Wiener Staatsoper zurück, was die Bundestheaterverwaltung den Ball auf den 1. März des Jahres festlegen ließ.


Wiener Opernball 1962 in der Wiener Staatsoper Bild zeigt :
Prinzessin Beatrix von Holland mit Bundespräsident Schärf.
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at

2005 wurde der Wiener Opernball erstmals zur „rauchfreien Zone“ erklärt. Lediglich in zwei Rauchersalons und dem Annex des Logenumganges durfte geraucht werden. 2007 waren erstmals Blindenhunde am Opernball erlaubt. Ab der Saison 2008/2009 besteht in der Wiener Staatsoper ein generelles Rauchverbot ohne Ausnahme – für den Opernball wurden jedoch kleinere Raucherbars eingerichtet.


Opernball 1976 Bild zeigt: Familie Kirchschlaeger, Eva Gabor und Shirley Mc Laine.
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at


Wiener Opernball 1978 in der Staatsoper Bild zeigt Fr Herma Kirchschläger ,
König Juan Carlos , Königin Sophia , Bundespräsident Dr Kirchschläger.
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at

Die Wiener Staatsoper wird während des Balles vom Keller bis zum Dachboden geöffnet – ist für alle bespielbar, begehbar und vor allem betanzbar. Im Schwind-Foyer oberhalb der Feststiege richten die Casinos Austria jedes Jahr, extra für den Opernball einen Glücksspielbetrieb ein. Es werden Restaurants, Champagnerbars, Austernbars und sogar ein Heuriger (im Philharmonikerzimmer) eingerichtet. Für den Großteil des Caterings am Opernball zeigt sich die Wiener K.u.K. Hofzuckerbäckerei Café Gerstner verantwortlich.


Wiener Opernball 1989, Bild zeigt : v.l.n.r. Bundespräsident Dr. Kurt Waldheim mit
Gattin Elisabeth , Buergermeister Dr.Helmut Zilk mit Gattin Dagmar Koller.
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at


Wiener Opernball 1990 in der Wiener Staatsoper, Falco mit seiner Schwester.
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at

Der Teesalon der Wiener Staatsoper, welcher direkt vor der Mittelloge liegt, ist auch am Abend des Opernballes nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Er bleibt den Künstlern der Wiener Staatsoper sowie den offiziellen Gästen des Balles vorbehalten.


Wiener Opernball in der Staatsoper Desiree Treichl-Stuergkh begruesst
Bundespraesident Heinz Fischer und Gattin Margit.
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at


Wiener Opernball 2010 in der Wiener Staatsoper Werner Faymann , Gattin ,
Margit Fischer , Catherine Ashton und Bundespräsident Dr. Heinz Fischer.
Bild: © Pressebildagentur Votava – www.votava.at

An der Eröffnung sind rund 180 Tanzpaare beteiligt – das Jungdamen- und Herrenkomitee. Der Ball beginnt mit dem Einzug des Bundespräsidenten in seine Loge, der von einer Fanfare begleitet wird. Unmittelbar nach der Bundeshymne und Freude, schöner Götterfunken zieht der erste Teil des Komitees zu den Klängen der von Carl Michael Ziehrer komponierten Fächerpolonaise in den Ballsaal ein. Nach den obligatorischen Einlagen wie Gesangs- und Tanzvorführungen folgt im zweiten Teil der Einzug der Tanzpaare. Im Jahr 2010 gab es erstmals eine Neuerung beim Einzug des Jungdamen- und Herrenkomitees: Es zogen bereits zu Beginn, nach den Hymnen, alle 176 Tanzpaare zu Frédéric Chopins Polonaise in A-Dur, Op. 40 ein, um nach den künstlerischen Darbietungen den Ball zu Johann Strauss‘ Warschauer-Polka zu eröffnen. Anschließend wird traditionell mit dem von Johann Strauß geprägten Kommando „Alles Walzer“ die Tanzfläche für alle freigegeben. Zu Mitternacht folgt die Mitternachtsquadrille. Um 3 Uhr früh folgt eine weitere Quadrille. Beendet wird der Ball um Punkt 5 Uhr früh.

Traditionsgemäß spielt das Opernballorchester am Ende folgende drei Stücke: Donauwalzer, Radetzkymarsch und „Brüderlein fein“ aus dem Stück „Der Bauer als Millionär“ von Ferdinand Raimund. Üblicherweise nehmen die letzten Gäste Teile des Blumenschmucks als Erinnerung mit, auch wenn dies offiziell nicht erlaubt ist.



A 1010 Wien, Opernring 2

+43-(0)1- 51444-2250
+43-(0)1- 51444-2969
information@wiener-staatsoper.at

Telefonischer Vorverkauf:
Montag bis Sonntag, 10 bis 21 Uhr
+43-(0)1- 513 1 513

DharmeshKultigesGeschichte des Opernballs von Franz Mailer Die ersten Ballfeste, bei denen zwar nicht das k. k. Hof-Operntheater nächst dem Kärntnertor, wohl aber die an dieser Bühne wirkenden Künstler als Veranstalter auftraten, schlossen gewissermaßen an die zur Legende gewordenen Feste des Wiener Kongresses (1814 - 1815) an. Diverse Ballfeste fanden in den...