Der Wiener Naschmarkt


Naschmarkt – Übersicht vom Dach des Verkehrsbüros. ;um 1930
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Der bedeutendste Obst- und Gemüsemarkt Wiens hieß früher Aschenmarkt. Er lag am Beginn der Wiedner Hauptstraße, wo es eine Aschenlagerstätte gab. Außerdem wurde auf dem Markt Holzasche zum Reinigen von Geschirr verkauft.

Mauritz Schuster beschreibt den alten Naschmarkt als „eine kleine Stadt von Verkaufsständen, deren aufgehäufte Waren von gewaltigen farbigen Stockschirmen überdacht waren; im übrigen wurden auch durch die Reihen der Standeln schmale, gassenartige Wege freigelassen.


Naschmarkt – Österreichische Lichtbildstelle ;Standlerinnen. ;um 1910
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung


Naschmarkt – Gemüsehändler. 1912-07-27
http://data.onb.ac.at/rec/baa18638289
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Einst sah man all die bunten Obst- und Gemüseberge unter den hellen Riesenschirmen neben den oft malerisch gekleideten Marktfrauen weithin leuchten…“ Dieses reich bewegte Leben war nicht nur für Maler, sondern auch für Dichter und Schauspieler anregend.

Erst 1919 übersiedelte der Markt im Zuge der Neugestaltung des Karlsplatzes auf die Wienflussüberdachung an der Wienzeile.
Weil es auf diesem Markt schließlich keine Asche mehr zu kaufen gab, in dem reichhaltigen Angebot aber auch Näschereien zu finden waren, erfolgte eine Umdeutung von Aschenmarkt zu Naschmarkt.


Naschmarkt- Blick vom Anfang der Wiedner Hauptstraße (erhöhter Standort)
ber Obstmarkt und Elisabethbrücke gegen Kärntnerstraße und Stephansdom
Burger, Wilhelm ;um 1874
http://data.onb.ac.at/rec/baa1883364
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Die Aussprache „Oschnmoakd“ ist bei älteren Wienern etwa bis 1945 belegt. Eine andere Theorie besagt, dass der Name Aschenmarkt von mittelhochdeutsch „asch“ (=Gefäß), eventuell auch Milchkanne abzuleiten ist. Gemeint waren ursprünglich Holzgefäße aus Esche. Demnach hätte der Markt deshalb seinen Namen erhalten, weil es dort Milch zu kaufen gab.

Textauszug aus

Grüner, Sigmar – Sedlaczek, Robert
Lexikon der Sprachirrtümer Österreichs
Deuticke Verlag
ISBN: 3-216-30714-X

Auszugsweise Veröffentlichung

mit freundlicher Genehmigung des Deuticke Verlages

Naschmarkt


Naschmarkt – Nordostende vom Verkehrsbüro gegen die Linke Wienzeile.1939
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Im Jahr 1905 erhielt der vormalige Kärntnertormarkt einen offiziellen Namen, dessen Herkunft nicht eindeutig geklärt ist. Tatsache ist, dass er von der Bevölkerung zuerst mit „Aschenmarkt“ und schon ab zirka 1820 als „Naschmarkt“ bezeichnet worden war.


Alter Naschmarkt
Hernick-Lippert, Olga; um 1850
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Für die Bezeichnung „Aschenmarkt“ gibt es zwei Erklärungsmöglichkeiten: Sein Vorläufer war ein auf der Freyung in der Stadt eingerichteter Obst- und Gemüsemarkt, der wegen anhaltender Auseinandersetzungen zwischen dem Magistrat und dem Schottenkloster 1780 vor das fürstlich Starhembergische Freyhaus (heutiger Bereich Wiedner Hauptstraße-Resselgasse-Operngasse; 1936 abgerissen) verlegt worden war. Hier hatte sich bereits an der Stelle einer früheren städtischen Aschen- und Mistablagerungsstätte ein kleiner Milchmarkt etabliert.


Naschmarkt Erster Weltkrieg
Städtischer Erdäpfelverkauf während des Ersten Weltkrieges. ;1917-09-08
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Naschmarkt – ;Überblick von leicht erhöhtem Standort
gegen die Häuser in der Linken Wienzeile. Österreich Werbung ;um 1935
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Vermutlich deshalb bezeichneten die Wiener ihren neuen Markt als „Aschenmarkt“, doch war „Asch“ auch eine gängige Bezeichnung für den aus Eschenholz gefertigten Milcheimer. Bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderts begann sich die Bezeichnung „Naschmarkt“ durchzusetzen, möglicherweise eine Verballhornung der alten Bezeichnung im Hinblick auf hier erhältliche Leckereien, denen der Hauch ferner Länder anhaftete, wie etwa in Zucker eingelegte Orangenschalen oder Datteln.


Naschmarkt – Wurststand. ;1937
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Nach erfolgter Wienflussregulierung und -überbauung begann sich der Markt von der ursprünglichen Fläche (heutiger Bereich Karlsplatz zwischen Operngasse/Linke Wienzeile und Wiedner Hauptstraße) auf den eingedeckten Bereich über der Wien auszudehnen, doch hätte die Errichtung des geplanten Prachtboulevards bis nach Schönbrunn seine Absiedlung erfordert.

Schwarzmarkt 1945R: „Schwarzer Markt 1945“
Sowjetrussische Soldaten beobachten das Treiben der Menschen auf dem Naschmarkt zwischen geschlossenen Marktständen. Das Foto ist offensichtliche versteckt aufgenommen worden. Publikation im Rahmen eines Bildberichtes unter dem Titel „1945-1955. Zehn Jahre wiedererstandenes Österreich“ in der Wiener Bilderwoche. ;1945
Legende: „Henisch; Sozialistischer Verlag“
Legende: „: „Die Menschen wollten leben und sie wollten über das Notwendigste hinaus Schmalz auf das Brot, einen Schluck Wein, Zigaretten. Diese Bedürfnisse schufen den Schwarzen Markt. Er machte das unerträgliche Dasein erträglich und war zugleich der große Blutegel am Körper des Landes.“
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung


Schleichhandel in Wien – Razzia der amerikanischen Polizei am Naschmarkt.
Blaha, Franz ;1945
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Die Diskussion um einen neuen Standort des Marktes wurde durch den Beginn des Ersten Weltkrieges beendet. Bereits während des Krieges wurden nach Plänen des Wiener Stadtbauamtes neue Standbauten errichtet und gaben dem Markt das einheitliche Erscheinungsbild, das ihn heute noch prägt. 1919 wurde der innere – ursprüngliche – Teil des Marktes aufgelassen, der Naschmarkt war damit auf den heutigen Standort entlang der Wienzeile beschränkt.


Christbaumverkauf auf dem Wiener Naschmarkt.
United States Information Service (USIS) ;1950-12
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Ab 1916 wurde am stadtauswärtigen Ende des Marktes provisorisch ein Obst- und Gemüsegroßmarkt eingerichtet. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde 1919 der alte Teil des Marktes am Karlsplatz aufgelöst. Pläne aus den 1970er Jahren, den Naschmarkt zugunsten der Verlängerung der Westautobahn A1 bis zum Stadtzentrum abzusiedeln, wurden nach Protesten nicht realisiert. In den 1980er Jahren wurde der Markt modernisiert.

Text auszugsweise aus

Websercice der Stadt Wien
wien.at vereinigt umfangreiche Informationen und Dienste zu allen Lebensbereichen der Stadt Wien sowie zahlreiche weitere Services
www.wien.gv.at

Öffnungszeiten / Erreichbarkeit

Adresse: Wienzeile, Kettenbrücke
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 6 bis 19.30 Uhr,
Samstag 6 bis 17 Uhr
Gastronomiestände Mo bis Sa 6 bis 23 Uhr
Warenangebot: Lebensmittel, Gastgewerbe, Sonstige Waren

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