Der dritte Mann

Der dritte Mann, innerhalb von fünf Wochen im Nachkriegs-Wien gedreht, machte seinen Regisseur Carol Reed weltberühmt und wurde ein phänomenaler Erfolg, ein Klassiker der Filmgeschichte. Am Gelingen des Films hatten viele Anteil: Der Kameramann Robert Krasker, ein Könner seines Fachs, der die Magie, die Dramaturgie von Licht und Schatten effektvoll in Szene setzte; der Autor und ehemalige Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes Graham Greene, der in Kooperation mit dem Regisseur die ökonomische und soziale Atmosphäre des besetzten Wien präzise
auf den Punkt brachte; der Schauspieler Orson Welles, der dem Film mit seiner physischen Präsenz einen unverwechselbaren, eindringlichen Touch gab; die Zither-Musik von Anton Karas, der das musikalische Leitmotiv, das Harry-Lime-Thema, zum Ohrwurm machte und damit eine richtige »Zither-Welle« in Amerika und Europa auslöste.


Dreharbeiten zu „Der dritte Mann“. 1948/49

Inhalt:
Der Amerikaner Holley Martins (Joseph Cotton) kommt in der Besatzungszeit nach Wien. Harry Lime (Orson Welles), mit dem er seit zwanzig Jahren — seit der Schulzeit — befreundet ist, lud ihn ein und bezahlte ihm die Reise. Obwohl Holley Martins nur billige Wildwestromane schreibt, soll er einen Zeitungsartikel über eine von Harry Lime betreute Fürsorgeeinrichtung verfassen.

Als Holley an der Tür seines Freundes klingelt, sagt ihm der Hausmeister (Paul Hörbiger), dass Mr. Lime vor dem Haus von einem Auto überfahren worden sei und sein Leichnam in diesem Augenblick im Zentralfriedhof beigesetzt werde. Holley kommt gerade noch rechtzeitig zur Beerdigung.

Auf dem Friedhof spricht ihn ein Brite (Trevor Howard) an, stellt sich unter dem Namen „Calloway“ vor und nimmt ihn in seinem Wagen mit zurück. Ein Jeep der Militärpolizei folgt ihnen. Holley lässt sich in eine Bar einladen. Er selbst kann nicht bezahlen, weil er das dazu erforderliche Besatzungsgeld erst von Harry Lime bekommen sollte. Er erzählt von den Schulbuben-Streichen, die Harry Lime und er zusammen ausführten. Während er zumeist erwischt worden sei, habe sich Harry stets rechtzeitig aus dem Staub gemacht. Der Alkohol macht Holley aggressiv. Als Calloway sich als Oberst der Britischen Militärpolizei zu erkennen gibt und Harry Lime als Verbrecher bezeichnet, will Holley zuschlagen. Calloways Fahrer Paine, der unauffällig am Nebentisch Platz genommen hatte, streckt ihn mit einem Kinnhaken nieder. Calloway gibt Holley etwas Geld, verspricht ihm für den folgenden Tag ein Rückflugticket und beauftragt Paine, ihn in einem Hotel unterzubringen.

Paine ist ein begeisterter Leser von Holleys Groschenromanen. In der Hotelhalle stellt er ihn begeistert Mr. Crabbin, dem Vorsitzenden der Cultural Relations Society, als amerikanischen Schriftsteller vor. Der hat noch nie etwas von Holley Martins gehört, freut sich aber, den Mitgliedern seiner Organisation etwas bieten zu können und lädt ihn ein, am übernächsten Abend einer Diskussion über moderne Literatur beizuwohnen. Die Cultural Relations Society werde auch seine Spesen während des Aufenthaltes in Wien übernehmen. Holley Martins ist nur wichtig, dass er in Wien bleiben kann, denn er will beweisen, dass Oberst Calloways Anschuldigungen gegen Harry Lime falsch sind.

Ein Bekannter Harry Limes namens Kurtz (Ernst Deutsch) ruft ihn an und verabredet sich mit ihm in einem Café. Er erzählt ihm von Harry Limes Unfall. Unmittelbar vor dem Haus, in dem Harry Lime wohnte, sei er mit ihm auf dem Bürgersteig gegangen, als von der anderen Straßenseite ein Bekannter gerufen habe. Harry Lime sei auf die Straße getreten und von einem Auto überfahren worden. Wenig später sei Harry Limes Hausarzt Dr. Winkler (Erich Ponto) vorbeigekommen und habe seinen Tod festgestellt.

Holley fällt auf, dass mehrere Bekannte Harry Limes — aber keine Fremden — bei dem Unfall oder kurz danach zugegen waren. Nur der Hausmeister glaubt vom Fenster aus gesehen zu haben, wie drei Männer den Verunglückten von der Straße wegtrugen. Drei Männer?! Kurtz sagte, nur er und ein anderer Bekannter Harry Limes, ein Rumäne, seien es gewesen. Das bestätigt auch der Rumäne, den Holley in einer Bar kennen lernt.

Harry Limes Geliebte Anna Schmidt (Alida Valli) findet er als Schauspielerin in einem Theater der Josefstadt.

Holley sieht sich in Harry Limes Wohnung um und äußert den Verdacht, Harry Lime sei ermordet worden. Der Hausmeister wehrt aufgeregt ab: Er will sich nicht in die Sache hineinziehen lassen und nichts mit der Polizei zu tun haben. Einige Zeit später verabredet er sich dann doch mit Holley für den Abend, um ihm mehr zu erzählen. Als Holley und Anna kommen, wird er gerade mit durchschnittener Kehle aus dem Haus getragen.

Anna wird von der internationalen Polizei verhaftet, weil ihr Pass gefälscht ist. Harry Lime beschaffte ihn, weil sie sich sonst als Tschechin nicht in Wien hätte aufhalten dürfen. Oberst Calloway behält zwar den gefälschten Ausweis, schützt sie aber vor seinem russischen Kollegen und lässt sie gehen.

Holley kehrt in sein Hotel zurück. Als er nach einem Taxi fragt, um zu Oberst Calloway zu fahren und ihm von seinem Verdacht zu erzählen, Harry Lime sei absichtlich überfahren und ermordet worden, steht schon ein Fahrer in der Hotelhalle für ihn bereit. Der rast mit ihm zu der Veranstaltung der Cultural Relations Society — die Holley völlig vergessen hatte. Mr. Crabbin und das Publikum warten bereits auf ihn. Zuerst glaubt man noch, er mache einen Scherz, als er nach seiner Meinung über James Joyce gefragt wird und daraufhin sagt, den kenne er nicht. Aber dann wird es peinlich, und Mr. Crabbin beobachtet verzweifelt, wie die ersten Zuhörer den Saal verlassen.

Als endlich niemand mehr da ist, und sich auch Holley anschickt, zu gehen, bemerkt er gerade noch rechtzeitig, dass zwei Männer vor der Tür auf ihn warten. Er rennt eine Treppe hoch, durchquert ein unbeleuchtetes Zimmer und flieht durch das Fenster.

Als er bei Oberst Calloway im Büro auftaucht, entschließt sich der, ihm von den polizeilichen Ermittlungen zu berichten, um ihn von weiteren Nachforschungen abzubringen, mit denen er sich und andere gefährden würde. Harry Lime hatte einen Schwarzhandel mit Penicillin organisiert. Das gab es nur in den Lazaretten der Besatzungsmächte. Sanitäter stahlen es dort für Harry Lime. Zahlungskräftige Patienten konnten es dann von ihm kaufen. Um den ohnehin riesigen Profit noch zu steigern, ließ er das Penicillin verdünnen. Dabei nahm er in Kauf, dass es durch die Verunreinigungen zu schweren Folgeerkrankungen und Todesfällen kam.

Holley betrinkt sich in einer Bar und geht dann mitten in der Nacht zu Anna. Er wolle sich verabschieden, weil er sich entschlossen habe, am nächsten Morgen aus Wien abzureisen. Er will nicht sagen, was er über Harry Lime erfahren hat — doch Anna weiß es ohnehin.

Als Holley wieder auf der Straße ist, sieht er einen Mann in einem dunklen Hauseingang stehen. Eine Katze spielt mit seinen Schuhbändern. Plötzlich fällt Licht auf das Gesicht: Es ist Harry Lime! Er läuft davon. Holley verfolgt ihn, hört seine Schritte auf dem Pflaster, sieht seinen Schatten über die Hauswänden huschen — aber plötzlich ist er fort. Holley berichtet Oberst Calloway davon, aber der glaubt ihm erst, als die Polizei an der angegebenen Stelle auf einen in einer Litfaßsäule verborgenen Eingang in die Kanalisation der Stadt stößt.

Er lässt das Grab Harry Limes öffnen. Der Tote ist Joseph Harbin. Der hatte für Harry Lime das Penicillin gestohlen.

Kurtz wohnt in der russischen Zone. Da darf Oberst Calloway nicht hin. Aber Holley sucht ihn auf. Auch Dr. Winkler ist da. Holley fordert die beiden Männer auf, Harry Lime auszurichten, dass er ihn am Riesenrad sprechen wolle.

Tatsächlich kommt Harry Lime. Beinahe hätte er die Hand ausgestreckt, aber er tut es nicht, denn er ahnt, dass Holley den Handschlag verweigern würde. Sie steigen allein in einen Wagen des Riesenrades. Als sie oben am Scheitelpunkt angelangt sind, hält das Riesenrad an. Jeder der beiden denkt daran, den anderen aus dem Wagen zu stoßen. Keiner vermag es zu tun. Harry Lime täuschte seinen Tod vor, weil ihm die Polizei im britischen Sektor dicht auf den Fersen war. Er ist jetzt im russischen Sektor untergetaucht. Als sie über Anna reden, wird Holley klar, dass Harry Lime sie nicht liebt. Sie blicken auf die aus dieser Höhe winzig wirkenden Menschen hinab, und Harry Lime fragt Holley, ob er 20000 Pfund ablehnen würde, wenn er ihm diesen Betrag für jeden toten „Punkt“ da unten böte. Als sie auseinander gehen, sagt Harry Lime seinem Freund, er könne ihn jederzeit über Kurtz erreichen, wenn er ihn sprechen wolle.

Damit Oberst Calloway Anna mit dem Zug aus Wien abreisen lässt, erklärt sich Holley bereit, den Lockvogel für ihn zu spielen. Kurz vor der Abfahrt des Zuges sieht Anna durch ihr Abteilfenster Holley. Sie durchschaut ihn, steigt aus und bleibt in Wien.

Holley fühlt sich elend, weigert sich erneut, seinen Freund in die Fänge der Polizei zu locken und will Wien nun endgültig verlassen. Oberst Calloway bietet sich an, ihn zum Flughafen zu bringen. Unterwegs zeigt er Holley in einem Krankenhaus Kinder, die durch Harry Limes gepanschtes Penicillin an Meningitis erkrankt sind. Damit gewinnt er Holley für seinen Plan.

Über Kurtz verabredet sich Holley mit Harry Lime in einem Café. Als Holley dort wartet, sieht Anna ihn sitzen. Sie geht zu ihm und wirft ihm vor, seinen Freund zu verraten. In diesem Augenblick steht Harry Lime in der Türe. Er hört ein paar Worte und begreift, was vor sich geht. Er flieht in die Kanalisation. Holley, Oberst Calloway, dessen Fahrer Paine und ein Aufgebot von Polizisten verfolgen ihn in dem Labyrinth. Harry Lime erschießt Paine. Obwohl er ebenfalls von einer Kugel getroffen wird, läuft er weiter und kriecht einen Schacht hinauf. Er versucht das Kanalgitter hochzugeben, um ins Freie zu gelangen, aber er ist zu schwach. Holley findet ihn. Die Freunde blicken sich an, und Harry nickt. Ein Schuss kracht.

An Harry Limes Begräbnis nehmen nur Anna Schmidt, Holley Martins und Oberst Calloway teil. Ohne ein Wort zu sagen, geht Anna nach der Zeremonie fort. Die beiden Männer fahren mit Oberst Calloways Wagen und überholen sie auf einer langen Allee. Unvermittelt bittet Holley den Oberst, anzuhalten. Er steigt aus und wartet auf Anna, doch sie geht an ihm vorbei, ohne ihn zu beachten.

Informationen zum Film
Originaltitel: The Third Man
Produktion: London Films Production/ British Lion (1949)/ England

Regie: Carol Reed

Buch: Graham Greene
Kamera: Robert Krasker
Schnitt: Oswald Hafenrichter
Musik: Anton Karas

Dt. Fassung:
a) Mars Synchron, 1949- Buch: Thea v. Harbou/ Regie: Georg Rothkegel
b) Berliner Synchron, 1963 i. A. des atlas-Filmverleihs

Dt. Erstaufführung:
06.01.1950

Darsteller:
Holly Martins – JOSEPH COTTEN
Anna Schmidt – ALIDA VALLI
Major Calloway – TREVOR HOWARD
Harry Lime – ORSON WELLES
Kurtz – ERNST DEUTSCH
Dr. Winkel – ERICH PONTO
Popescu – SIEGFRIED BREUER
Hausmeister – PAUL HÖRBIGER
Crabbin – WILFRID HYDE-WHITE
Sergeant Paine – BERNARD LEE
Annas Vermieterin – HEDWIG BLEIBTREU
Frau des Hausmeisters – ANNIE ROSAR
Erzähler: Wolfgang Kieling

Oscar:
1950 – Kamera

DER FILM
mehrmals wöchentlich in Originalsprache:

Burgkino Opernring 2. Info (01) 587 84 06

Links zum Film

Hist. Museum Wien
Stadtbibliothek Wien
Epilog
Der dritte Mann
Carol Reed: Der dritte Mann
Amazon
DVD Reviews

Dritte Mann Museum

A 1040 Wien, Pressgasse 25

+43-(0)1- 586 48 72
contact3mpc@hotmail.com

Wiener Spaziergänge:
Auf den Spuren eines Filmklassikers

DIE ultimative Führung für Filmfans aus aller Welt! Auch 50 Jahre nach seiner Premiere zählt Carol Reeds düsteres Nachkriegsepos um den Penizillinschieber Harry Lime zu den unumstrittenen Klassikern der Kinoleinwand. Mit großem Fingerspitzengefühl ist es dabei der Regie und der mit einem Oscar ausgezeichneten Kamera des Australiers Robert Krasker gelungen, ein authentisches Bild vom zerstörten und besetzten Wien zur Zeit des Kalten Krieges einzufangen. Durch seine Originalschauplätze und die berühmte Zithermusik von Anton Karas ist der Film untrennbar mit Wien verbunden. Der Stadtspaziergang führt sie mit Hilfe von reicherem Bildmaterial und Musikbeispielen durch das Wien des Dritten Mannes, zuerst in die unheimliche Welt der Wiener Kanalisation, anschließend zu den eindrucksvollsten Schauplätzen in der Inneren Stadt. Film und Stadtgeschichte pur, greifbar, lebendig und spannend (aus Wiener Spaziergänge – www.wienguide.at)

Dauer: 2 1/2 Std. Ev.Taschenlampe und feste Schuhe

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60 Jahre „Der dritte Mann“

„Der dritte Mann“ (Originaltitel „The Third Man“) ist ein britischer Spielfilm von Carol Reed und stammt aus dem Jahr 1949. Die Grundlage des Streifens bildet eine Zusammenarbeit zwischen Reed und dem Schriftsteller Graham Greene, der dafür eine Erzählung schrieb, nach welcher sie gemeinsam ein Drehbuch verfassten. Später arbeitete Greene den Stoff zum gleichnamigen Roman aus, der 1950 erschien. Für den Film wurden lediglich einige Szenen adaptiert, in ihrem Wesen blieb die Story jedoch unverändert. Die Hauptrollen sind mit Joseph Cotten, Alida Valli und dem unvergesslichen Orson Welles besetzt. Zur Berühmtheit dieses Films trug freilich unter anderem auch das legendäre „Harry Lime-Thema“ bei: Anton Karas komponierte die bekannte Melodie und spielte sie auf der Zither – ein Einfall, der laut Graham Greene ganz alleine auf Carol Reed zurückzuführen sei. Überaus bemerkenswert sind die expressionistischen Kameraperspektiven, für die Robert Krasker mit dem höchsten Filmpreis, einem Oscar, ausgezeichnet wurde.
Die Welturaufführung des „Dritten Manns“ fand am 2. September 1949 im Londoner „Plaza-Theater“ statt. Bereits wenige Tage später, am 17. September, wurde der Film mit der prestigeträchtigen Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet. Am 2. Februar 1950 feierte man im New Yorker „Victoria Theatre“ die umjubelte US-Premiere, am 9. März 1950 wurde der „Der dritte Mann“ schließlich erstmals in Österreich, und zwar im Apollo-Kino in Wien, gezeigt. Im Jahre 1999 wählte das „British Film Institute“ den Streifen zum besten britischen Film aller Zeiten.

Erscheinungsdatum: 02.09 2009
Auflagenhöhe: 900.000
Druckart: Offset
Entwurf: Michael Rosenfeld
Druck: Österreichische Staatsdruckerei
Art: Sonderpostmarke

auszugsweise aus

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