Hietzing

13. Bezirk
Fläche: 37,7 km²
Einwohner: 54.909 (1991)
49.574 (2001)
51.698 (2005)

Allgemeine Informationen


Die Furt über den Wienfluss

im SW der Stadt, reicht in den Wienerwald, dem hier isolierte Vorberge (geolog.: „Kalkklippen“) vorgelagert sind: Trazerberg, 277 m, Roter Berg, 262 m, Küniglberg, 261 m, Rosenhügel u. a. Zu H. gehören die bis 1892 selbständigen Vororte H., Speising, Lainz, Ober- und Unter-St.-Veit, Hacking sowie Schönbrunn (Schloss und Park), Friedensstadt und Teile von Mauer. Bis 1938 umfaßte H. auch Penzing, Breitensee, Baumgarten und Hütteldorf, die damals als 14. Bez. ( Penzing) abgetrennt wurden. Seither bildet der Wienfluss die N-Grenze des Bezirks, dem 1938 (endgültig 1955) der Lainzer Tiergarten angegliedert wurde. – Die erste urk. Nennung fällt in das Jahr 1130. Hauptgrundbesitzer war der Dt. Orden. H. war ab 1529 Wallfahrtsort, ab Maria Theresias Zeit eine von Adel und reichen Bürgern bevorzugte Sommerfrische, ab ca. 1800 von diesen auch ständig bewohnt, wurde im 19. Jh. zum Wr. Nobelviertel und wegen seiner Vergnügungsstätten (Dommayersches Kasino) und der Nähe zu Schönbrunn von den Wienern gern besucht. – Got., barockisierte Pfarrkirche, als Wallfahrtskirche und Lieblingskirche Maria Theresias bekannt (erweitert 1860-64), daneben barocke Mariensäule (1713) und Denkmal für Maximilian von Mexiko (1871). Bezirksmuseum; Dominikanerinnen-Konvent (1885); Kapelle (1964/65); Schloss Ober-St.-Veit (1742, umgestaltet 1762-77) und Friedhof mit Mausoleum; St.-Hemma-Pfarrkirche (1965/66); syrisch-orthodoxe Kirche (1736-46). Einer der schönsten Friedhöfe von Wien mit Empire- und Biedermeiergrabsteinen.

Text auszugsweise aus

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Magistratisches Bezirksamt:
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Berühmte Bewohner

Durch die Sommerresidenz der Habsburger, Schloss Schönbrunn, wurde Hietzing für den Adel und für reiche Bürger attraktiv, die sich hier große Villen bauten. Die Häuser Gloriettegasse 23 und 29 waren einst Portier- und Wirtschaftsgebäude der Empirevilla des erfolgreichen Theaterdirektors Carl Carl (1787-1854). Der Komplex wurde im Volksmund „Lumpazidörfel“ genannt; man sagte, der Eigentümer habe sie mit dem Geld erbaut, das er mit Nestroys „Lumpazivagabundus“ verdient hatte. Das Hauptgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffer zerstört.


Gustav Klimt
(1862 – 1918)

Johann Strauß (Sohn, 1825-1899) besaß das Haus Maxingstraße 18. Er schrieb dort unter anderem die „Fledermaus“ (Gedenktafel). In der Trauttmansdorffgasse lebte Alban Berg (1885-1935) und komponierte dort seine Oper „Lulu“. Der Operettenkomponist Leo Fall (1873-1925) wohnte und starb im Haus Lainzer Straße 127, und auch Oscar Straus (1870-1954) hatte in Hietzing seinen Wohnsitz. Ihm wurde 1959 ein Denkmal am Beginn der Hermesstraße errichtet. In der Villa des Dramatikers Hermann Bahr (1863-1934) verkehrte die kulturelle Elite seiner Zeit. Auch Hansi Niese (1875-1934) und Hans Moser (1880-1964), der eine Villa in der Auhofstraße 76-78 besaß, lebten in Hietzing. Gustav Klimt (1862-1918), der mit Mutter und Schwester in der Westbahnstraße 36 am Neubau wohnte, wanderte zwischen 1912 und seinem Tod fast täglich nach Hietzng, wo er sich in der Feldmühlgasse 11 in einem kleinen Gartenhaus ein Atelier eingerichtet hatte. In der später ausgebauten Villa, die heute an Wochenenden nachmittags zugänglich ist, schuf er bedeutende Landschaftsbilder und Porträts (u.a. „Dame mit Fächer“). Auch dieser heute weltweit bekannte Maler des Wiener Jugendstils ist im Hietzinger Friedhof begraben. Der mit ihm befreundete Egon Schiele (1890-1918) wohnte ebenfalls nicht im Bezirk, hatte aber wie Klimt zunächst sechs Jahre ein Atelier in der Hietzinger Hauptstraße 101 und arbeitete in den letzten vier Monaten seines Lebens im Haus Wattmanngasse 6. Sein Werk ist im Bezirksmuseum dokumentiert. Dort wird auch auf den in Ober-St. Veit geborenen Philosophen Sir Karl Raimund Popper (1902-1994) hingewiesen, dessen Ehrengrab sich am Lainzer Friedhof befindet. 1937-1945 in Neuseeland im Exil, wirkte Popper ab 1949 in London. Er gilt als Begründer des kritischen Rationalismus und wurde vor allem durch sein unfangreiches Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ (englisches Original 1945) bekannt. Aus Ober-St. Veit stammte auch der Abenteurer und Afrikaforscher Slatin Pascha (1857-1934), der es in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis zum Generalinspekteur des Anglo-Ägyptischen Sudans gebracht hatte. Sein Schwert ist im Hietzinger Bezirksmuseum als Teil der sehenswerten Kaffa-Sammlung des Hietzinger Afrikaforschers Friedrich Julius Bieber zu bewundern.

Textauszug aus

Diem, Peter – Göbl Michael – Saibel, Eva
Die Wiener Bezirke
Ihre Geschichte, ihre Persönlichkeiten, ihre Wappen

Deuticke Verlag
ISBN: 3852234638

Auszugsweise Veröffentlichung
mit freundlicher Genehmigung
des Deuticke Verlages

DharmeshWiener BezirkeHietzing 13. Bezirk Fläche: 37,7 km² Einwohner: 54.909 (1991) 49.574 (2001) 51.698 (2005) Allgemeine Informationen im SW der Stadt, reicht in den Wienerwald, dem hier isolierte Vorberge (geolog.: 'Kalkklippen') vorgelagert sind: Trazerberg, 277 m, Roter Berg, 262 m, Küniglberg, 261 m, Rosenhügel u. a. Zu H. gehören die bis 1892 selbständigen Vororte H., Speising, Lainz, Ober- und Unter-St.-Veit, Hacking...