Bild: Anton Krutisch
© Bezirksmuseum Meidling

Anton Krutisch wurde am 2. Mai 1929 in Wien-Meidling geboren. Seine Jugend verbrachte er hauptsächlich in der Umgebung des Meidlinger Marktes, wo er auch die Volks- und Hauptschute besuchte.

1937 begann er eine Lehre bei einer Bau- und Galanteriespenglerei,
die er als Angehöriger des Reichsarbeitsdienstes abschloß
– er wurde 1940 dazu als „kriegsverwendungsfähig“ herangezogen. Er hatte zwar den Gesellenbrief erworben, sollte diesen Beruf aber niemals ausüben.
Er mußte in den „aktiven Dienst“ wechseln und kam an der Ostfront zum Einsatz, wo er kurze Zeit später schwer verwundet wurde: Sein linker Unterschenkel mußte amputiert werden. 1943 wurde er dann aus dem Deutschen Heer entlassen. Aufgrund seiner Verletzung konnte er in seinem erlernten Beruf als Spengler nicht mehr arbeiten. Er verdiente dann seinen Lebensunterhalt bei verschiedenen Firmen, war als Buchhalter tätig, stieg zum Büroleiter auf und war für Personalangelegenheiten zuständig, bis er schließlich bei der Sozialversicherungsanstalt eine Anstellung fand.

Am 4. Dezember 1954 heiratete er in Margareten seine Frau Maria, die später immer wieder als „Mitzerl“ in seinen Gedichten vorkommt.

Sein Hobby war das Schreiben. Nebenberuflich schrieb er Glossen, Kurzgeschichten und Sportberichte. Als begeisterter Fußballfan, sein Lieblingsklub war „Wacker“, schrieb er Feuilletons und Artikel für Sportzeitungen und wurde in die Fachgruppe „Sportjournalisten“ aufgenommen. Seine Liebe galt jedoch nicht nur dem Fußball, sondern vor allem dem Wienerlied. 1950 wurde er auch Obmann des Geselligkeitsvereins „D’guaten Weana“ und blieb dies bis zu seinem Tod.


Bild: Autogrammkarte Anton Krutisch
© Bezirksmuseum Meidling

Erst knapp vor seinem 50. Geburtstag begann Anton Krutisch, Mundartgedichte zu schreiben – angespornt von seiner Frau und Freunden.

Sein Vortragstalent erlaubte es ihm, bei verschiedensten Veranstaltungen als Conferencier aufzutreten- und konnte so seine eigenen Gedichte vortragen. Seine dem Leben abgeschauten Szenen finden bei allen Schichten der Bevölkerung Anklang. Der „Spitzbub“ Toni Strobt holte Toni Krutisch zu seinen „Altspatzen“ nach Grinzing, Heinz Conrads lud ihn in seine beliebte Fernsehsendung „Guten Abend am Samstag“ ein. Damit hatte Anton Krutisch den Durchbruch geschafft.

Er besprach vier Langspielplatten mit seinen Gedichten und es erschienen ebenso viele Bücher im Mohr-Verlag mit Zeichnungen von „Emil“:

„Wiener Lavendel“ 1976
„Kraut und Ruam“ 1977
„Ka Bam wachst in Himmel“ 1979 und der Sammelband
„Wiener Lavendel“ 1985

Krutisch schrieb auch die Texte zu einer Reihe von Wienerliedern:
„Was du amal versamt hast“,
„Ka Bam wachst in Himmel“,
„Weil mei Wirt die Gripp‘ hat“,
„Wir fahren zur WM“,
„Anuschka“,
„Wo Tauben san“ u.v.a.

In Würdigung seiner besonderen Verdienste um das Wienerlied und die Wiener Volkskunst wurde Anton Krutisch am 9. Oktober 1977 die „AugustinPlakette“ zuerkannt. Fünf Tage vor seinem Tod verlieh der Vorstand der Vereinigung „Das Wienerlied“ Anton Krutisch die „Große Wienerlied- Plakette“. Am 19. September 1978 starb er nach kurzem, schwerem Leiden im 58. Lebensjahr.

Die wenigen Jahre, in denen er Gedichte schrieb, ließen ihn durchaus an jenen Wiener Kreis herankommen, zu dem Josef Weinheber, H.C. Artmann, Georg Strnadt und Trude Marzik gehören.

Anton Krutisch gehört zu jenen Heimatdichtern, die das Wienerische, mit dem spezifischen Eigenleben des Bezirksdialektes in seinen Gedichten bevorzugte. Er machte das „Meidlingerische“ populär und erhob es über das Vulgäre des gesichtslosen Jargons. Er lebte in der Nähe des Meidlinger Marktes, einer idealen Gegend für den scharfen Beobachter. Zusammen mit seinem Feingefühl für die Sprache ergab sich eine nahezu ideale Kombination: seine Phantasie und sein Talent nützend, konnte er die kleinen Dinge und Erlebnisse des Alltags in Verse fassen. Sie sind liebenswürdig, lebensnah, aber auch urwüchsig, aber nie gewöhnlich. In seinem Bestreben, die Menschen zu unterhalten, hält er ihnen einen Spiegel vor. Mit dem herzlichen Lachen verbinden sich jedoch Ironie und Besinnlichkeit. Nostalgisch werden Zusammenhänge aufgezeigt, die einen betroffen zum Nachdenken anregen.
DA GUATSTEHER
von TONI KRUTISCH
(Frei nach Schillers Ballade „Die Bürgschaft“)

Zu Dionis, dem Tyrann von de Griechen,
is dä Mörus mit an Dolch zuwegschlichen.
Oba wira se so zuwedrängt, und ans Stechn no net amol denkt,
da ham eahm scho de Kiewara daglengt.

Da sagt da Tyrann „Hob i di du Strolch,
speib, was hast‘n machen wollen mitn Dolch?“
Mant da Mörus, i bin a ehrlicher Knopf,
und wann ma de Wahrheit a kostat mein Kopf,
aber i sags, und sollt mi da Teufi hoin,
ja du Bücha, i hab di hamdrahn wolln!

Aha, schreit da Tyrann, du biestiges Luada,
i habs ja glei gwußt, du bist a ka Guada!
Aber bei mir du Sandler do hast di vergoglt,
dafür wirst jetzt aufs Kreuz aufegnoglt!

Do winselt da Mörus ganz dasig, „Oh mei!“
„Wia kann ma nur so nachtragend sei.“
Der tut a so , wia wann i eahm wehtau hät,
dabei war i zum Stechn eh fü zu bled.

Wann i net so botschert warat du Pippn,
hättast den Feidl scho längst zwischn d‘Rippen!
Aber wannst ma scho nehma wüst mei Leben,
kunnst ma vorher a Gnade no geben.
Weil wann i jetzt sterbat, dann wa des saubled,
weil mei Schwester de Hochzeit no hät.

Lang gnua hots ja gsuacht de schiache Zechn,
jetzt hots endlich an gfunden, an so an Wechn.
Der is so deppat, und packts, so a Blinder,
und spielt a den Vatern für ihre drei Kinder!

I wahrat ihr Beistand, und wann i net kau,
rennt ihr des Weh vielleicht wieda davau.
Drum tat i di bitten, laß ma mei Pflicht no erfülln,
wanns dan vorbei is, komm i z’ruck, und erfüll da dein Wülln.

Nachan laß i mi braten am Kreuz in da Sun,
„Was warst den so deppat“ sagt drauf der Tribun.
Hättast halt mitn Stechn zugwoat bis Murgen,
dann häst wegn da Hochzeit heit kane Surgen.

Wer mitn Feia spüt, der varbrennt se de Klebeln,
drum halt jetzt dei Meu, und hea auf mitn Kebbeln.
I bin da Dionys, oder glaubst i has Ottl,
laßat i di jetzt geh, dann wa i a Trottel!

Du hast ja an Klopfer, wia stellst da des fur.
Drauf mant da Mörus jetzt hea amoi zua:
„I hätat an Freind“ der stangat ma guat,
und bleibt da ois Pfand, daweil i bin fuat.
Und wirklich, der Freind is bereit zu der Hackn,
und sagt i vertrau da, du wirst es dapockn!

Aber dastas wast, dei Wurt, des muast hoidn,
und wann i stot dir eigeh, sag is deiner Oidn.
Und was da dann bliaht, des kannst da ja denga!“
„I komm scho zruck“ sagt da Mörus, „lieber laß i mi hänga!“

Bei mir da hast de teischt, i laß eahm net stocken
sagt da Mörus, und macht si zur Hochzeit aufd Socken.

Dort hat er als Beistand ganz brav unterschriebn,
aber trotzdem is er, wias halt a so is, dann do picken blieben.
Und er hat gsoffen und gfressen und kudert und glacht,
und die Ramasurie hat dauert zwa Tag, und zwa Nacht.

Wira mit an tepperten Schädel erwacht in der Hapfen,
foid eahm da Freind ein, und eahm hauts fast aus de Schlapfen.
Zwölf Stund hat er nur mehr bis zum Abendrot,
und wanna net zrechtkummt is da Hawara tot!

Ohne Abschied, ohne Fruastuck und ohne Rasieren,
schleicht er se fuat und fangt an zum marschiern.
Da fangts an zum trepfeln, dann regnets und schütts,
doch er hatscht weida bei Sturm Donner und Blitz.

Aber wira zum Fluß kommt vergeht eahm da Reiß,
de Bruckn is weg. „Wos tua oh Zeis?“
„De Bruckn is weg, i hab ka Schinackl,
und bei dem Wellengang schwimma, des is a ka Hackl.“
Aber es bleibt eahm nix über, er muaß durch des Wosser,
also hupft er halt eini, er wird jo eh nimma nossa.

Er raft se herum mit de haushochn Wogen,
und a poa mal da häts eahm a fast abizogen,
aber er tuat beten und bitten und sempern,
und da Zeis hat a Mitleid, und laßt eahm net schlempern.

So kummt er mit Ach und Krach umi,
kreut außi und sagt, wann i mi dummi,
kumm i nu vorm Abendrot eini ind Stadt.
Dabei macht er an Fotz der Zwiefikrowod.

Und weida rennt er mitn patschnassen Frack,
wia waun eahm sitzad da Teufi im Gnack!
Da versperrn eahm auf amol no Räuba den Weg,
„Schleichts eich!“ schreit er, „I hab ja an Dreck!“

„Des anzige was i no hab, is mei Leben,
und des muaß i heite in Kenig nu geben.“
Aber de kreuln eahm net abi, und wolln eahm daschlogen,
da wird er wüld, da platzt eahm da Kragen.

Er gibt den ersten a Fotzn, den zweiten an Schuß,
dem dritten a Kinnhakerl, voller Genuß,
dem vierten an Tritt, und kaft eahm an Reider,
de andern verkuman, und er rennt scho weida.

Aber sche langsam wean bleiern de Haxen,
er wird miada und miada, es krachen de Flaxen!
Und er denkt se, kummt des vom jaucken,
oder hät i vielleicht solln net so vü rauckn.
Doch er jappert weida auf de hinichn Schleich,
de Sun geht scho owe, der Himmel wird bleich.

Da kommt er zum Stadtrand mit hängada Zunga,
er denkt se nur ans: „Gelunga, gelunga!
Da kommt eahm auf amol sei Hausmasta ind Quer
und schreit, du rettest den Freind nimma mehr!
Zu spät, sie ziagn eahm scho aufi aufs Kreiz,
rett du dir dei Lebn, und verduft in de Schweiz.

Doch er gibt net nach, reistse nuamol zaum,
spuckt in de Händ, und sagt, glei werdn mas habn.
Er start wia da Ben Johnson eine ind Stadt,
dort zahns in Freind aufs Kreiz aufi grad.

Und der Tyrann hanselt eahm immer:
Na, Tepperta, dei Spezi komm nimma.
„Der kommt“ röchelt der Freind obwoi ers ned glaubt
aufamol siacht er von der Weidn, wias do a so staubt.
Da kummt ana khatscht, steßt Türl auf und schreit:
„Mochts ma an Plotz, i hab ja ka Zeit.“

Da schreit da Freind“ Hollodaroh!
Was sagst jetzt Tyrann, da Mörus is do!“
Dem Tyrann foid obi vor Entteischung des Ladl,
er glaubt, er tramd und zwickt se ins Wadl.
Aber es is woa und wirklich ka Tram,
da Mörus da Oide is wida Daham.

„Freindschaft“ schreit da Mörus „geht mir über ois,
jetzt bin i do Freind, und, rett da dein Hals!“
Und de zwa falln se vor Rührung so lang in de Arm,
das de Leit umadum scho glaubn, de san woam.
Der Tyrann steht danebn, und siniert,
der Mörus, des Hundsviech, des hat mi blamiert.

Jetzt kann i nix tuan, als wia vertuschen mein Gietzi,
und schasfreindlich sagt er: „Es sats ma zwa Strizzi“
„I mecht eich sche bittn in dera Stund,
nehmts mi als drittn auf in eichan Bund.“
Da sagt der Mörus zum bekehrten Tyrann:
„Du des is leiwand, mia brauchn eh an!“
„Nissal schreib auf, du kannst uns net Pflanzen,
du wirst unser Dritter…. beim Preferanzen!

DharmeshPersonenAnton Krutisch wurde am 2. Mai 1929 in Wien-Meidling geboren. Seine Jugend verbrachte er hauptsächlich in der Umgebung des Meidlinger Marktes, wo er auch die Volks- und Hauptschute besuchte. 1937 begann er eine Lehre bei einer Bau- und Galanteriespenglerei, die er als Angehöriger des Reichsarbeitsdienstes abschloß - er wurde 1940 dazu als...