Urania bei Nacht © VHS Wiener Urania

Urania, 1897 nach Berliner Vorbild vom Niederösterreichischen Gewerbeverein in Wien als populärwiss. Inst. gegr.; zunächst in Syndikatsform, bald als gemeinnütziger Verein geführt, der sich an den dänischen Volkshochschulen orientierte; bezog 1910 ein eigenes Bildungshaus am Donaukanal (mit Sternwarte und elektr. Uhrenanlage) und setzte früh die neuesten techn. Hilfsmittel bei ihren Bildungsprogrammen ein (Lichtbild, Film).
Urania, 1897 nach Berliner Vorbild vom Niederösterreichischen Gewerbeverein in Wien als populärwiss. Inst. gegr.; zunächst in Syndikatsform, bald als gemeinnütziger Verein geführt, der sich an den dänischen Volkshochschulen orientierte; bezog 1910 ein eigenes Bildungshaus am Donaukanal (mit Sternwarte und elektr. Uhrenanlage) und setzte früh die neuesten techn. Hilfsmittel bei ihren Bildungsprogrammen ein (Lichtbild, Film).

Die Wiener Urania hatte ihre Blütezeit in der 1. Republik (Eröffnung von Zweigstellen auch außerhalb Wiens, davon bestehen Baden und Hollabrunn bis heute); in der 2. Republik gliederte sie sich in den Volkshochschulverband ein.


Originalschatulle des
Urania-Skioptikon-Vortrags
„Wiener Donaukanal“, 1924

Entstehungszeitraum der Bilder: 1900 – 1924

89 handcolerierte Glasdiapositive

Volkshochschularchiv Wien
Eine Grazer Urania bestand 1919-38, seit 1947 ist die „Ö. U. für Stmk.“ mit Zweigstellen eine wichtige steir. Volkshochschule

Sternwarte Wiener Urania
Die Wiener Urania Sternwarte wurde als Volkssternwarte gemeinsam mit dem Volksbildungsinstitut Urania in den Jahren 1909 bis 1910 erbaut und ist damit die älteste Volkssternwarte Österreichs. Der 36 Meter hohe Sternwarteturm dominiert das Erscheinungsbild der Urania. Unter der drehbaren Kuppel befindet in 27 Meter Höhe eine zwölfseitige „Laterne“, die eine Aussicht über die Stadt Wien ermöglicht.


Bild: Urania Sternwarte © Urania

Die Sternwarte wurde drei Wochen vor der offiziellen Eröffnung der Urania am 20. Mai 1910 in Betrieb genommen. Diese Eile war erforderlich um den Vorbeiflug des Halleyschen Kometen beobachten zu können, der zu dieser Zeit seine größte Helligkeit erreichte. Das Hauptinstrument der Sternwarte war ein Refraktor von Carl Zeiss mit 20 cm Öffnung und 307,7 cm Brennweite. Zusammen mit der parallaktischen Montierung hatte das Instrument eine Masse von 5,3 Tonnen. Vor allem für die Volksbildung gab es drei weitere Teleskope („Kometensucher“) mit 8,6 und 6 cm Öffnung, sowie ein Aussichtsfernrohr von 11 cm Öffnung. Für wissenschaftliche Zwecke existierte ein Passageninstrument von 5 cm Öffnung. Da der Besucherandrang sehr groß war beschaffte die Urania zusätzlich ein Plössl’sches Fernrohr von 13 cm Öffnung, das zuvor der Universitätssternwarte gehört hatte.

Die Leitung der Sternwarte wechselte teils krankheitsbedingt und teils kriegsbedingt in rascher Folge. Erster Leiter war Heinrich Jaschke (1910–1912), gefolgt von Gideon Riegler (1912–1914) und Johann Paul Haustein (1914–1915). Erst Oswald Thomas (1915-1922) war es vergönnt, die Urania-Sternwarte über einen längeren Zeitraum zu leiten; er bemühte sich erfolgreich um die Popularisierung der Himmelskunde.


Bild: Himmelsblicke Urania Sternwarte
© Urania Sternwarte, Julius Silver

Im November 1944 wurden die Sternwarte und der in ihr befindliche Zeiss-Refraktor fast vollständig zerstört. 1956 wurden von der Stadt Wien die zwölffenstrige Laterne und die Kuppel neu errichtet, und im März 1957 konnte der Führungsbetrieb wieder aufgenommen werden. 1980 wurde ein speziell für astronomische Bildungsaufgaben konzipiertes Doppelfernrohr in der Hauptkuppel in Betrieb genommen. Es besteht aus einem Refraktor mit 150 mm Öffnung und 3,0 m Brennweite, und einem Cassegrain-Reflektor mit einem Hauptspiegel von 300 mm Durchmesser und 5,35 m Brennweite, die von einer gemeinsamen Montierung getragen werden.

Bild: Urania Sternwarte mit Teleskop
© Urania Sternwarte, Julius Silver

Im Zuge der Generalrenovierung der Wiener Urania von 2000 bis 2003 wurde auch die Sternwarte baulich vollständig erneuert. Anstelle des alten Meridianhauses wurde zusätzlich eine neue Kuppel errichtet. Schließlich konnte sie den Betrieb im Jahr 2005 mit einem umfangreichen Programmangebot, zahlreichen astronomischen Vorträgen, Sonnenbeobachtungen und aktuellen Sonderveranstaltungen wieder aufnehmen.

Urania-Sternwarte Plakat 1929 (Bildausschnitt)
Veranstaltung (Besichtigung) & Veranstaltung (Führung)
Legende: „H. Czermak | Mitte rechts (Signatur)“
Legende: „Urania-Sternwarte/ (…)/ Himmelswunder des Fernrohrs, (…)/ (…) (Plakattext)“
Lithographie und Druck: A. Luigard, Wien, VIII., Pfeilgasse 35. (Druckvermerk)
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Geschichte der Wiener Urania
Im Jahr 1883 kam der deutsche Astronom Max Wilhelm Meyer nach Wien, um als Assistent der Universität Wien historische und zukünftige Sonnenfinsternisse zu berechnen. Nebenbei hielt er volkskundliche Vorträge und entwickelte die Idee einer volksbildenden Institution. Da er aber 1885 nach Berlin berufen wurde, entwickelte er seine Ideen dort weiter und gründete 1888 gemeinsam mit Wilhelm Foerster die Berliner Urania. Deren Ziel war es, wissenschaftliche Erkenntnisse auch einem Laienpublikum zugänglich zu machen. Ihren Namen bekam die Institution nach der Muse Urania, die in der griechischen Mythologie als Schutzgöttin der Sternkunde galt. Nach dem Vorbild der Berliner Urania wurde in Wien 1897 das Syndikat Wiener Urania als „gemeinnütziges Wirtschaftsunternehmen“ gegründet. Zunächst wurde 1898 als Prototyp für ein zukünftiges Volksbildungshaus ein provisorisches Urania-Gebäude im Wiener Prater errichtet. Es wurde am 7. Mai 1898 eröffnet und war Bestandteil der Jubiläumsausstellung, die anlässlich des 50-Jahr-Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. veranstaltet wurde.


Urania; Blick über den Bauplatz (vorgeschrittene Erdaushebung). Gegen Osten,
Richtung Radetzkystraße, links hinten das Gebäude der Rettungsgesellschaft.
Österreichische Lichtbildstelle;1909-07-10
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Im Jahr 1904 zählte die Urania 65.640 Besucher, 1906 waren er bereits 129.010. Da der große Besucherandrang mit den vorhandenen provisorischen Räumlichkeiten nur schwer zu bewältigen war, wandte sich die Urania 1904 an Bürgermeister Lueger zwecks Errichtung eines eigenen, neuen Gebäudes. Am 24. Juni 1904 beschloss der Gemeinderat, der Urania einen Baugrund am bislang unverbauten Aspernplatz (seit 1976: Julius-Raab-Platz) für einen symbolischen Jahreszins von 10 Kronen zu überlassen.

Urania; Bau bis zur Dachhöhe gediehen. Aufnahme aus Südwesten.
Österreichische Lichtbildstelle;1909-11
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Nach mehrjährigen Verhandlungen konnten die finanziellen Mittel für den Neubau zustande gebracht werden. Für die Planung wurde der Jugendstilarchitekt Max Fabiani beauftragt, ein Schüler von Otto Wagner. Obwohl Fabiani zuvor in Wien – etwa mit der Errichtung des Artaria-Hauses am Kohlmarkt 9 – auch schon als Vertreter einer radikalen Moderne in Erscheinung getreten war, wählte er für die Urania eine historisierende Form. Wegen der eigentümlichen neobarocken Ausrichtung der Außenerscheinung wurde diese scherzhaft als „baroccus fabiensis“ bezeichnet.

Urania – Gesamtansicht über den Aspernplatz. um 1925
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Am 6. April 1909 erhielt die Urania die behördliche Baubewilligung, am 4. Mai 1909 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung durch Erzherzog Friedrich, und am 8. Mai wurden die Bauarbeiten begonnen. Nach der relativ kurzen Bauzeit von elf Monaten wurde die Urania am 6. Juni 1910 durch Erzherzog Ferdinand Karl eröffnet. Die unkonventionelle Form und Bauweise rief den in Wien üblichen Skandal hervor. Den Wienern gefiel das Bauwerk jedoch, und schon bald etablierte sich die Urania als eines der Wahrzeichen Wiens. Die Baukosten hatten 712.859 Kronen für das Gebäude betragen und 119.689 Kronen für die Einrichtung. Zusätzlich hatten zahlreiche Unternehmen der Urania Einrichtungsgegenstände im Gesamtwert von 70.000 Kronen gespendet.


Das Bild zeigt bombengeschädigtes Urania: zahlreiche Einschusslöcher am
Gebäude, kein Dach, ausgebrannt, umgebende Häuser ebenfalls schwer
beschädigt, im Vordergrund zwei vollständig ruinierte Fahrzeuge ;1945-08-25
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Die Urania wurde von einem „Syndikat“ in einen gemeinnützigen Verein umgewandelt. Mit der Eröffnung ging das Gebäude in den Besitz der Stadt Wien über und wurde, ebenso wie der Baugrund, vom Verein Wiener Urania für einen Jahreszins von 10 Kronen gemietet. Bereits 1913 war ein guter Teil der Baukosten abgezahlt, als Verbindlichkeit verblieb nur mehr ein in 17 Jahren rückzahlbarer Kredit von 400.000 Kronen. In fast allen folgenden Jahren hatte die Urania einen Einnahmenüberschuss.

Die Straße vor der Südwand der Urania hieß ursprünglich Georg-Coch-Straße; 1913 wurde der Verkehrsweg in Uraniastraße umbenannt. Um die Ehrung für Georg Coch, dem Begründer der Österreichischen Postsparkasse, nicht zu verlieren, wurde 1913 zeitgleich der Platz vor dem Hauptgebäude der Wiener Postsparkasse in Georg-Coch-Platz umbenannt.
Volksbildungshaus Wiener Urania


Urania Front © VHS Wiener Urania

Das Volksbildungshaus Wiener Urania ist eine gemeinnützige Einrichtung und hat den Zweck, Bildung und Wissenserweiterung zu fördern und zu vermitteln.


Der Schwerpunkt des Angebots an Kursen und Vorträgen liegt im Bereich Allgemeinbildung- Philosophie, Psychologie, Gesellschaft, Politik, Kulturgeschichte, Chemie und Mineralogie. Die Urania veranstaltet Filmtage und hat ein großes Angebot an Reisevorträgen.

Daneben gibt es Volkshochschulkurse aus folgenden Bereichen: Sprachen, Gymnastik, Entspannung, Tanz, Massage, EDV, Literatur, Kunstgeschichte, Kreatives Gestalten sowie zahlreiche Angebote im Bereich Musik und Musikveranstaltungen.

Die Urania verfügt über eine Sternwarte, das Planetarium und ein Kino.
A 1010 Wien, Uraniastraße 1
+43-(0)1- 712 61 91
+43-(0)1- 712 61 91-53
office@urania-wien.at

DharmeshKunstUrania, 1897 nach Berliner Vorbild vom Niederösterreichischen Gewerbeverein in Wien als populärwiss. Inst. gegr.; zunächst in Syndikatsform, bald als gemeinnütziger Verein geführt, der sich an den dänischen Volkshochschulen orientierte; bezog 1910 ein eigenes Bildungshaus am Donaukanal (mit Sternwarte und elektr. Uhrenanlage) und setzte früh die neuesten techn. Hilfsmittel bei...