Bild: Udo Proksch, der Darling der Schickeria, in Handschellen.

Die Dominanz der SPÖ bedeutete auch – trotz des Verlusts der absoluten Mehrheit und einer Koalition mit der FPÖ ab 1983 – absolute Macht – und die korrumpiert. Etliche Großskandale bestimmten die frühen Achzigerjahre: Im Zusammenhang mit dem Bau des Allgemeinen Krankenhauses wurden Provisionskonten in Liechtenstein entdeckt und Manager verurteilt. In der Not der Verstaatlichten Industrie verkaufte die Voest so genannte „Noricum“-Kanonen an die Krieg führenden Länder Iran und Irak.

Der Skandal aber, der am tiefsten in ein Geflecht aus Parteiprominenz, Schickeria und Halbwelt reichte, war nach einem unscheinbaren Frachtschiff benannt: „Lucona“. Die ging – gemeinsam mit sechs Matrosen – und einer angeblich wertvollen Fracht durch eine Explosion im Indischen Ozean unter. Begünstigter der Versicherung war Udo Proksch, ein Werbekreativer, Besitzer der Hofzuckerbäckerei „Demel“, Waffennarr, Frauenverzehrer, Journalistenfreund, Begründer des „Club 45″ im Demel, in dem sich allerlei Prominenz traf – ein „bunter Hund“ eben. Oder ein genialer Networker, wie man heute sagen würde.

Die dunkle Seite des Udo Proksch waren ungeklärte Beziehungen zu Waffenschiebern und Technologie-„Exporteuren“ (in den damaligen Ostblock) und eben die „Lucona“. Es dauerte Jahre, bis sich aus dem Verdacht der Sprengung der „Lucona“ ein anklagereifes Substrat ergab – und die Zahl der hochgestellten Freunde hauptsächlich aus dem SP-Lager, die sich für Proksch einsetzten, war Legion. Zwischendurch floh er auf die Philippinen und unterzog sich einer Gesichtsoperation. Am Ende wurde er doch verurteilt und wanderte ins Gefängnis, wo er bei einer Herzoperation starb.
Nachlass von Udo Proksch entdeckt
Wien (OTS) – Der Fotoexperte und Museumsbetreiber Peter Coeln
(WestLicht) hat den Nachlass von Udo Proksch erworben. Mit Hilfe von
Prokschs Brüdern Rüdiger und Roderich gelang es Coeln, eine Sammlung
aus Objekten, Fotografien, Filmen, Gemälden, Kunstwerken,
persönlichen Briefen, privaten Aufzeichnungen, kreativen Entwürfen
und zahllosen Notizen aus mehreren Quellen zusammenzutragen. Das
Konvolut – ein Gesamtdokument des Lebens und Werks von Proksch aus
dem Zeitraum von 1950 bis zu seiner Inhaftierung 1990 – umfasst etwa
sechzig Kisten und wird derzeit von zehn Kunststudenten mit Hilfe der
intimen Kenntnisse von Rüdiger Proksch aufgearbeitet.


BILD zu OTS – Udo Proksch mit Christoph Prutscher bei Imelda Marcos in Manila,
ca. 1974; Fotograf: privat; Fotocredit: WestLicht


BILD zu OTS – Udo Proksch mit Maler Friedensreich Hundertwasser und Architekt Hans Neuffer in Stockholm, 1960; Fotograf: privat; Fotocredit: WestLicht

Peter Coeln will mit der Aufarbeitung und Verwertung dieser
Sammlung den Blick der Öffentlichkeit vor allem auf den Designer,
Kreateur und Erfinder Udo Proksch (alias Serge Kirchhofer) lenken.
Der gelernte Landwirt Proksch avancierte nach seinem Studium an der
Hochschule für angewandte Kunst Anfang der Sechziger Jahre zum
genialen Gestalter avantgardistischer Schmuck- und Brillenmodelle
(Viennaline, Carerra, Porsche Design, Serge Kirchhofer). Später wurde
Proksch Geschäftsführer und Miteigentümer der Nobelkonditorei Demel,
wo auch der berühmt-berüchtigte Club 45 untergebracht war. Teile des
Nachlasses zeigen Prokschs mannigfaltige Geschäftsideen und Projekte
mit Faksimiles und Fotos, etwa Dokumente über den „Verein der Freunde
der Senkrecht-Bestattung“ oder Material zu seinen zahlreichen
militärischen Entwicklungen und Experimenten. Eine Vielzahl von
Briefen berichten von Prokschs intensivem politischen, privaten und
künstlerischen Beziehungsleben. Es liegen u.a. Originale der
Korrespondenz mit Karl Lütgendorf, Leopold Gratz, Bruno Kreisky,
Imelda Marcos, Friedensreich Hundertwasser, Erika Pluhar, Daphne
Wagner und vielen anderen vor.

BILD zu OTS – Udo Proksch: Entwurf einer Carrera-Brille,
ca. 1960
Fotograf: privat
Fotocredit: WestLicht


BILD zu OTS – Udo Proksch auf einem Hochhaus in NY, ca. 1960
Fotograf: Roland Pleterski
Fotocredit: WestLicht

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Entwürfe und Prototypen,
die Udo Proksch als Designer hinterlassen hat, soll in einer
Kooperation mit der Wiener Universität für angewandte Kunst/Institut
für Design umgesetzt werden. Peter Noever wird im MAK eine
Ausstellung gestalten, die Proksch als Designer zeigt. Peter Coeln
will in seinem eigenen Museum WestLicht die fotografische Sammlung
präsentieren, die viele Werke berühmter zeitgenössischer Fotografen,
wie Roland Pleterski (ein Schüler von Irving Penn) oder Elfie Semotan
beinhaltet. Zu den Ausstellungen sind ein umfassender Fotoband unter
Mitwirkung eines Historikers und eines Experten für Design geplant
sowie ein Dokumentarfilm, der Ausschnitte aus Prokschs bislang
verschollenem einzigen Spielfilmprojekt „Simplicius Simplicissimus“
zeigt.

BILD zu OTS – Udo Proksch in seinem Studio in der Walfischgasse umgeben von Werbemitteln für Serge Kirchhofer Design, 1973
Fotograf: privat; Fotocredit: WestLicht
Der einzigartige Nachlass ist vor allem Udo Proksch selbst zu
verdanken, der Zeit seines Lebens alles gesammelt hat und keine
Niederschrift, kein Foto, keinen Brief wegwarf.

Peter Coeln betont, mit dieser Aufarbeitung kein politisches
Statement abgegeben zu wollen, sondern den „Schöpfer“ Proksch in
Erinnerung zu rufen, der im Zuge der Lucona Affäre der Öffentlichkeit
weitgehend abhanden kam.

Rückfragehinweis:
WestLicht. Schauplatz für Fotografie.
A-1070 Wien, Westbahnstraße 40
Peter Coeln
Tel.: +43-1-522 66 36
coeln@westlicht.com

DharmeshKunstDie Dominanz der SPÖ bedeutete auch - trotz des Verlusts der absoluten Mehrheit und einer Koalition mit der FPÖ ab 1983 - absolute Macht - und die korrumpiert. Etliche Großskandale bestimmten die frühen Achzigerjahre: Im Zusammenhang mit dem Bau des Allgemeinen Krankenhauses wurden Provisionskonten in Liechtenstein entdeckt und Manager...