Frontansicht Josefstädterstraße
Bild: © Moritz Schell

Das Theater wurde 1788 gegründet und ist nach dem Burgtheater das älteste noch bespielte Theater in Wien. Es gehört neben dem Theater in der Leopoldstadt und dem Freihaustheater zu den Wiener Vorstadttheatern. Umgangssprachlich wird es auch nur als Die Josefstadt bezeichnet. 1791 umfassendes kaiserliches Privileg für Aufführungen aller Gattungen musikalischen und dramatischen Theaters einschließlich Ballett und Pantomime. Die Geschichte des Theaters ist mit großen Namen verbunden: Ludwig van Beethoven und Richard Wagner dirigierten hier, Johann Nestroy und Ferdinand Raimund waren der Josefstadt als Schauspieler und Dichter des Alt-Wiener Volkstheaters verbunden, Johann Strauß (Vater) spielte in den Sträußelsälen auf. 1814 gab Ferdinand Raimund am Theater in der Josefstadt sein Wien-Debüt als Franz Moor in Die Räuber von Friedrich Schiller. 1822 wurde nach Abriss und komplettem Neubau des zu klein gewordenen Theaters durch Joseph Kornhäusel das Haus mit der Ouvertüre Die Weihe des Hauses, komponiert und dirigiert von Ludwig van Beethoven, wieder eröffnet.

„Das k. k. priviliegirte Theater in der Josefstadt“.
Kolorierter Stich aus der „Theaterzeitung“. 1844
© Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.

1829 debütierte Johann Nestroy als Schauspieler und Bühnenautor mit Die Verbannung aus dem Zauberreich oder Dreißig Jahre aus dem Leben eines Lumpen. Am 13. Jänner 1834 wurde die romantische Oper Das Nachtlager in Granada von Conradin Kreutzer uraufgeführt, der 1833-1840 Kapellmeister des Theaters war. Am 20. Februar 1834 wurde Ferdinand Raimunds Der Verschwender mit dem Dichter in der Rolle des Valentin uraufgeführt (mit Bühnenmusik von Conradin Kreutzer). Kreutzers „romantische Zauberoper“ Melusina, nach einem Libretto von Franz Grillparzer (uraufgeführt 1833 in Berlin), erfuhr in der Josefstadt 1835 ihre Wiener Erstaufführung. Am 14. Jänner 1847 wurden im Theater von Ludwig Döhlinger im Josefstädter Theater zum ersten Mal in Wien bewegliche Bilder mit Hilfe der sog. Laterna magica vorgeführt, die eine Erfindung des Tiroler Mathematikers und Naturforschers Simon Stampfer war.

Zuschauerraum Josefstadt
Bild: © Moritz Schell

Von ca. 1840 bis 1860 traten die berühmten Tänzerinnen Fanny Elssler und die Spanierin Pepita de Oliva in der Josefstadt auf. Am 17. Dezember 1907 erlebte die Operette Die Försterchristl von Georg Jarno, dem Bruder des damaligen Theaterdirektoren Josef Jarno, mit dessen Ehefrau Johanna Niese ihre glanzvolle Uraufführung. Die deutschsprachige Erstaufführung von Ferenc Molnárs Vorstadtlegende „Liliom“ mit Josef Jarno in der Titelrolle am 28. Februar 1913 war die Grundlage zum Welterfolg des heute immer wieder gespielten Stückes. In den Jahren 1948 und 1949 wurden in einem eigens eingerichteten Filmstudio zwei Spielfilme hergestellt. So inszenierte Rudolf Steinböck 1948 „Das andere Leben“ und 1949 „Liebe Freundin“. In beiden Filmen waren aktuelle Stars des Theaters wie etwa Vilma Degischer zu sehen.

Frontansicht Josefstädterstraße
Bild: © Moritz Schell

Ab 1949 kamen neuerlich die Kammerspiele als Boulevardbühne hinzu (1951-53 auch das Bürgertheater); 1951-77 erweiterte Direktor F. Stoß (1953-58 und 1972-77 gemeinsam mit E. Haeusserman, der sich zu den Reinhardtschen Maximen eines Schauspielertheaters bekannte) das Ensemble (unter anderem F. Imhoff, S. Nicoletti, E. Ott) und gestaltete den Spielplan vor allem mit Weltliteratur, Nestroy- und Schnitzler-Stücken. 1952 wurden Abonnements eingeführt; 1954 wurde die „Theater in der Josefstadt Betriebsges. m. b. H.“ gegründet, 1955 erwarben österreichische Banken das Theater; 1957 wurde das „Kleine Theater im Konzerthaus“ als Studiobühne für experimentelles Theater eingerichtet und 1977 D. Haspel überlassen; 1977-84 war E. Haeusserman alleiniger Direktor (Schnitzler- und Horváth-Pflege, Engagement unter anderem von K. M. Brandauer, C. Jürgens, B. Wicki); Boulevardstücke wurden ausschließlich in den Kammerspielen gespielt. Nach dem Tod B. Goberts, des designierten Nachfolgers von Haeusserman als Direktor provisorische Leitung durch den bisher geschäftsführenden Direktor Heinrich Kraus; 1988 übernahmen O. Schenk und R. Jungbluth die Direktion (klassische österreichische Literatur: J. Nestroy, F. Raimund, A. Schnitzler, aber auch zeitgenössische Dramatik). 1987 waren alle 1977 projektierten Ausbau- und Sanierungsarbeiten abgeschlossen; eine neue große Probebühne, das ehemalige Kino im „Rabenhof“ in Wien 3, kam als 3. Spielstätte für zeitbezogenes, kritisches Theater hinzu. 1997 übernahm H. Lohner die Nachfolge Schenks, und 1999 wurde Alexander Götz Nachfolger von R. Jungbluth als kaufmännischer Geschäftsführer.

Herbert Föttinger
Bild: © Erich Reismann

2003/04 Direktion Hans Gratzer und Alexander Götz. 2004 bis 2006 Direktion Helmuth Lohner und Alexander Götz, seit Sept. Ab 2006 Direktion Herbert Föttinger und Alexander Götz.

Am 20. 2007 Oktober wurde das Haus nach einer vier monatigen Generalrenovierung wiedereröffnet. Dank der Renovierung und Restaurierung aller öffentlicher Räume und der Fassade des Theaters erstrahlt die Josefstadt in neuem Glanz.


Erwin Steinhauer, Alexander Strobele
Der blaue Engel – Szenenfoto
Bild: © Sepp Gallauer

DharmeshKunstDas Theater wurde 1788 gegründet und ist nach dem Burgtheater das älteste noch bespielte Theater in Wien. Es gehört neben dem Theater in der Leopoldstadt und dem Freihaustheater zu den Wiener Vorstadttheatern. Umgangssprachlich wird es auch nur als Die Josefstadt bezeichnet. 1791 umfassendes kaiserliches Privileg für Aufführungen aller Gattungen...