Johann Ziegler
Schlagbrücke, 1780 (Detail)
Kupferstich/Radierung kombiniert
© Wien Museum

Prachtvolle Bilddokumente
Zu den wichtigsten und prachtvollsten Bildquellen der Geschichte Wiens zählt die „Sammlung von Aussichten der Residenzstadt Wien“, die ab 1779 im Verlag Artaria erschien. Es handelt sich dabei um 57 kolorierte Umrissradierungen, gezeichnet und gestochen von Carl Schütz, Johann Ziegler und Laurenz Janscha. Vor allem die Erstausgaben sind Höhepunkte der Wiener Grafikgeschichte.
Als Zeitfenster für Wien um 1800 sind die Veduten von unschätzbarem Wert. Denn mit jedem der „perspectivischen Prospecte“ erschließt sich dem Betrachter ein Teil des lebendigen Stadtorganismus. Wien hatte gerade einen enormen Wachstumsschub hinter sich: Die Einwohnerzahl war von 80.000 (um das Jahr 1700) auf über 230.000 im Jahr 1790 gestiegen. Die Stadt breitete sich nun fast flächendeckend bis zum Linienwall, dem heutigen Gürtel, aus.
Mitwachsen mit der Zeit

Carl Schütz
Stock am Eisen Platz, 1779
Kupferstich/Radierung kombiniert
© Wien Museum

Neue prächtige Gebäude wurden auf den Wien-Ansichten von Artaria ebenso dokumentiert wie soziale Einrichtungen (etwa das Allgemeine Krankenhaus) oder die erstmals für das Volk geöffneten Grünerholungsgebiete (Augarten, Prater). Der „Clou“ der erfolgreichen Bilder ist ihr „Mitwachsen“ mit der Zeit. Bis 1846 gab es Neuauflagen, bei denen alte Details aus den Kupferplatten „gedeckt“ und neue hinzugeätzt wurden – von Bauwerken bis zur jeweils aktuellen Mode der Figuren.
Wien wird prächtige Residenzstadt

Carl Schütz
Graben gegen den Kohlmarkt, 1782
Kupferstich/Radierung kombiniert
© Wien Museum

Im 18. Jahrhundert wuchs die k. k. Residenzstadt nicht nur architektonisch in die Höhe, sondern breitete sich mächtig in Vorstädte wie Josefstadt oder Wieden aus. Die Baufläche Wiens verzehnfachte sich von 1683 bis 1790. Barocke Kirchen, Adelspaläste und repräsentative bürgerliche Stadthäuser entstanden, dazu kamen prestigeträchtige Institutionen wie das Allgemeine Krankenhaus und Stätten der Forschung wie das Josephinum, eine medizinische Lehranstalt für den militärischen Nachwuchs.
Die prächtige neue Residenzstadt muss in Bildern festgehalten werden! Das war die Intention des Architekten Carl Schütz und des Landschaftsmalers Johann Ziegler, als sie 1779 um das Privileg ansuchten, „die vorzüglichsten und schönsten Gegenden“ Wiens zu präsentieren, „da bis itzt noch nichts in dieser Gattung vorhanden ist, was dieser grossen Stadt würdig wäre“. Zusammen mit dem am Kohlmarkt ansässigen Verleger Carlo Artaria gaben sie in Folge ein Sammelwerk von Wiener Veduten heraus. Ab 1785 verstärkte der Maler Laurenz Janscha das Unternehmen.
Der Verlag Artaria

Johann Ziegler
Aussicht gegen die Vorstadt Wieden, 1780 (Detail)
Kupferstich/Radierung kombiniert
© Wien Museum

1768 ließ sich die italienische Händlerfamilie Artaria in Wien nieder, um hier u. a. Stiche, Bilder und Kalender zu verkaufen. Mit einer Anzeige im „Wiener Diarium“ warb man für „ein sehr großes und ansehenswürdiges Sortiment der schönsten Französischen und Englischen Kupferstiche von den berühmtesten sowohl modern- als Antiquenmeistern“. Der geschäftliche Erfolg stellte sich bald ein, 1789 bezog man jenen Firmensitz am Kohlmarkt, der bis heute besteht. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Artaria zu einem bedeutenden Musikverlag, bei dem Kompositionen von Haydn, Boccherini, Beethoven und Schubert erschienen. Im 19. Jahrhundert reüssierte man mit Landkarten, 1920 erfolgte die Angliederung der kartografischen Abteilung an das Unternehmen Freytag & Berndt. Die Kunsthandlung ist bis heute im ersten Stock des Hauses Kohlmarkt Nummer 9 beheimatet.

DharmeshKunstPrachtvolle Bilddokumente Zu den wichtigsten und prachtvollsten Bildquellen der Geschichte Wiens zählt die 'Sammlung von Aussichten der Residenzstadt Wien', die ab 1779 im Verlag Artaria erschien. Es handelt sich dabei um 57 kolorierte Umrissradierungen, gezeichnet und gestochen von Carl Schütz, Johann Ziegler und Laurenz Janscha. Vor allem die Erstausgaben sind...