Pawlatschentheater (wahrscheinlich von tschechisch „pavlac“ = offener Gang), volkstümliches Alt-Wiener Stegreiftheater. Mittels Fässern und Brettern wurden meist unter freiem Himmel oder in Wirtshäusern der Wiener Vorstädte einfache Bühnen errichtet, auf denen die beliebten Volkssänger und -sängerinnen („Pawlatschen-Primadonnen“) auftraten; ab 1959 von den Wiener Festwochen mit einzelnen Veranstaltungen wiederbelebt.
Hanswurst

Hanswurst, derb-komische Figur des Volkstheaters und der Wanderbühnen. Nach dem Vorbild von Harlekin und Pickelhering schuf J. Stranitzky um 1710 die Figur des „Wienerischen Hans Wurst“, die durch G. Prehauser und J. F. von Kurz („Bernardon“) weiterentwickelt wurde; J. J. La Roche kreierte den „Kasperl“, A. Hasenhut den „Thaddädl“, A. Bäuerle den Parapluiemacher „Staberl“. Der Kampf von J. von Sonnenfels gegen Stegreifkomödien und possenartige Hanswurstspiele führte zwar zum Zensurerlass Maria Theresias, doch behaupteten sich Hanswurstfiguren bis in das 19. Jahrhundert (F. Raimund, J. Nestroy) auf den Wiener Bühnen.
Der Hanswurst und das Altwiener Volkstheater
19.Mai 1726. Josef Anton Stranitzky, der erste große Vertreter der Altwiener Volkskomödie, stirbt. Von Beruf eigentlich „ex-aminirter Zahn und Mundarczt“, hatte er seine schauspielerische Laufbahn bei einer der vielen Wandertruppen begonnen. Danach gründete er am Neuen Markt ein eigenes Brettertheater, in dem er die Wiener mit der von ihm kreierten Figur des „Hanswurst“ zu Begeisterungsstürmen hinreißen sollte. Ihm gelang es, die bis dahin dominierenden italienischen und englischen Theatergruppen auszustechen; auf sein Anraten hin wurde 1709 ein neues Theater eröffnet, das Kärntertortheater, dem er schon sehr bald als Prinzipal vorstand. Stranitzkys Hanswurst trug ein besonderes Kostüm mit „Narrenkröse“ und dem grünen, hohen Spitzhut. Sein extemporierendes, die Zuschauer zum Mitmachen animierendes Spiel, seine derbe, alpenländisch gefärbte Volkskomik und die schweifende Fäkalkomik wurden seinem Nachfolger Gottfried Prehauser zum Vorbild. Prehauser hatte sich bereits als „Salzburger Hanswurst“ einen Namen gemacht und führte ab 1725 das Stegreifspiel seinem Höhepunkt zu. Dazu trug nicht unwesentlich sein späterer Partner Joseph von Kurz-Barnadon bei, der mit geistreichem und unverschämtem Wortwitz den sozial höher gestellten Rivalen des Hanswurst verkörperte. Ein weiterer beliebter Volkstheatertyp wurde von dem Komiker Johann La Roche geschaffen, dem Kassenmagnet des Leopoldstädter Theaters: der Kasperl. Obwohl in der Folge das Stegreifspiel durch die kaiserliche Reformen und die strenge Zensur eingeschränkt werden sollte und das nach dem Vorbild Gottscheds geläuterte Schaustück amtlicherseits favorisiert wurde, konnten sich die Altwiener Volkstheaterfiguren bis in die Komödienliteratur des folgenden Jahrhunderts behaupten; Raimund und Nestroy, aber selbst der „Klassiker“ Grillparzer konnten sich ihrem Einfluss nicht entziehen.
Kasper
Kasper (auch Kasperl, bayr. Káschberl oder Kasperle, schwäb. Käschberle oder Kasperli, schweiz. Chasperli) ist der komische Held des Kaspertheaters, eines meist mit Handpuppen gespielten Puppentheaters mit derb-naiver Handlung. Es wird angenommen, dass die Rolle des Kaspers u. a. auf den Hanswurst des Wiener Volkstheaters und die Rolle des Königs Caspar, eines der Heiligen Drei Könige in den Dreikönigsspielen zurück geht. Die Puppenfigur Kasper ist im deutschen Sprachraum seit Ende des 18. Jahrhunderts bekannt.
Kasper trägt üblicherweise eine lange Zipfelmütze, ein an den Harlekin erinnerndes Kleid mit großem, buntem Muster und hat eine Klatsche als symbolische Waffe. Sein charakteristisch grinsendes Gesicht mit der auffälligen Nase (oft eine Hakennase) erinnert an Fastnachts-Masken und macht ihn auch verkleidet erkennbar.

DharmeshKunstPawlatschentheater (wahrscheinlich von tschechisch 'pavlac' = offener Gang), volkstümliches Alt-Wiener Stegreiftheater. Mittels Fässern und Brettern wurden meist unter freiem Himmel oder in Wirtshäusern der Wiener Vorstädte einfache Bühnen errichtet, auf denen die beliebten Volkssänger und -sängerinnen ('Pawlatschen-Primadonnen') auftraten; ab 1959 von den Wiener Festwochen mit einzelnen Veranstaltungen wiederbelebt. Hanswurst Hanswurst, derb-komische...