Allgemeine Presseinformation
des Naturhistorischen Museums
über das Gebäude, die Geschichte und die Schausammlungen (Text)

Das Gebäude


Naturhistorisches und Kunsthistorisches Museum sind das Werk von Gottfried Semper und Carl Hasenauer und zählen zu den kennzeichnendsten Schöpfungen des Historismus in Österreich. Semper, als Theoretiker wie als Baukünstler der weitaus bedeutendere Kopf, veränderte den stark auf äußere Wirkung und Prunkentfaltung bedachten ersten Entwurf Hasenauers vollständig und verwirklichte vor allem in der äußeren Gestaltung der beiden symmetrisch angelegten Museumsbauten seine zentrale Idee: das mit der Umgebung verwachsende Gesamtkunstwerk, das die räumliche und zeitliche Kontinuität aller Dinge zum Ausdruck bringen soll. Dementsprechend sind zur Gestaltung des Naturhistorischen Museums alle Gattungen der bildenden Kunst – Architektur, Plastik, Malerei – herangezogen und Stilelemente aus den vorangegangenen Epochen, vor allem der Renaissance, verarbeitet worden.


Der 1871 begonnene und 1881 außen fertiggestellte Bau misst rund 170 mal 70 Meter und gliedert sich in zwei große, von Arbeits- und Sammlungsräumen umgebene Innenhöfe. Er wird von einer bis in 65 Meter Höhe aufragenden Kuppel gekrönt, die eine kolossale Bronzestatue des griechischen Sonnengottes Helios trägt – Symbol des allbelebenden Elementes in der Natur. Der reiche figurale Fassadenschmuck illustriert auf der unteren und mittleren Ebene (Hochparterre und Obergeschoß) in allegorischen und mythologischen Darstellungen wesentliche Bausteine des Universums und ihre Entdeckung und Beherrschung durch den Menschen, auf der Balustrade den kontinuierlichen Fortschritt der Welterkenntnis durch große Forscherpersönlichkeiten. Dieselbe Grundthematik liegt dem Figuren- und Bildrepertoire der Kuppelhalle und des Stiegenhauses zugrunde; hier bildet das Deckengemälde „Der Kreislauf des Lebens“ von Hans Canon den Höhepunkt.

Die innere Struktur des Hauses ist geprägt durch die streng systematische Anordnung der einzelnen Abteilungen und Schausammlungen: Im Hochparterre spannt sich der Bogen vom Reich der unbelebten Natur (Mineralogische Abteilung, Säle 1-5) über die Sedimente und Lebensspuren vergangener Erdzeitalter (Geologisch-Paläontologische Abteilung, Säle 6-10). Über die Geschichte des Menschen (Steinzeit) wird im Saal 11 berichtet. Die restliche Urgeschichte des Menschen (Bronzezeit, Eisenzeit) ist nur eingeschränkt zu sehen, da in den Räumen 12 und 13 wechselnde Themen der Urgeschichte behandelt werden. Die Anthropologische Abteilung ist in der Phase der Neuaufstellung und wird vorraussichtlich im Jahr 2012 wieder eröffnet. Das Obergeschoß präsentiert die mannigfaltigen Formen der Tierwelt (Zoologische Abteilungen, Säle 22-39) sowie die fantastische Welt der Kleinstorganismen (Mikrotheater, Saal 21). Innerhalb der einzelnen Schausammlungsbereiche sind die Objekte systematisch, d.h. nach ihrer natürlichen Verwandtschaft oder ihrer erd- bzw. kulturgeschichtlichen Abfolge aufgestellt.

Semper starb 1879. Das Museum wurde von Hasenauer vollendet, der bei der Inneneinrichtung weitgehend seine eigenen Pläne verwirklichen konnte. Dennoch ist Sempers Programm noch in vielem zu spüren, etwa in den Wandbildern der Schausäle. Von den bedeutendsten österreichischen Lanschaftsmalern der Epoche verfertigt, sind sie nicht zusätzlicher Schmuck, sondern geplanter Bestandteil der Architektur und sollen die Wirkung der ausgestellten Objekte weiterführen. Allerdings ist dieses Konzept inzwischen von der Zeit zum Teil überholt worden. So bilden die als Illustration ethnologischer Exponate gedachten exotischen Darstellungen in den Sälen 14 bis 19 heute ein anachronistisches Relikt. Die Völkerkunde, die ursprünglich mit Urgeschichte und Anthropologie in einer einzigen Abteilung zusammengefasst war, ist seit 1927 in der Neuen Burg untergebracht und seit 1946 ein eigenes Museum.
Geschichte des Museums
Naturwissenschaftliches Forschen und Sammeln fand in Österreich erst relativ spät Verständnis und Förderung. Wohl enthielten die Kunst- und Wunderkammern der Habsburger auch Naturalien, doch betrachtete man sie lange als bloße Kuriositäten, nicht als Objekte von wissenschaftlicher Bedeutung. Erst Kaiser Franz I. (Franz Stephan von Lothringen, 1745-1765), der Gemahl Maria Theresias, gründete 1748 mit dem Ankauf der berühmten Sammlung Johann von Baillous ein privates Nauralienkabinett. Es war in der Hofburg nach Baillous eigenem wissenschaftlichen System aufgestellt und wurde zunächst von diesem selbst geleitet. Den Schwerpunkt bildeten Mineralien und Fossilien sowie Schnecken- und Muschelschalen und Korallen. Pflanzen und Tiere mit Weichteilen waren damals (v. a. wegen der Präparationsprobleme) als Sammelobjekte noch wenig geschätzt. Sie wurden lebend in botanischen Gärten und Menagerien gehalten. Nach dem Tod von Franz I. wurde die Kollektion, in die der Kaiser große Summen investiert hatte, ins Staatseigentum übertragen, neu aufgestellt und zweimal wöchentlich dem Publikum zugänglich gemacht. 1776 berief Maria Theresia, der vor allem die Erdwissenschaften als Grundlage für Bergbau und Industrie am Herzen lagen, den hervorragenden Mineralologen und Montanisten Ignaz von Born nach Wien und betraute ihn mit dem systematischen Ausbau der Sammlung. Born war ein führender Aufklärer und Freimaurer, er könnte vielleicht sogar das Vorbild für den Sarastro in Mozarts „Zauberflöte“ abgegeben haben. Mit ihm brach für „Österreich“ endgültig das naturwissenschaftlich-technische Zeitalter an. Das Naturalienkabinett wurde damals zu einem Mittelpunkt der mineralogischen Forschung in Europa.

Der naturliebende Kaiser Franz II. (I.; 1792-1835) erweiterte die Naturaliensammlung um ein eigenes Tierkabinett. Den Grundstock dafür bildeten die Jagdtrophäen der Habsburger, die bis auf Kaiser Maximilian II. (1564-1576) zurückgehen, sowie die berühmte Sammlung präparierter einheimischer Wirbeltiere und Insekten des Falkners Joseph Natterer. Nach mehrfachen Umgliederungen folgte 1807 die Gründung eines eigenen Pflanzenkabinetts. Der Kaiser legte dafür mit der Schenkung seines Privatherbars den Grundstock. Die Ausstellungspraxis der Zeit um 1800 war durch ein oft kurioses Nebeneinander wenig wissenschaftlicher und sehr fortschrittlicher Tendenzen geprägt. Die ausgestopften Tiere wurden in künstlichen Landschaftsdioramen gezeigt, also bereits in ökologischem Zusammenhang. Daneben standen jedoch auch Stopfpräparate von Menschen fremder Rassen wie der „hochfürstliche Mohr“ Angelo Soliman, der zu literarischer Berühmtheit gelangte. Der hervorragende Gelehrte und Organisator Carl Schreibers, der von 1806 bis 1851 die Naturaliensammlung leitete, sorgte für entscheidende Reformen in allen Bereichen. Er baute alle Abteilungen zu bedeutenden Forschungszentren aus und wurde dabei nicht nur von den Museumsbeamten, sondern auch von einer Reihe oft hochqualifizierter, unbesoldeter Volontäre unterstützt. Anlässlich der Vermählung seiner Tochter Leopoldina mit dem brasilianischen Kronprinzen Dom Pedro 1817 sandte Kaiser Franz auch namhafte Forscher nach Südamerika. Durch ihre Sammlungstätigkeit erlebte der Zuwachs der Museumsbestände einen glanzvollen Höhepunkt. So blieb der Zoologe Johann Natterer 18 Jahre in Südamerika und baute eine vorbildlich dokumentierte Kollektion naturwissenschaftlicher und völkerkundlicher Objekte für Wien auf. Diese trug wesentlich zum weltweiten Ruf des Museums bei, führte allerdings auch zu einer jahrzehntelangen Platznot. Mit verschiedenen, nicht immer glücklich gewählten Notlösungen versuchte man die Raumprobleme vergeblich in den Griff zu bekommen. Während der revolutionären Wirren von 1848 wurde die Hofburg durch kaiserliche Truppen beschossen und teilweise in Brand gesetzt. Dabei wurde ein Teil der Sammlungen vernichtet, tragischerweise auch viele unersetzliche Objekte aus dem brasilianischen Material. In den Jahren nach der Revolution wurde die Sammlung in ein selbständiges zoologisches, botanisches und mineralogisches Hofkabinett umgewandelt. Diese Kabinette mit ihren äußerst reichhaltigen Beständen boten nicht nur ideale Möglichkeiten zum Forschen, sie trugen bis zur Etablierung der naturwissenschaftlichen Disziplinen im Universitätsbereich um 1870 auch wesentlich zur Bildung des wissenschaftlichen Nachwuchses bei. Die Kollektionen wurden durch Tausch und Ankäufe, durch die Sammeltätigkeit der Forscher sowie durch Legate, vor allem von wissenschaftlich interessierten Reisenden, laufend erweitert. Daneben wurde auch die vom Kaiserhaus großzügig geförderte Zusammenarbeit mit der österreichischen Kriegsmarine sehr wichtig: Besonders die Weltumsegelung der Fregatte „Novara“ (1857-1859), an der zahlreiche hervorragende Naturforscher teilnahmen, verschaffte dem Museum ein überaus reiches neues Sammlungsmaterial. Die wissenschaftliche Aufarbeitung sollte Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Diesem wissenschaftlichen Poiniergeist, der die allgemeine Fortschrittsgläubigkeit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts widerspiegelt, stand die immer drückender werdende Raumnot gegenüber. Zwar hatte Kaiser Franz Joseph bereits 1857 die Schleifung des Festungsgürtels um die Innenstadt verfügt. Auf der freiwerdenden Fläche sollten entlang einer Prachtstraße neben anderen repräsentativen öffentlichen Bauten auch neue Museen entstehen. Bis zur Vollendung dieses Vorhabens war es allerdings noch ein weiter Weg.
Das liberale Bürgertum, das damals einen steilen politischen und wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, wollte die alten Kabinette durch Forschungs- und Bildungsstätten für breite Volksschichten abgelöst wissen und so seinen eigenen kulturellen Aufstieg deutlich sichtbar machen. Aber auch das neoabsolutistische Kaisertum der allmählich zerfallenden Habsburgermonarchie wollte sich ein zeitgemäßes, künstlerisch vollendetes Denkmal setzen: Ein monumentales Kaiserforum nach antikem Vorbild war geplant, das von der Hofburg bis zu den Hofstallungen reichen sollte. Verwirklicht wurde davon nur ein Torso: die Neue Burg und der Maria-Theresien-Platz mit Kunsthistorischem und Naturhistorischem Museum. Die innere Organisation des neuen „K.k. Naturhistorischen Hofmuseums“, das am 10. August 1889 feierlich eröffnet wurde, geht auf den großen Geologen, Neuseelandforscher und ersten Intendanten des Museums, Ferdinand von Hochstetter, zurück und hat sich in ihrer klaren Systematik bis heute weitgehend erhalten. Die Vermehrung der Bestände und neue Anforderungen an den Forschungs- und Schausammlungsbetrieb erforderten jedoch neue räumliche und strukturelle Lösungen. So wurde 1990 ein Tiefspeicher angelegt, der sich unter dem Gebäude über vier Ebenen erstreckt und in vollklimatisierten Räumen einen Teil des Sammlungsmaterials aufnimmt. Durch den Dachausbau (1991 bis 1995) wurden weitere Sammlungs-, aber auch zahlreiche neue Arbeitsräume gewonnen. Die Forschung, das Bewahren und Vervollständigen der bedeutenden wissenschaftlichen Sammlungen und die Präsentation ausgewählter Naturobjekte haben bis heute nicht an Aktualität verloren. In einer Zeit immer rascherer Zerstörung unserer Umwelt sind sie wichtiger denn je. So wie die weißen Flecken auf der Landkarte kleiner geworden sind, dringt die Wissenschaft in immer kleinere Bereiche vor. Längst haben Raster-Elektronenmikroskop und Röntgenapparaturen die Handlupe abgelöst. Im Schausammlungsbereich haben auch die Besucher Zugang zu modernsten optischen Geräten, besonders im „Microcosmos“ (Saal 21). Auch die Erhaltung der Sammlungen folgt modernsten konservatorischen Erkenntnissen.
Vor über hundert Jahren wurde das Museum für die systematische Darstellung – die Vielfalt der Natur geordnet aneinandergereiht – geschaffen. Der palastartige Bau, das Zusammenspiel von Einrichtung und Objekten sowie das historische Ambiente verleihen ihm einen unverwechselbaren Charakter. Auch bei der Neugestaltung zahlreicher Schausäle wurde die systematische Aufstellung grundsätzlich beibehalten, um dem Besucher die ungeheure Vielfalt des Lebens vor Augen zu führen. Allerdings wird die Präsentation sukzessive an die museologischen Anforderungen und Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts angepasst. Auch werden interessante Themenschwerpunkte und neue Inhalte in zeitgemäßer didaktischer Form präsentiert.
Sammlungen
Mineralogisch-Petrographische Sammlung

(Saal 1-5)

Die mineralogisch-petrographische Sammlung zählt zu den bedeutendsten der Welt. Ihre Bedeutung liegt vor allem in der Reichhaltigkeit an Material aus Vorkommen des ehemaligen Staatsgebietes der österreichisch-ungarischen Monarchie und hervorragender alpiner Mineralstufen. Kernstück der Schausammlung ist die systematische Mineraliensammlung. Außerdem werden österreichische Mineralien, Bau- und Dekorsteine, Berg- und Hüttenprodukte, eine systematische Gesteinssammlung sowie Edel- und Schmucksteine gezeigt. Besonderheiten: kolumbianische Smaragde, große Nuggets aus Gold und Platin, Diamanten, der größte europäische Edelopal, ein Edeltopas mit 117 kg, u.a. Die Meteoritensammlung ist die älteste und größte ihrer Art. Bedeutendste Objekte: Youndegin-Eisen und die Meteoriten Knyahinya und Hraschina.
Geologie-Paläontologie
(Säle 6-9)
Der Kaisersaal (Saal 6) wurde am 10. August 2009 im Rahmen der 120-Jahr-Feier des Naturhistorischen Museums eröffnet. Er ist dem Planeten Erde und seiner Wechselwirkung mit der Biosphäre gewidmet. Die Lithosphäre, die feste Gesteinshülle der Erde, die Atmosphäre, ihre gasförmige Hülle, die Hydrosphäre, das Wasser der Ozeane, Seen und Flüsse, und die Biosphäre, der belebte Teil der Erde, bilden gemeinsam die Gaia-Sphäre, benannt nach der griechischen Göttin der Erde. Überraschende Zusammenhänge zwischen geologischen Kräften, dem Klima und dem Leben selbst prägen seit mehr als 4 Milliarden Jahren unseren Planeten. Der von Grund auf neu gestaltete Ausstellungsbereich überrascht mit interaktiven Stationen und neuesten Animationen, darunter der Beginn der Zeit und die 2000 Jahre lange Reise eines Wassertropfens durch die Ozeane. Eine Vulkanpumpe erlaubt es den Besuchern, selbst eine Magmenkammer unter Druck zu setzen und einen Vulkan zur Explosion zu bringen. Ein zwei Meter großes Erdmodell ermöglicht den Besuchern den Blick auf die Erde »aus dem All«. Zentrales Thema der Säle 7 bis 9 ist die Entwicklungsgeschichte des Lebens in der Erdgeschichte. Beginnend mit den einfachsten algenartigen Lebensformen, die für die Bildung des Sauerstoffs in der Atmosphäre verantwortlich waren, führt die Ausstellung durch mehr als 4 Milliarden Jahre Lebensgeschichte. Die wesentlichen Entwicklungsschritte werden schlaglichtartig beleuchtet und anhand von Faunen von Weltrang präsentiert. Eine Fülle hochwertiger Exponate und Rekonstruktionen illustrieren Meilensteine der Evolution.

Saal 7 widmet sich im Besonderen der Erdfrühzeit (Präkambrium) und dem Erdaltertum (Paläozoikum) und deren Lebewesen. Besonders herauszustreichen sind darunter die ersten Vielzeller der Ediacara-Fauna und die bizarren Burgess-Tiere. Die meisten Vertreter beider Gruppen besitzen keinerlei lebende Nachfahren und stellen das Vorstellungsvermögen der Betrachter auf eine harte Probe. Attraktive Rekonstruktionen ermöglichen es den Besuchern sich diese Lebewesen besser vorzustellen. Weitere Highlights sind der plastisch rekonstruierte Karbonwald mit Riesenlibellen und ein Diorama eines rund 420 Millionen Jahre alten Riffs aus dem Silur von Gotland. Ein echter Besuchermagnet ist die „Zeitmaschine“ die es erlaubt, durch das Drehen eines Steuerrades virtuell durch die Zeit zu reisen und sich die Verteilung der Kontinente anzusehen. Sogar ein Blick in die Zukunft ist möglich. Saal 8 ist dem Erdmittelalter gewidmet, dem Zeitalter der Dinosaurier und einer der spannendsten Perioden in der Erdgeschichte. Vielfältig wie die Lebewesen zur damaligen Zeit sind auch die Ausstellungsobjekte: der Bogen spannt sich von echten Saurierskeletten und fossilen Urvögeln über wagenradgroße Ammoniten, Seelilien und versteinerte Korallenriffe bis zu den Resten der ersten Blütenpflanzen. Die frei im Raum montierten, lebensechten Rekonstruktionen behaarter Flugsaurier zählen zu den absoluten Publikumslieblingen. „Verabschiedet“ werden die Besucher mit einem simulierten Meteoriteneinschlag, wie er vermutlich das Ende des Erdmittelalters markierte. Saal 9 hat die Erdneuzeit, die vor 65 Millionen Jahren begann, zum Mittelpunkt. Eine Fülle von teils exotischen, teils sehr bekannten Pflanzen- und Tierfossilien aus dem Wiener Raum vermittelt einen Eindruck vom Leben zur damaligen Zeit. Besondere Objekte: das vollständige Skelett eines 17 Millionen Jahre alten Hauerelefanten (Prodeinotherium), ein gewaltiges fossiles Palmblatt, drei Evolutionsstufen der Pferdeentwicklung (z.B. Messelpferd), zahlreiche Bernsteinfossilien, die gewaltigen Gliedmaßen des Krallentiers Chalicotherium sowie das Diorama eines tropischen Korallenriffes vor 16 Millionen Jahren. Die so genannte „Pferdemaschine“ ermöglicht es, Evolution hautnah mit zu erleben. Die Entwicklung des Pferdes wird in vier Zeitschnitten anhand von Animationen vorgeführt. Durch das Betätigen von Drehknöpfen kann der Besucher die Veränderung vom kleinen Urpferdchen bis zum modernen Pferd in 4 Schritten selbst auslösen. Simultan mit der Zeit verändern sich die Gestalt und Größe der Pferde, ihr Lebensraum, die Nahrung und ihre Verbreitungsgebiete.
Saurier-Saal
(Saal 10)
Keine fossile Tiergruppe ist so populär wie die der Dinosaurier. Die Welt der „schrecklichen Echsen“ fasziniert gleichsam Jung und Alt. Dabei beeindruckt die Mischung aus den größten Landtieren die je die Erde besiedelten und den wohl gewaltigsten Räubern welche das Festland hervorbrachte.

Zu den spektakulärsten Objekten zählen: das Skelett des Langhalssauriers Diplodocus, eines der längsten Landwirbeltiere, das jemals gelebt hat, das Skelett eines Allosaurus (Raubdinosaurier, bis zu 9 m lang), der Schädel des Scharfzahnsauriers Tyrannosaurus und das Skelett eines Pflanzen fressenden Iguanodon. Ein außergewöhnliches Objekt stellt auch das in der Saalmitte positionierte Dinosauriergelege aus der Mongolei dar, ergänzt mit einem Modell eines Saurier-Embryos. Eine versteinerte Riesenschildkröte Archelon ist mit 4,5 m Länge die größte Schildkröte, die je gefunden wurde. Weitere Besonderheiten sind die Skelette von Meeresreptilien wie das eines Plesiosauriers und des kürzlich mit Hilfe der „Freunde des NHM“ angekauften Mosasauriers. Beide Skelette bestehen zum überwiegenden Teil aus Originalknochen und wurden so montiert, dass sie aus der Gesteinsplatte herauszukommen scheinen. Unter den zu der Gruppe der Fischsaurier (Ichthyosaurier) verbirgt sich eine weitere Besonderheit: das Fossil eines schwangeren Weibchens mit Jungtieren im Bauch. Die Lüfte hingegen, wurden im Erdmittelalter von Flugsauriern wie, Pterodactylus und Rhamphorhynchus, beherrscht. Die Vögel, mit ihrem „Urahn“ Archaeopteryx standen damals erst am Anfang ihrer Entwicklung.
Eiszeit-Ausstellung
(Gänge im Hochparterre)
In den Gängen des Hochparterres werden zwei Themen präsentiert: links von der Hauptstiege das Phänomen »Eiszeit« im Lauf der Erdgeschichte sowie die bedenklichen klimatischen Entwicklungen im 20. und 21. Jahrhundert und rechts von der Hauptstiege die Grundlagen der Evolution. Während der Eiszeiten lassen Klimaänderungen die Eismassen der Polkappen und die Gletscher der Gebirge wachsen. Diese Phasen sind Teil der Erdgeschichte und wichtig für die Entwicklung des Lebens. Eiszeiten gibt es seit mehr als 2 Milliarden Jahren, ihre Ursachen werden erst allmählich entschlüsselt. Die erste und älteste Vereisung ereignete sich vor 2,5 Milliarden Jahren. Durch Bakterien-Photosynthese gelangte zunehmend Sauerstoff in die Atmosphäre, und es bildete sich Ozon. Gleichzeitig verbrauchten die Lebewesen bei der Photosynthese Treibhausgas (Kohlendioxid; CO2). Mit der Reduktion der wärmenden Strahlung sanken auch die Temperaturen – erste Eiskappen an den Polen entstanden. Die zweite Vereisungsphase folgte vor 700 Millionen Jahren. Mehrere extreme, bis 10 Millionen Jahre dauernde Kaltphasen wechselten damals mit kurzen Wärmephasen und verwandelten die Erde in einen »Schneeball«. Auch vor 450, 360 und 300 Millionen Jahren, im Ordovizium, Devon und Karbon, bildeten sich dicke Eiskappen. Die jüngste Kälteperiode der Erdgeschichte begann bereits vor 30 Millionen Jahren. Die allmähliche Abkühlung gipfelte im Einsetzen der heutigen Eiszeitzyklen vor 2,8 Millionen Jahren. Tatsächlich leben wir heute in der Warmzeit einer Eiszeit, die als Holozän bezeichnet wird. Die Kaltzeit davor (Würm-Kaltzeit) dauerte 100.000 Jahre. Auch die gegenwärtige Warmzeit ist durch kleinere Klimaschwankungen geprägt. Diese Klimaschwankungen wurden oft durch vulkanische Aschewolken ausgelöst, die die Sonneneinstrahlung abschwächten. Ihr Einfluss auf die Menschheitsgeschichte ist gewaltig. Die Ausstellung versucht so, eine Verbindung zwischen der prähistorischen Eiszeit, mit ihrer typischen Tierwelt, und der derzeitigen Klimaentwicklung herzustellen
Urgeschichtliche Schausammlung
(Saal 11-15)

Präsentiert wird archäologisches Material von der Altsteinzeit bis zum frühen Mittelalter. Die ältesten Funde der Sammlung von österreichischem Boden stammen aus der unteren Schicht der Gudenushöhle bei Hartenstein im Kremstal (NÖ; 60.000 – 120.000 Jahre alt). Willendorf ist durch seine Venus (ca. 25.000 Jahre alt), die mittlerweile im Original ausgestellt ist, zum bekanntesten Fundort der Altsteinzeit geworden. Weitere Besonderheit aus der Altsteinzeit: „Fanny vom Galgenberg“ (Statuette aus Stratzing, NÖ, das älteste Kunstobjekt Österreichs). Einen Schwerpunkt im Schaubereich und in der Forschung bildet das Material der Hallstattkultur (8. – 5. Jahrhundert v. Chr.), z.B.: Stier und Prunkwagen aus der Byci-skála-Höhle (Saal 13), Gräberfeld von Hallstatt und Funde aus dem Salzbergwerk (Saal 14). Figürliche Darstellungen der sogenannten „Situlenkunst“ zeigen die Menschen dieser Zeit in ihrer Tracht bei Spiel und Gelage. Die archäologische Hinterlassenschaft der Kelten, Germanen, Awaren und Slawen (Saal 15) leitet in die historische Zeit über.
Wirbellose Tiere
(Saal 22-23)

Gezeigt werden wirbellose Tiere mit Ausnahme der Insekten, von überimensionalen Modellen winziger Protozoen (Einzeller) bis zu den Crustaceen (Krebstieren). Zu sehen ist unter anderem eine ungeheure Vielfalt an Muscheln und Schnecken, Korallen, Würmer und Spinnentiere, das Perlboot Nautilus und die Riesenmuschel Tridacna. Besonderheiten: künstlerisch hervorragende Nachbildungen von Quallen aus Glas, alte Wachsdarstellungen menschlicher Wurmparasiten und zwei kunstvoll gearbeitete Muscheldosen.
Insekten
(Saal 24)
Unter allen großen Museen der Welt besitzt nur das Naturhistorische Museum in Wien eine systematisch aufgebaute Insekten-Schausammlung. Insgesamt umfasst die Insektensammlung des Naturhistorischen Museums ca. 10 Millionen Objekte. Nicht alle können dem Besucher zugänglich gemacht werden, doch ist auch der ausgestellte Teil mit über 50.000 Schmetterlingen, Heuschrecken, Bienen, Mücken, Fliegen, Käfern und anderen Insekten in 224 riesigen Vitrinen beeindruckend. Ein Bereich der Schmetterlingssammlung wurde vor kurzem neu gestaltet und überrascht seither die Besucher mit besonderen Beleuchtungseffekten.
Zoologische Schausammlung

(Wirbeltiere, Saal 25-39)

Der größte Teil des oberen Stockwerkes ist den Wirbeltieren gewidmet. 600 Säugetiere, 3200 Vögel, 700 Fische und 500 Kriechtiere sind in der Schausammlung zu sehen. Manche davon sind bereits Jahrzehnte alt und mittlerweile zu unbezahlbaren Raritäten geworden: die Reste von Tieren, die heute sehr selten und extrem gefährdet oder sogar ausgestorben sind. Dazu zählen die Dronte (seit 1680 ausgestorben) und der Riesenalk (1844 ausgerottet) unter den Vögeln genauso wie der Beutelwolf, das Javanashorn und der Große Panda unter den Säugetieren. Weitere Besonderheiten: der Komoren-Quastenflosser (Latimeria chalumnae), ein „lebendes Fossil“ (Fischsammlung), der Bandfisch, der mit 5,5 m eine Rekordlänge aufweist, und der Komodowaran, mit 3 m Länge und 135 kg Gewicht die größte lebende Echse (Kriechtiersammlung).

DharmeshKunstDas Gebäude Naturhistorisches und Kunsthistorisches Museum sind das Werk von Gottfried Semper und Carl Hasenauer und zählen zu den kennzeichnendsten Schöpfungen des Historismus in Österreich. Semper, als Theoretiker wie als Baukünstler der weitaus bedeutendere Kopf, veränderte den stark auf äußere Wirkung und Prunkentfaltung bedachten ersten Entwurf Hasenauers vollständig und verwirklichte...