Kelten, Sammelbegriff für zahlr. Stämme der Eisenzeit. Im 6. Jh. v. Chr. entstand zw. Seine und Inn eine kulturelle Einheit mit relativ gleichartigen polit. und soz. Strukturen; gemeinsam waren Sprache, Religion und materielle Kultur mit lokalen Ausprägungen. Eine polit. Geschlossenheit bestand nicht; zum Mittelmeerraum wurden Kontakte unterhalten. Die Menschen dieses W-Hallstattkulturkreises wurden von den Griechen K., von den Römern Gallier genannt.


Stier von Byci skála
Bronze, 5.Jh.v.Chr.
Die Figur wurde auf den Vorplatz der Byci skála Höhle gefunden.
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Um 450 v. Chr. breitete sich die dort entstandene keltische La-Tène-Kultur bis Ost-Ö. aus, wobei die bodenständige Bevölkerung ohne kriegerische Ereignisse oder Eroberungen die neuen Kulturformen übernahm, sie nachahmte und sich so bald als K. fühlte. Erst ab dem 4. Jh. v. Chr. ist mit einer Einwanderung von K. nach Ö. zu rechnen, zur selben Zeit begannen kelt. Kriegszüge, die bis Rom, Griechenland und Kleinasien (Galater) führten. Kelt. Kunst entstand aus den verschiedensten Elementen ( Hallstattkultur, griech. und etrusk. Einflüsse sowie Motive aus dem östl. Steppenraum), die dem Geschmack entsprechend verändert wurden.

Helm und Lanzenspitze – Eisenzeit
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Nach makedon. Vorbildern wurden ab dem 3. Jh. v. Chr. Münzen geprägt. Kelt. Gottheiten sind v. a. durch röm. Vermittlung bekannt. Die K. lebten in Stammesverbänden. Befestigte Höhensiedlungen bildeten die lokalen Zentren: Birgitz, Bisamberg, Braunsberg bei Hainburg, Leopoldsberg, Magdalensberg, Oberleiser Berg ( Leiser Berge), Freinberg in Linz, Kulm bei Weiz, Rainberg in Salzburg. Namentlich bekannte Stämme im Bereich des heutigen Ö. waren u. a. Ambidraven, Ambisonten, Boier, Kampi und Noriker. Vermutlich im 2. Jh. v. Chr. entstand das kelt. Regnum Noricum, das erste nachweisbare staatl. Gebilde auf ö. Boden.

Schmuck, Fibeln als Grabbeigaben – Eisenzeit
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Durch die günstige Lage Wiens unterhalb des Donaudurchbruchs am östlichen Abhang des Wienerwalds, durchzogen von zahlreichen Bach- und Flussläufen, entstanden ab der Jungsteinzeit Siedlungen und Niederlassungen im Wiener Raum (Hornsteinbergwerk auf der Antonshöhe im Maurer Wald, im 23. Bezirk). Keltische Funde auf dem Leopoldsberg (kelt. Oppidum), in Leopoldau (Bronzenadeln) sowie im 3. und 11. Bezirk belegen die Besiedlung etwa um die Mitte des 4. Jahrhundert v. Chr. Aus der keltischen La-Tène-Zeit stammt der Name des Wienflusses („Vedunia“ = Waldbach), aus dem sich der Name „Wien“ entwickelte.
Leopoldau dürfte somit das älteste Siedlungsgebiet in Floridsdorf sein. Es trug Namen wie Alpitowe (keltischer Ursprung), Alpoltowe, Altentoe, Alpeltow, Eypeltau, Apoltau, Eipeltau, Eupoltau und schließlich Leopoldau (ab 1661).
Leopoldsberg
Auf dem Berg entstand schon während der jüngeren Urnenfelderkultur (9. Jahrhundert v. Chr.) eine Höhensiedlung, die mit Ausnahme von nur geringen Unterbrechungen bis zur frühen La-Tène-Zeit (5. Jahrhundert v. Chr.) bestand. Anschließend kam es vermutlich zu einer Siedlungsunterbrechung bis ins 2. Jahrhundert v. Chr., als eine spätkeltische Besiedelung bis ins 1. Jahrhundert v.Chr. begann.Erstmals urkundlich erwähnt wurde er als de Chalwenberge zwischen 1130 und 1136. Er erhielt seinen Namen vermutlich durch den kahlen Felsabhang zur Donau hin, oder durch den aus Verteidigungsgründen oben kahl gehaltenen Burgberg. Im 12. Jahrhundert ließ Leopold III. eine Burg gegen die Einfälle der Magyaren erbauen. Leopold selbst starb 1136 in der Burg.
Hallstattzeit
Die Hallstattzeit bezeichnet einen Zeitabschnitt der älteren Eisenzeit. Sie wird nach den Funden in einem ausgedehnten Gräberfeld oberhalb des Ortes Hallstatt im Salzkammergut (Österreich) benannt.

Nach dem Schema von Paul Reinecke werden die ausgehende Bronzezeit und die frühe Eisenzeit in vier Perioden eingeteilt, Hallstatt A-D. Davon gehören HaA (1200–1000 v. Chr) und HaB (1000–800) zur bronzezeitlichen Urnenfelderkultur, HaC (800–650) und HaD (650–475 v. Chr) zu der eisenzeitlichen Hallstattkultur. An die Hallstattzeit schloss sich die La-Tène-Zeit an, die in die Perioden A-D unterteilt wird.


Die ältesten Spuren der Salznutzung im Hochtal über Hallstatt stammen aus der Jungsteinzeit vor 7000 Jahren. Zuerst wurden wahrscheinlich die natürlichen Solequellen genutzt. In der Bronzezeit, vor ca. 3500 Jahren, ist erstmals systematischer Bergbau nachgewiesen. Auf der Suche nach Salzführenden Schichten wurden senkrechte Stollen angelegt. Das Salz war für den Tauschhandel bestimmt und wurde über weite Entfernungen transportiert. Ein Teil des Salzes wurde schon beim Bergwerk zum Pökeln von Schweinefleisch in „Surbecken“ verwendet. Zahlreiche Knochenfunde in und neben diesen Blockbauten weisen auf die Konservierung von Fleisch hin.
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Die Hallstattkultur steht üblicherweise für die Periode der älteren Eisenzeit. Am Salzberg bei Hallstatt wurde 1846 von Johann Georg Ramsauer ein ausgedehntes Gräberfeld entdeckt und teilweise ausgegraben. Dabei ließ er die Ausstattung jedes einzelnen Grabes durch vorzügliche Zeichnungen dokumentieren, eine Seltenheit in der Frühzeit der Archäologie. Das Gräberfeld liegt in einem Hochtal über dem Hallstätter See. In dem Gebiet findet man Siedlungsspuren, die bis ins Neolithikum zurück reichen. Die Hauptphase der Besiedlung reicht aber von HaC bis LtA. Danach scheint Hallein die führende Position im Salzbergbau eingenommen zu haben. Das Gräberfeld umfasst über 1000 Gräber. 55% davon sind Körpergräber, 46% Brandgräber. Bei 26% der Gräber handelt es sich um Waffengräber, die meistens am äußeren Rand des Gräberfeldes angelegt wurden, während sich die waffenlosen Gräber in der Mitte befinden. In Frauengräbern fand man Fibeln, Gürtel und Schmuck, in Männergräbern Nadeln und Waffen.

Nach dem berühmten Urgeschichtlichen Friedhof wird die ältere Eisenzeit „Hallstattkultur“ genannt. Die Grabfunde zeugen von Handelsbeziehungen bis in den Mittelmeerraum. Nicht nur die wertvollen Grabbeigaben sondern auch die Bestattungssitten sind aussagekräftig. Brand- und Körpergräber liegen sehr eng neben- und übereinander, wahrscheinlich wegen Platzmangels. Die Toten wurden mit ihrem Schmuck – Fibeln, Gewandnadeln, Arm- und Fußreifen – bestattet. Als Beigaben legte man Beile und Messer, manchmal auch Dolche und Schwerter ins Grab. Tierknochen und zahlreiche Tongefäße beweisen, dass auch Speise und Trank als Proviant für die Reise ins Jenseits wichtig waren. Die Objekte aus den Gräbern liegen im Naturhistorischen Museum Wien, im Oberösterreichischen Landesmuseum Linz, im Museum Hallstatt und im Peabody Museum of Archaeology and Ethnology in Boston (USA). Seit 1993 führt das Naturhistorische Museum wieder Ausgrabungen im Gräberfeld durch.
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Fundstätten existieren von Nordostfrankreich bis zum Nordwesten der Balkanhalbinsel. G. Kossak teilte diesen Bereich 1959 in einen westlichen- und östlichen Kreis. Der Westhallstattkreis umfasst NO-Frankreich, Süddeutschland, das Mittelrheingebiet, Böhmen und Oberösterreich; zum Osthallstattkreis zählen Mähren, Niederösterreich, das westliche Ungarn, Slowenien und das nördliche Kroatien. Diese Zuordnung erfolgte nicht auf Grund verschiedener Sprachen oder Dialekte, da diese nicht überliefert sind, sondern basiert auf den Ausformungen der materiellen Kultur und den Bestattungsbräuchen.[1] Wurden im Westen wichtige Persönlichkeiten mit Schwert (HaC) oder Dolch (HaD) bestattet, gab man ihnen im Osten eine Streitaxt mit ins Grab. Im Westen gibt es reiche Wagengräber, während der Krieger im Osten mit seiner kompletten Bewaffnung, inklusive Helm, Brustpanzer, etc, beerdigt wurde. Da keine Schriftzeugnisse überliefert sind, ist unbekannt, welche Sprache die Hersteller der charakteristischen materiellen Kultur sprachen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Kulturen in der Region des Caput Adriae mit den Illyrern gleichgestellt, inzwischen ordnet man die Westhallstattkultur gerne den Kelten zu. Ob eine Gleichsetzung von materieller Kultur, Sprache oder gar biologischer Abstammung möglich ist, gilt inzwischen jedoch als fraglich.
Boier
Boier, keltischer Stamm, der seit etwa 100 v. Chr. den Siedlungsschwerpunkt in den Bereich westl. Slowakei, Weinviertel, Wr. Becken bis in den Raum Sopron verlagerte. Der keltische Stamm der Boier siedelt auf einem vor Überschwemmungen sicheren Hügel, ungefähr auf dem Gebiet des heutigen Belvederegartens, auf dem Leopoldsberg entsteht eine wehrhafte Stadtburg.

Gefäße – Eisenzeit
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Nach dem Scheitern eines Angriffs auf das Regnum Noricum wanderte ein Teil des Stamms nach Gallien ab, wo er von Caesar besiegt wurde. Um 50 v. Chr. wurden die B. vom Dakerkönig Burebista vernichtend geschlagen und als polit. Machtfaktor ausgeschaltet.
Die Kelten
In der jüngeren Eisenzeit wanderten um 400 v. Chr. die Kelten im österreichischen Raum ein, die träger der sogenannten La-Téne-Kultur (nach einem Fundort bei Genf). Unter ihrem Einfluss kam es in Wien zu einer organischen Weiterentwicklung des Siedlungscharakters. Die illyrischen Terassendörfer blieben bestehen; zusätzlich wurden auf den Randbergen des Wiener Beckens die für die Kelten charakterischen Höhensiedlungen angelegt (aus denen sich vielfach die ersten Städte im Land entwicktelten). Sie werden mit dem lateinischen Begriff opida (d.h. Kleinstädte) bezeichnet.

Helm und Lanzenspitze – Eisenzeit
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Um 100 v. Chr. wanderte der mächtige keltische Stamm der Boier im Raum von Wien ein, nach einer Niederlage gegen die Daker, einen indogermanischen Stamm Südosteuropas, verließ jedoch ein Großteil der Boier (um 60 v. chr.) den böhmischen und ostösterreichischen Raum. Die halbentvölkerten Gebiete, die sogenannten deserta Boiorum, südlich der Donau fielen an das keltische Königreich Noricium. Eine wehrhafte keltische Stadtburg auf dem Leopoldsberg beherrschte mit ihren Wall- und Grabenanlagen die darunter liegenden Dörfer. Auf dem Boden des heutigen III. Bezirks entwickelte sich eine Siedlung zu besonderer Bedeutung, sie sollte später zur Zivilstadt des römischen Lagers werden. Nach Schleifung des oppidum auf dem Leopoldsberg durch die einmarschierenden Römer wurden die noch verbliebenden Boier ebenfalls in diese Siedlung am rechten Wienflussufer verbracht. Naturgemäß sind die Fundgegenstände aus dieser Epoche bereits recht zahlreich. Münzen tragen Fürstennamen; viele andere Artefakte, vor allem Waffen aus dem berühmten norischen Eisen, weisen auf die steigende Bedeutung des Wiener Raums hin. Unter der Keramik ist besonders die sogenannte Kammstrichware mit ihrer charakteristischen Verzierung erwähnenswert. Zwei Töpferöfen, in denen sie gebrannt wurde, entdeckte man nahe dem Rennweg, einen weiteren auf dem Bisamberg.

DharmeshKunstKelten, Sammelbegriff für zahlr. Stämme der Eisenzeit. Im 6. Jh. v. Chr. entstand zw. Seine und Inn eine kulturelle Einheit mit relativ gleichartigen polit. und soz. Strukturen; gemeinsam waren Sprache, Religion und materielle Kultur mit lokalen Ausprägungen. Eine polit. Geschlossenheit bestand nicht; zum Mittelmeerraum wurden Kontakte unterhalten. Die Menschen...