Die vier Gasometer in Wien-Simmering entstanden im Rahmen der Errichtung des Gaswerks Simmering in den Jahren 1896 bis 1899 in Vollziegelmauerwerk. Sie weisen inklusive ihrer charakteristischen, die Silhouette bestimmenden Kuppeln eine Höhe von jeweils 75 m und einen Innendurchmesser von 62,8 m auf und boten ursprünglich Fassungsraum für 90.000 Kubikmeter Gas. Die Ziegelmauern sind zwischen 90 und 160 cm stark.


Aufnahme: Archiv der Wien Gas – www.wien.gv.at

Die Umstellung auf Erdgasversorgung – dabei erfolgt die Speicherung in unterirdisch gelegenen Behältern – ließ diese Gasbehälter ihre Funktion verlieren, man legte sie still. 1978 unter Denkmalschutz gestellt, leitete man in den Achtzigerjahren Überlegungen hinsichtlich einer sinnvollen Nutzung ein. Ein 1908/09 errichteter fünfter Gasbehälter wurde 1980 bis 1982 abgebrochen. Im östlichsten der vier Bauwerke wurde 1989 die Jubiläumsausstellung „Die ersten 100 Jahre“ aus Anlass 100 Jahre Sozialdemokratie gezeigt.


Aufnahme: Historische Aufnahme – Gasometer (Werk Simmering) 189
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Neugestaltung

Seit dem Jahr 1996 lagen Planungskonzepte vor, welche eine variantenreiche Nutzung vorsehen (Wohnungen, eine Veranstaltungshalle, Büros, Geschäftsflächen, Restaurants etc.). Auch der Einbau des Landesarchivs im östlichsten der vier Industriedenkmale orientiert sich an der hier angedeuteten, gemischten Nutzung, die auch für diesen Gasometer D Gültigkeit hat. Wesentliche Planungsaspekte für den Archivneubau sind in der Verkehrserschließung über die durchgehende Einkaufszone, die so genannte Shopping-Mall, mit Anbindung an das Wiener U-Bahn-Netz, weiters die Erreichbarkeit von der nördlich an den Gasometern vorbei führenden Guglgasse aus sowie eine teilweise Ausnützung des unbelichteten Raumes unter der so genannten Berme (Erdanschüttung rund um den Gasometer) zu sehen. Die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ist mit dem U-Bahn-Anschluss der Station Gasometer der U-Bahn-Linie 3 an den Gasometer A, das westlichste dieser vier Bauwerke, gegeben. Nach Überwindung des Höhenunterschiedes von der Station aus mittels Rolltreppen gelangt man von der U-Bahn-Station in die durch alle vier Gasometer führende, durchgehende Verkaufsfläche (Shopping-Mall), welche direkt zu einem der Eingänge des Archivs, dem so genannten Mall-Foyer des Archivs, führt.
Umbau

Das Gesamtkonzept der Gestaltungsvorschläge geht bei den Gasbehältern A, C und D von einer weitgehenden Erhaltung des äußerlichen Erscheinungsbildes aus. Lediglich beim Gasbehälter B wird der äußere Umriss der Baulichkeit durch einen zur Guglgasse gerichteten Anbau visuell durchbrochen und damit in seinem Äußeren verfremdet. Mit dieser bewusst verfolgten Projektidee soll besonders erreicht werden, dass die bestehenden Baulichkeiten nach ihrer nahezu ausschließlich im Inneren erkennbaren Umgestaltung und Umnutzung einen starken Akzent erhalten, der auch im äußeren Erscheinungsbild durch die Formsprache unserer Zeit eben diese Funktion klar erkennen lässt.

Die Architekten Jean Nouvel (Gasometer A), COOP-HIMMELB(L)AU (Gasometer B), Prof. Manfred Wehdorn (Gasometer C) und Prof. Wilhelm Holzbauer (Gasometer D) planen über 600 Wohnungen sowie ein breites Angebot an Einkaufsmöglichkeiten und Freizeiteinrichtungen. Eine durchgehende Shopping-Promenade soll die vier Bauwerke verbinden, darüber beginnt die Wohnbebauung. Auch eine Veranstaltungshalle, ein Multiplex-Kino, ein Studentenwohnheim, ein Kindergarten und ein Polizeiwachzimmer sollen untergebracht werden.
Gasometer A
Diesem Gestaltungsvorschlag liegt die Konzeption zugrunde, den „genius loci“ dieses Industriedenkmales zu wahren, das Innere der Gasbehälter nicht zu verbauen, vielmehr Baukörper zu implantieren, die ihrer visuellen Leichtigkeit und der dadurch bewirkten Durchdringung des Innenraumes mit Tageslicht eine Synergie zwischen dem schwerenMauerwerk des historischen Behältergebäudes und den neuen Baustrukturen zu erzeugen. Ausgehend vom historischen Bauwerk wurde auf eine leichte Bauweise hingearbeitet, die im Kontrast zum bestehenden, imposanten Bauwerk steht. In den unteren Geschossen bildet ein „schweres“ Stahlbetongerüst den Sockel für die in Stahlbau konstruierten „leichten“ Obergeschosse. Die Neubebauung innerhalb des Gasbehälters A ist in 18 segmentförmige, in ihrem Umriss gleich geartete Baukörper, die als Wohntürme mit 14 Hauptgeschossen ausgebildet sind, gegliedert. Diese radial ausgerichtete Anordnung der Baukörper und der zwischen den einzelnen Wohntürmen freigehaltene Luftraum ermöglichen von jeder Wohnung aus einen Ausblick durch die Öffnungen des historischen Umfassungsmauerwerks ins Freie sowie durch die Gestaltung der jeweils gegenüberliegenden Baukörper und deren Reflexionen und Spiegelungen eine besondere Akzentuierung des einfallenden Tageslichts. Die Fassaden zum zentralen Innenraum sind eindeutig die Hauptfassade der Wohnungen. Sie öffnet den Blick auf die Glaskuppel über dem Gasometer und durch die Zwischenräume der Türme hindurch auf die großen Fenster des alten Mauerwerks. Die Fassade ist verglast und lehnt sich in ihrer Gestalt an Gewächshäuser an.
Gasometer B
Dieser Gestaltungsvorschlag unterscheidet sich von den drei anderen vor allem dadurch, dass er sich nicht auf die weitgehende Erhaltung des äußeren Erscheinungsbildes des Gasometers B beschränkt. Im Inneren des Gasbehälters ist wohl ein ringförmiger Neubau vorgesehen, der jedoch azentrisch angelegt ist und durch einen an der nördlichen, zur Guglgasse gerichteten Außenfront des Gasbehälters vorgesetzten Anbau – dh. durch einen Baukörper, der die Bebauung des äußeren Umrisses des Gasbehälters B visuell durchbricht und das Hauptgesims des Behälterbauwerks wesentlich, etwa bis in die Höhe der Dachlaterne, überragt – ergänzt bzw. erweitert wird. Die damit geschaffenen Baumassen sehen oberhalb der Böschungskrone zum überwiegenden Teil eine Wohnnutzung mit einem breiten Angebot an differenzierten Wohnformen vor. Für eine kommerzielle Nutzung sind in den Hauptgeschoßen lediglich im Bereich der Wohnlobby im 2. Obergeschoß Räumlichkeiten vorgesehen, in einem weiteren Obergeschoss ist eine Sky-Lobby vorgesehen, die sowohl Gemeinschaftseinrichtungen für die Bewohner, als auch weitere kommerzielle Nutzflächen umfasst. Schließlich sind auch Teilbereiche für die Errichtung eines Tele-Centers vorgesehen.
Gasometer C
Dieser Gestaltungsvorschlag richtet sich ebenfalls auf eine weitgehende Erhaltung des äußeren und soweit wie möglich auch des inneren Erscheinungsbilds aus. Dies im Besonderen durch den ungehinderten Blick auf die historische Kuppelkonstruktion – ein wesentliches Identifikationsmerkmal für die künftigen Bewohner – und im Bereich von mehrgeschossigen kleinen Innenhöfen auf die Innenansicht des Behältermauerwerks mit den eisernen Streben. Darüber hinaus ist die Gesamtkonzeption stark ökologisch akzentuiert, wie die Baumpflanzungen des „Arboretums“ und die direkte Begrünung des Innenraumes zeigen. Die Neubebauung ist im Sockelbereich als azentrischer Ring mit zum „Arboretum“ gerichteten Durchblicken und darüber einem sich nach oben verjüngenden kreisförmigen, in 18 Segmente gegliederten Baukörper konzipiert. In einem dieser Segmente befindet sich ein freistehender Stiegenhausturm; ein weiteres, direkt gegenüberliegendes Segment gibt den Blick durch das gesamte Gebäude hindurch auf die historische Gebäudestruktur frei. Entlang der zum Innenraum gerichteten Fassade der Neubebauung führt ein schraubenförmiger, an das vertikale Verbindungssystem angeschlossener Promenadenweg bis zur Dachterrasse. Mit seinen begrünten Plätzen bietet der Promenadenweg den Bewohnern und Besuchern nicht nur die Möglichkeit aktiver Benützung, sondern lädt durch seine räumliche Differenzierung auch zum Erleben des Innenraums ein.
Gasometer D
Dieser Gestaltungsvorschlag des Gasometers und dessen Verwendung als Hülle für einen Wohnkomplex geht von der Vorstellung aus, nicht nur die Außenseite des Gebäudes, sondern auch die Innenwand zum größten Teil zu erhalten und sichtbar zu machen. Es wurde eine von einem zentralen Kern ausgehende Bauform gewählt. Die Wohnungen sind auf drei Höfe ausgerichtet, deren eine Seite die unberührt gelassene Innenseite des alten Gasometers bildet. Diese Wände könnten bewachsen sein, die bestehenden Stahlgerippe und Stege fungieren als Rankgerüste. Die Bäume in den Höfen stehen in Erdkoffern, die im ersten Geschoss unter dem Hof angeordnet sind. Durch die nur durch Stahlelemente angedeutete Dachfläche und die großen Öffnungen der Außenwand kommt Licht in den Hof, dessen durchbrochene Außenwand diesen eher zur großen „Loggia“ werden lässt. Wilhelm Holzbauer schlägt eine Stahlbetonskelettbauweise vor. Die Baukörper werden durch vorgesetzte Balkone und Loggien gegliedert und erscheinen durch die Abwechslung von Glasflächen und verputztem Mauerwerk transparent.

DharmeshKunstDie vier Gasometer in Wien-Simmering entstanden im Rahmen der Errichtung des Gaswerks Simmering in den Jahren 1896 bis 1899 in Vollziegelmauerwerk. Sie weisen inklusive ihrer charakteristischen, die Silhouette bestimmenden Kuppeln eine Höhe von jeweils 75 m und einen Innendurchmesser von 62,8 m auf und boten ursprünglich Fassungsraum für 90.000...