Hochmittelalter

ca. 1050 bis 1250

Wien im Hochmittelalter

Erst als die Ungarngefahr nach der Schlacht auf dem Lechfeld (955) hatte gebannt werden können und mit der Einrichtung der Markgrafschaft Österreich unter den Babenbergern (976) auch ein „quasi-staatlicher“ Rahmen geschaffen worden war, waren dann auch Grundlagen für einen allgemeinen Aufschwung der Siedlungstätigkeit im Lande gegeben. Für Wien selbst, das noch bis ins 12. Jahrhundert praktisch an der Ungarngrenze lag, sollte sich dies freilich erst dann wirklich auszuwirken beginnen, als die österreichischen Landesfürsten aus dem Hause der Babenberger ihre Position endgültig gefestigt hatten.


Eine der frühesten authentischen Darstellungen des spätmittelalterlichen
Wien: Detail aus dem Tafelbild des Meisters des Wiener
Schottenaltars „Die Flucht aus Ägypten“, um 1470

Bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts lag das Zentrum der babenbergischen Macht westlich des Wiener Raumes. Um das Jahr 1150 verlegten die österreichischen Markgrafen, die damals auch als Herzöge von Bayern fungierten, ihre Residenz nach Wien und gründeten Wiens ältestes Kloster, St. Maria bei den Schotten. Es war dieser jetzt gegebene, unmittelbare Kontakt zum Landesfürsten, der entscheidend zur Stadtwerdung beitragen sollte. Dabei ist mit Nachdruck zu unterstreichen, dass es sich bei Wien zum einen keinesfalls um eine „Stadtgründung“ handelte, zum anderen allerdings der Rolle des Stadtherrn eine wesentliche Bedeutung zukam. Vorbildwirkung hatte vor allem die alte bayerische Hauptstadt Regensburg, die allerdings binnen weniger Jahrzehnte von Wien überflügelt wurde.


Wien auf dem Stammbaumbild „Friedrich II. der Streitbare in der Schlacht an
der Leitha“. Babenberger Stammbaum, Stift Klosterneuburg 1489/93

Um 1200 wurde die Wiener Stadtmauer – äußeres Zeichen jeder mittelalterlichen Stadt – errichtet, die bürgerliche Gemeinschaft erhielt ihr erstes Stadtprivileg (1221), und man sprach von Wien als einer der bedeutendsten Städte des Reichsgebietes nach Köln. In ebendieser Epoche, dem frühen 13. Jahrhundert, war Wien bereits in weit reichende Handelsbeziehungen eingebunden, die zum einen die Donaustraße nutzten, zum anderen durch intensive Kontakte mit Venedig geprägt waren. Entscheidend war die Verleihung des so genannten „Stapelrechtes“, das fremde Kaufleute dazu verpflichtete, ihre Waren in der Stadt niederzulegen und zum Verkauf anzubieten, womit den Wienern die überaus vorteilhafte Möglichkeit des Zwischenhandels geboten wurde. Der städtische Ausbau lässt sich vor allem an der Ausgestaltung der Kirchenlandschaft gut ablesen, wobei die Grundlagen noch unter den Babenbergern gelegt wurden. Auch die außerhalb der Mauern gelegene Vorstadtzone wurde nun zunehmend verbaut, wobei die Ausfallsstraßen gleichsam die Arterien der Entwicklung darstellten.

Walther von der Vogelweide

Walther (um 1170- um 1230), der größte deutsche Minnesänger und einer der großen Lyriker der Weltliteratur, entstammte vermutlich einem wenig begüterten Ministerialengeschlecht. Sein Geburtsort ist unbekannt. Wahrscheinlich war es der Vogelweidhof im Eisacktal in Südtirol. Für seine dichterische Entwicklung war Wien von besonderer Bedeutung.


Walther von der Vogelweide mit anderen Minnesängern.
Manessische Handschrift. 1300/40

Blutjung kam er um 1190 an den Babenberger-Hof, wo Herzog Leopold V. ihn herzlich aufnahm. Hier lernte er „singen unde sagen“, also komponieren, vortragen und dichten. Der Hofdichter Reinmar von Hagenau, Reinmar der Alte, war sein Lehrmeister. In dem kunstsinnigen Herzog Friedrich I. fand Walther einen verständnisvollen Förderer. Nach Friedrichs frühem Tod auf dem Kreuzzug 1198 kam es zum Bruch mit dessen Nachfolger, Herzog Leopold VI. Walther nahm Abschied von Wien. Neben stimmungsvoller Naturlyrik gab Walther, ein eminent politischer Mensch, in seiner Spruchdichtung kritische Kommentare zur Tagespolitik ab, ein leidenschaftlicher Vertreter der kaiserlichen Reichspolitik gegen die Umtriebe des Papstes. Im Bewusstsein der Nachwelt freilich ist er in erster Linie als Verfasser zarter Liebeslyrik verankert, dessen populärste Verse (etwa: „Under der linden/ an der Heide/ dá unser zweie bette was…“) heute noch modern und jung wirken. Überliefert sind seine Gedichte in späteren Handschriften, u.a. in der prächtig illuminierten Manessischen Liederhandschrift aus dem 14. Jahrhundert.

Text auszugsweise aus

Stadtchronik Wien
Dr. Christian Brandstätter, Dr. Günter Treffer
2000 Jahre in Daten, Dokumenten und Bildern
Von den Anfängen bis zur Gegenwart

mit freundlicher Genehmigung

Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen
www.brandstaetter-verlag.at

Virgilkapelle

Die Virgilkapelle wurde 1973 im Zuge des U-Bahnbaues entdeckt und als Museum in die Station Stephansplatz integriert. Die unterirdische Kapelle, der größte erhaltene gotische Innenraum in Wien, entstand um 1250 als „capella subterranea“ der darüberliegenden Magdalenenkapelle (Grundriss im Straßenpflaster des Stephansplatzes sichtbar). Ursprünglich möglicherweise als Begräbniskapelle gedacht, verlor sie im 14. Jahrhundert diese Bestimmung und diente einer reichen Wiener Kaufmannsfamilie als Gruft. Sie wurde mit byzantinisch beeinflussten Radkreuzen ausgemalt und mit einem Altar für den hl. Virgil ausgestattet, Im Vorraum ist eine Keramiksammlung untergebracht, welche die Entwicklung der Wiener Keramik vom 10. bis ins 19. Jahrhundert zeigt.

Neidhart Fresken
Das Haus Tuchlauben 19, in dem sich die Neidhartfresken in einem Schauraum im 1. Stock befinden, stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde um 1398 von dem reichen Wiener Händler Michel Menschein mit einem großzügigen Bilderzyklus, den ältesten- erhaltenen profanen Wandmalereien in Wien, ausgestattet. Die Fresken zeigen Szenen aus dem Leben und der Dichtung des Wiener Minnesängers Neidhart von Reuental (um 1180 – 1240), ein Frühlingsfest und einem Reigen mit Festmahl.

Bewaffnung und Panzerung
eines Ritters von 1280 – 1320

Neben dem Schwert war die etwa 3m lange Lanze die zweite wichtige Trutzwaffe eines Ritters. Sie war jene Waffe, die beim ersten Angriff zur Anwendung gelangte.Ritter bildeten sowohl einen Berufsstand als auch eine Gesellschaftsschicht. Sie verkörperten Kern- und Oberschicht einer Armee und nur sie galten als Krieger. Nicht nur Edelleute des niedrigen Adels, sondern sogar Kaiser und Könige waren zugleich auch Ritter. Das Markenzeichen des Rittertums war das Schwert, das im Rahmen eines Rituals – der Schwertleihe und dem Ritterschlag – empfangen wurde.
In der ersten Hälfte des 13. Jhdt. wandelte sich das äußere Erscheinungsbild eines Ritters dahingehend, dass neue Helmformen eingeführt wurden und über dem Ringelpanzer trug man einen einfachen ärmellosen Waffenrock (wâpenroc). Da diese Helme den Kopf ihres Träger vollkommen umschlossen und deren Gesicht nicht mehr erkennbar war, wurde neben Fahnen und Bannern das Führen eines persönlichen Erkennungszeichens der Kämpfenden untereinander erforderlich. Farbige, auffallende und unterschiedlich gestaltete Zeichen wurden an weithin sichtbarer Stelle – dem Schild und in weiterer Folge auch am Waffenrock – angebracht. Die primäre Panzerung eines Ritters des 13. Jhtds. bildete der Haubert, ein aus vielen tausenden, untereinander vernieteten Eisenringen bestehendes Panzerhemd mit angesetzten Kettenfäustlingen und einer ebenfalls angesetzten, bzw. gegen Ende des Jahrhunderts separat verwendeten Kettenkapuze. Das Gewicht einer derartigen Rüstung lag bei etwa 12 bis 14 kg. Der Ringpanzer bot zwar ausreichenden Schutz gegen Schnitt- und Stichverletzungen aber schützte nur bedingt gegen Lanzenstöße und Hiebe mittels Schwert, Streitkolben, Axt oder Keule. Unter dem Panzerhemd wurde ein sogenannter Steppwams namens Gambeson oder Aketon – ein mit Wolle oder Werg gepolstertes und abgestepptes tunikaförmiges Unterkleid – getragen, um Schläge oder Hiebe entsprechend zu dämpfen. Zur Panzerung der Beine wurden eiserne Beinlinge mit einem Gewicht von etwa 5 bis 6 kg verwendet, die in der Regel aus dem gleichen Ringgeflecht wie das Panzerhemd bestanden und das Bein völlig umschlossen. Durch die Erhöhung der Durchschlagskraft von Armbrust und Bogen bildete der vermutlich aus dem ungarischen Raum stammende Plattenrock ebenso eine rüstungstechnische Neuerung, wie die in der Minneepik bereits um 1240 gemeinsam mit dem Ritterdolch erwähnten gepolsterten Kniehosen (Diechlinge) zum Schutz der Oberschenkel. Kaum sichtbar unter dem Waffenrock oder anstelle dieses getragen, sorgt der Plattenrock über dem Panzerhemd für zusätzlichen Schutz. Dabei wurde eine Reihe von Eisenplatten an der Innenseite eines Leinen- oder Lederüberwurfes bzw. einer Kombination aus beidem genietet, sodass lediglich die Nietenköpfe an der Außenseite sichtbar waren. Neben den Diechlingen traten gegen 1250 zudem bereits vereinzelt Arm- bzw. Beinschienen aus gehärtetem Leder oder Eisen hinzu. Unter dem Topfhelm trägt der dargestellte Ritter bereits eine vom Panzerhemd getrennte und lediglich aus dem deutschen Raum bekannte Kettenhaube mit rechteckigem Brust- und Rückenlatz, eine Frühform der Beckenhaube und Ailettes. Als Sekundärbewaffung dient ein Dolch. (Andreas Bichler)

Das Lager

Zeltlager sind in bildlichen Darstellungen hauptsächlich im Zusammenhang mit Kriegsszenen oder Belagerungen zu finden. Die Ausstattung in solchen Lagern war meist recht aufwendig und bot seinen Bewohnern auch einigen Komfort, welcher dadurch aber auch mit einem hohen Transportaufwand verbunden war. Über die Einrichtung eines Pavillons gibt es kaum Aufzeichnungen. Auf zeitgenössischen Abbildungen sind zumindest fallweise Front- bzw. Seitenstollentruhen und Sitzgelegenheiten in Form von Hockern oder Bänken zu erkennen, die somit Aufschluss über einige verwendete Einrichtungsgegenstände geben. Bei der Abspannvariante wird das Zelt lediglich durch einen mit Seilen abgespannten – und somit fixierten – Mittelpfosten gehalten. Die Seile müssen dazu in einem relativ großen Radius um den Zeltmittelpunkt im Erdreich befestigt werden, denn die Zeltplane erhält erst dadurch ihre entsprechende Form. Vorteil bei dieser Konstruktion ist hingegen, dass nur die Plane und die Zeltheringe transportiert werden müssen. Der Mittelpfosten lässt sich vor Ort fertigen. Die Speichenradkonstruktion erfordert im Vergleich zur Abspannvariante einen erheblicheren Aufwand an Zubehör und Material. Auf Höhe der beginnenden Dachschräge wird am Mittelpfosten eine Nabe zur Aufnahme der einzelnen Querstangen verwendet – die dadurch entstehende Form gleicht somit der eines liegenden Speichenrades. Durch die Querstangen erhöht sich einerseits die Stabilität des Zeltes und andererseits bietet sich dadurch die Möglichkeit zur Befestigung von Laternen bzw. Hängelampen oder sogar die Nutzung als Stauraum.

Text auszugsweise aus

Historia Viviens
eine Website die sich mit dem Mittelalter und Rittertum
in unserer Gegend befasst.
www.historiavivens1300.at

DharmeshGeschichteHochmittelalter ca. 1050 bis 1250 Wien im Hochmittelalter Erst als die Ungarngefahr nach der Schlacht auf dem Lechfeld (955) hatte gebannt werden können und mit der Einrichtung der Markgrafschaft Österreich unter den Babenbergern (976) auch ein 'quasi-staatlicher' Rahmen geschaffen worden war, waren dann auch Grundlagen für einen allgemeinen Aufschwung der Siedlungstätigkeit im...