Steinzeit
Die Steinzeit ist die am längsten andauernde Epoche der menschlichen Urgeschichte. Sie wird dreifach gegliedert: Altsteinzeit (Paläolithikum), Mittelsteinzeit (Mesolithikum) und Jungsteinzeit (Neolithikum). Jeder Abschnitt wird wiederum in feinere zeitliche Bereiche mit eigenen oft regional verschiedenen kulturellen Erscheinungen unterteilt.


10.000 Steingeräte aus Brunn am Gebirge
Einzigartig ist die Menge an Abschlägen, Lamellen und trapezförmigen Messer- und Sicheleinsätzen. Man kann an ihnen noch die Steintechnik der letzten Jäger erkennen. Aus Materialvergleichen schließen wir, dass die frühen Bauern aus Brunn am Gebirge den Großteil des Radiolarits aus nahegelegenen Lagerstätten wie Mauer-Antonshöhe oder Gießhübl geholt haben. Für besonders gute Qualität hat man aber auch große Entfernungen nicht gescheut. Etwa ein Drittel der Werkzeuge und Abfallstücke besteht aus hell- bis dunkel- oder rotbraunem Radiolarit, wie er im Bakony-Wald am Plattensee in Ungarn vorkommt. (Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Der älteste Abschnitt ist die Altsteinzeit (bis 8.000 v.Chr.), die einer vergangenen geologischen Epoche, dem quartären Eiszeitalter, angehört. Die damals lebenden Menschen waren nichtsesshafte Jäger und Sammler. Die bislang ältesten österreichischen Funde stammen aus der Repolusthöhle bei Peggau/Stmk. und sind nahezu 300.000 Jahre alt.

Venus von Willendorf

Die Venus von Willendorf ist eine Venusfigurine aus der jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum) und ist als Österreichs bekanntestes Fundstück heute im Naturhistorischen Museum in Wien zu sehen.

Die Skulptur entstand um 25.000 v. Chr. und gehört damit dem Gravettien an. Sie wurde am 7. August 1908 bei Bauarbeiten der Donauuferbahn in Willendorf in der Wachau gefunden.

Die Skulptur besteht aus Kalkstein und ist 11 cm hoch. Sie stellt eine nackte, symmetrische Frauenfigur dar, wobei der Kopf zur rechten Brust geneigt ist. Der Kopf ist groß, ein Gesicht fehlt. Er trägt eine Frisur oder Kopfbedeckung und sitzt auf schmalen Schultern. Die Frisur oder Kopfbedeckung wurde durch schräg eingeritzte Striche und horizontale, konzentrische Linien erzeugt. Die Arme sind dünn und liegen auf den schweren Brüsten. Die Finger der rechten Hand sind durch lange Einschnitte voneinander getrennt. Die Arme sind auf beiden Seiten von vertieften Linien umgeben, ebenso die Hände, diese erscheinen so deutlicher hervorgehoben. An den Handgelenken sind durch Einschnitte gezackte Armringe angedeutet. Die Brüste sind ebenfalls von Linien umgeben.

Die Hüften sind stark, der Bauch steht vor, das Gesäß ist ausgeprägt. Brust, Bauch und Schenkel sind durch tiefe, senkrechte Gravuren modelliert, die durch horizontale Kratzer geglättet wurden. Rücken und Schenkel wurden als letztes in senkrechter Richtung bearbeitet, Brüste, Bauch und Vulva in waagrechter. Der Bauchnabel ist eine natürliche Vertiefung des Steines, die auf beiden Seiten erweitert wurde. Die Schenkel sind naturnah gestaltet, allerdings verkürzt, die Füße fehlen. Die Grenze zum Gesäß wird durch zwei deutliche Einschnitte gebildet, die nicht geglättet sind. Die Geschlechtsmerkmale sind detailliert dargestellt. Die Schamlippen wurden als letztes gestaltet, der Hersteller ist dabei leicht abgerutscht und hat dabei einen Einschnitt am linken Oberschenkel hinterlassen.

Die Figur stellt eine fettleibige Frau mittleren Alters dar. Die Darstellung ist derart realistisch, dass eine Erfindung als ausgeschlossen gilt. Farbreste zeigen, dass die Skulptur ursprünglich mit Rötel bedeckt war.

Die genaue Herstellungsweise der Venus ist nicht bekannt. Die noch sichtbaren Arbeitsspuren weisen darauf hin, dass zumindest die Endbearbeitung mit einem Stichel erfolgte. Solche Werkzeuge wurden in Schicht 8 und 9, zwischen denen die Venus gefunden wurde, gefunden.

Dass der Wiener Raum während der Altsteinzeit begangen wurde, zeigen Tierknochen und Reste der Steingeräteherstellung, die im 13. Bezirk (Titlgasse) gefunden wurden. Leider handelt es sich nicht um eindeutig bestimmbares Material, so dass die Datierung ungewiss ist.
Die Mittelsteinzeit (8.000 – 6.000 v.Chr.) ist eine Periode in der sich der Übergang von der unsteten Lebensweise der Altsteinzeit zur Sesshaftigkeit der Jungsteinzeit vollzog. Die Funde aus dieser Zeit sind in ganz Österreich noch relativ spärlich, allerdings stammen einige dieser wichtigen Nachweise vom Bisamberg. Die Jungsteinzeit (6.000 – 2.200 v. Chr.) wird in Alt-, Mittel, Spät- und Endneolithikum aufgegliedert. Damals begannen sich die Menschen erstmals als Ackerbauern und Viehzüchter niederzulassen.


Gefäße, Dechsel aus Stein, Knochengeräte – Steinabrunn
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Für das Altneolithikum (6.000 – 4.950 v. Chr.) belegen aus fast ganz Wien Streufunde sowie Siedlungsreste aus dem Wiental, Vösendorf und Brunn a. Geb. die Anwesenheit der ersten Bauern während der Linearbandkeramischen Kultur. Die Gefäße der älteren Jungsteinzeit waren meist von kugeliger Form und mit Liniendekor verziert, deshalb die Bezeichnung Linearbandkeramik.


Keramik aus den Gräbern
Mauer/Antonshöhe Wien 23. Bezirk – ca 4500 v. Chr.
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Im Mittelneolithikum (4.950 – 3.900 v. Chr.), das übrigens nicht mit dem Mesolithikum (Mittelsteinzeit) verwechselt werden darf, wurde während der Bemaltkeramischen Kultur (Lengyel Kultur) das zur Steingeräteherstellung notwendige Silexmaterial (rötlichbrauner und grünlicher Radiolarit) u.a. im 23. Bezirk in Mauer – Antonshöhe (Naturdenkmal) und am Roten Berg im 13.Bezirk bergmännisch im Tagbau gewonnen. Als Silex wird Steinmaterial bezeichnet, das sich zur Herstellung von scharfen Klingen eignet. Gemeinsam sind dem Silexmaterial (chem.: SiO2), zu dem auch z.B. Chalcedon, Obsidian (vulkanisches Glas) sowie natürlich der bekannte Flint-/Feuerstein gehört, die glasartigen Eigenschaften muschelig zu brechen und sehr scharfe Kanten zu bilden. Mit einigem Geschick lässt sich sogar noch heute aus dem herumliegenden nicht mehr bergfrischem und sprödem Abraummaterial eine brauchbare Klinge zuschlagen.


Gefäße – Brunn, Fundstelle III
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

In den mit Abraum gefüllten Schächten der Hornsteingrube von Mauer-Antonshöhe waren sieben Gräber (3 Frauen, 2 Männer und 2 Kinder) eingetieft, die als Bestattungen der Bergleute und ihrer Familien angesehen werden. Das Hornsteinbergwerk von Mauer-Antonshöhe ist einen Ausflug wert. Mit der Buslinie 60A bis zur Kaserngasse und von dort ist der ehemalige Steinbruch unweit der Raststätte „Schießstätte“ in ca. 20 gemütlichen Gehminuten erreichbar. Eingebunden in den Waldlehrpfad sind oberhalb des ehemaligen Steinbruches einige Informationstafeln aufgestellt. Das Jung- und Endneolithikum wird als Kupferzeit (3.900-2.300 v.Chr.) bezeichnet und als eigene Epoche angesehen. Damals entwickelten sich durch die neue Rohstoffnutzung komplexere gesellschaftliche Strukturen. Diese kupferzeitlichen Traditionen bilden die Basis für die nachfolgenden bronzezeitlichen Kulturen. Kupferzeitliche Funde stammen u.a. aus dem 6. (Gumpendorferstraße – Stadtbahnstation), 13. (Ober St. Veit – Gemeindeberg), 21. (Eipeldauerstraße, Stadlau) und dem 22. Bezirk (Aspern).

Text auszugsweise aus
Sigrid Strohschneider-Laue, Steinzeitliche Wien. Lorbeer 2/96 (Hg. Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie), 3-4.

Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie

Naturhistorisches Museum Wien
A 1010 Wien, Burgring 7

Die Jungsteinzeit

Träger der jungsteinzeitlichen „donauländischen“ Kultur war eine möglicherweise aus Vorderasien eingewanderte Bevölkerung, die die eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Sammler und Jäger verdrängte (deren Spuren u.a. in Wien XIII. nachweisbar sind, wo bei einem Hausumbau 1969 neben einem Mammutstoßzahn zehn bearbeitete Feuersteine gefunden wurden).


Steinäxte
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Ackerbau und Viehzucht erzwangen die Rodung kleiner Landstücke und den Bau von lehmbeworfenen Holz- und Flechtwerkhütten in Kleinsiedlungen, doch kam es noch nicht zu einer wesentlichen Umgestaltung der Naturlandschaft. Diese jungsteinzeitlichen Bauern bevorzugten die höheren Terrassen am Abhang des Sandstein-Wienerwaldes, die mit lockerem Eichenmischwald bestanden waren, den Bisamberg, wo ihre Ansiedlungen nachweisbar sind. Der fruchtbare Lößboden ermöglichte den Anbau von drei bereits bekannten Weizen- und drei Gerstenarten, von Roggen, Hirse und Hülsenfrüchten. Als Haustiere kannte man Rind, Ziege, Schaf, Schwein und Hund. Das gezähmt Pferd erschien im 3.Jahrtausend in unserem Gebiet. Die donauländische Kultur gliedert sich in eine westliche und eine östliche Hauptgruppe, die durch ihre unterschiedliche Art der Gefäßverzierung gekennzeichnet sind. V.a. die Verwendung von Spiral- und Mäanderbildern ist für die Tonwaren typisch, die auch als Bandkeramik bezeichnet werden. Während die westliche Gruppe unbemalte Gefäße mit Ritzverzierungen („Linearkeramik“) bevorzugte, war für die östliche eine kunstvolle, oft mehrzonig angelegte Bemalung typisch, die nach einem ungarischen Fundort auch als der „Lengyel-Kultur“ zugehörig bezeichnet wird. Seltsamerweise lassen sich im Wiener Raum beide Gruppen nachweisen. Spuren der älteren Linearkeramik fanden sie u.a. in Wien XIII., in Wien XIX. im Wertheimsteinpark, ferner in Aspern und Leopoldau.


Schmuck, Angelhaken
(Naturhistorisches Museum Wien – www.nhm-wien.ac.at)

Reste der etwas jüngeren bemalten Keramik des westlichen donauländischen Kreises fanden sich ebenfalls in der Wenzgasse, auf dem Roten Berg und dem Küniglberg sowie auf dem Areal von Schönbrunn und jenseits der Donau in Leopoldau, Stadlau, Hirschstetten, Aspern und Eßling und auf dem Bisamberg. Eine besonders interessante Fundstätte aus dieser Periode stellt der heute unter Naturschutz gestellte Steinbruch Antonshöhe bei Mauer dar. Hier baute der jungsteinzeitliche Mensch Hornstein ab. Um das Jahr 2000 v. Chr. kam es im Zuge einer großen Völkerwanderung zur Einwanderung indogermanischer kriegerischer Bauern in unserem Raum, die aus dem Norden Europas kamen und sich hier friedlich mit der ansässigen Bevölkerung vermischten. Ihre Kultur wird nach einem Fund in Baden bei Wien Badener Kultur genannt und ist durch ihre besondere Fertigkeit in der Bearbeitung von Feuerstein und einen eigenen Gefäßstil gekennzeichnet, der häufig auf Ritzverzierungen mit Fischgrätmuster zurückgreift. Die erstmalige Verwendung eines Metalls Kupfer kündigt das Ende der Steinzeit an. Um 1800 v.Chr. lassen sich die sogenannten „Glockenbecherleute“ im Wiener Raum nachweisen. Sie haben ihren Namen von der typischen Form ihrer Keramik mit abgerundeten Böden. Diese nicht-indogermanischen Einwanderer vermischten sich jedoch sehr rasch mit den Trägern der Badener Kultur.

DharmeshGeschichteSteinzeit Die Steinzeit ist die am längsten andauernde Epoche der menschlichen Urgeschichte. Sie wird dreifach gegliedert: Altsteinzeit (Paläolithikum), Mittelsteinzeit (Mesolithikum) und Jungsteinzeit (Neolithikum). Jeder Abschnitt wird wiederum in feinere zeitliche Bereiche mit eigenen oft regional verschiedenen kulturellen Erscheinungen unterteilt. 10.000 Steingeräte aus Brunn am Gebirge Einzigartig ist die Menge an Abschlägen, Lamellen...