Reiche Römer in Vindobona
Gold und Edelsteine aus dem Albertina-Gräberfeld

Vom 4. März bis 1. Juni 2009 präsentierte das Naturhistorische Museum Wien die Ausstellung „Reiche Römer in Vindobona – Gold und Edelsteine aus dem Albertina-Gräberfeld“.

Im Mittelpunkt der Ausstellung standen die prächtigen Grabbeigaben aus dem größten römischen Friedhof Wiens, die hier erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Im Jahr 2000 wurde während der Bauarbeiten einer neuen Ausstellungshalle der Albertina dieses einmalige Gräberfeld entdeckt, das aus insgesamt 150 Brand- und Körpergräbern des 2. – 4. nachchristlichen Jahrhunderts besteht.

In der Ausstellung „Reiche Römer in Vindobona – Gold und Edelsteine aus dem Albertina Gräberfeld“ erwarteten den Besucher wundervolle Zeugnisse der römischen Goldschmiedekunst. Neben Schmuckstücken befanden sich auch Glas- und Keramikerzeugnisse unter den Grabbeigaben, welche ebenfalls ausgestellt wurden.

Gezeigt wurde ein eindrucksvolles, buntes Bild des Alltaglebens im römischen Vindobona.

3D-Animationen und Fotos von Modellen in historischer Tracht ließen ein Stück römische Alltagskultur wieder aufleben. Alle Ausstellungsstücke wurden als Grabbeigaben geborgen, darunter auch ein wertvolles, fein gearbeitetes Paar Ohrgehänge aus Gold mit Smaragden und Granaten.

Es wurde im Grab einer Frau von etwa 25 bis 40 Jahren gefunden, der auch Silber- und Bronzeringe und ein so genannter Trierer Spruchbecher mitgegeben worden war. Diese wertvollen Keramikbecher mit dem für sie typischen schwarz glänzenden Überzug stammen eigentlich aus dem Rheinland des 3. und 4. Jh. und sind ungewöhnlich für den pannonischen Raum. Diese kostbaren Funde gehörten zu den Höhepunkten der Ausstellung, denn es wurde im Zuge der Arbeiten an dem Albertina-Gräberfeld festgestellt, dass solch wertvolle Grabbeigaben eine Seltenheit darstellen, da kostbare Schmuckstücke offenbar meist weitervererbt wurden.

Reiche Römerinnen und Römer schmückten sich gerne mit Gold, Silber und Perlen. Schmuck galt als Statussymbol. Wer weniger wohlhabend war, musste sich mit Silber- oder Bronzeschmuck begnügen. Die Handwerkskunst der römischen Gold- und Silberschmiede war legendär, wovon die Grabbeigaben ein eindrucksvolles Zeugnis ablegen.

Die römischen Bestattungsriten waren nach dem Zwölftafelgesetz geregelt. Dieser Gesetzessammlung aus dem 5. Jh. v. Chr. zufolge mussten Tote vor den Stadtmauern „extra muros“ begraben werden, da die Geister der Toten die heiligen Plätze der Stadt ansonsten entweihen könnten.


Insgesamt wurden im Jahr 2000 die Knochenreste von 150 Brand- und Körpergräbern von der Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie geborgen und von Anthropologinnen des Naturhistorischen Museums Wien untersucht.
Hierbei konnte festgestellt werden, dass der Gesundheitszustand auch der feinen römischen Gesellschaft nicht der beste war. Ernährungsbedingte Mangelerkrankungen waren an der Tagesordnung. Weiters weisen Knochenhautentzündungen und Zahnschmelzdeformationen auf chronischen Vitamin C- und Eisenmangel hin. Frisches Obst und Gemüse dürfte also nicht auf dem täglichen Speiseplan gestanden haben. Kein Wunder, dass nur 6 % der Gesamtbevölkerung älter als 40 Jahre wurde und die 45- bis 60-jährigen sich die Bezeichnungen „seniores“ oder gar „senes“ (Greise) gefallen lassen mussten.

Die römischen Begräbnisriten haben im Lauf der Zeit Veränderungen erfahren. Waren bis zum 2. Jahrhundert Feuerbestattungen üblich, bei denen die Toten verbrannt und die Asche samt Grabbeigaben in eine Urne gefüllt und beigesetzt wurden, so setzten sich im 2. nachchristlichen Jahrhundert Körperbestattungen immer mehr durch. Die aufwendigen Feuerbestattungen waren ohnehin nur wohlhabenden Erwachsenen vorbehalten. Kleinkinder, ärmere Personen und Personen, die eines nicht natürlichen Todes gestorben sind, wurden in einfachen Särgen oder auf Holzbrettern bestattet. War es den Verwandten möglich, so wurden Grabsteine aufgestellt, um den Toten unvergessen zu machen. Ein Andenken, das nach beinahe 2000 Jahren den Wissenschaftlern von heute Interessantes und bisher Unbekanntes über das Leben in Österreich zur Römerzeit enthüllt.


Allgemeine Presseinformation des Naturhistorischen Museums
Ausstellung in Kooperation mit der Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie
www.archaeologie-wien.at/index.htm

Naturhistorisches Museum Wien
A 1010 Wien, Burgring 7

DharmeshGeschichteReiche Römer in Vindobona Gold und Edelsteine aus dem Albertina-Gräberfeld Vom 4. März bis 1. Juni 2009 präsentierte das Naturhistorische Museum Wien die Ausstellung 'Reiche Römer in Vindobona - Gold und Edelsteine aus dem Albertina-Gräberfeld'. Im Mittelpunkt der Ausstellung standen die prächtigen Grabbeigaben aus dem größten römischen Friedhof Wiens, die hier erstmals...