Militärkommando Wien


Die Garde, der Repräsentationsverband des Militärkommandos Wien.
Foto: Johannes Christian/www.bundesheer.at

Vor einem der bedeutendsten Kulturdenkmäler Österreichs, dem Schloss Schönbrunn, fand am 13. August 2010 ein Festakt des Militärkommando Wiens statt: Die feierliche Angelobung von 250 Soldaten. Mit den Worten „Ich gelobe“ sprachen die Soldaten vor den zahlreich erschienenen Gästen am Ehrenhof des Schlosses ihr Treuegelöbnis.

50 Jahre Militärkommando Wien – eine Zeitreise

Geleitwort des Militärkommandanten von Wien
Brigadier Kurt WAGNER


Militärkommando Wien – Kommandogebäude Feldmarschall Radetzky

Die Geschichte des Militärs in Wien ist bekanntlich eine sehr lange, und so gibt es auch eine Reihe von Vorläuferorganisationen in Wien, die für Garnisons- bzw. territoriale Aufgaben zuständig waren: Militärkommando, Stadtkommando, Platzkommando oder Wiener Stadt-Guardia sind einige davon. Einem nach dem 2. Weltkrieg bereits am 9. Juli 1945 etablierten Militärkommando Wien war nur eine sehr kurze Lebensdauer bis 30. November 1945 beschieden, da der jungen 2. Republik zunächst jede militärische Betätigung verboten wurde. Nach Aufstellung des neuen Bundesheeres 1956 wurden in weiterer Folge mit 1. Jänner 1963 schließlich in allen Bundesländern Militärkommanden als territoriale Dienststellen eingerichtet, die wegen der Zuständigkeit für das Ergänzungswesen auch gleichzeitig Militärbehörden waren.

Seither hat sich gerade auch im Militärkommando Wien sehr viel verändert: Mit den ständigen Umgliederungen des Bundesheeres wurden neue Verbände aufgestellt, unterstellt und dann auch wieder abgegeben, Aufgaben wie taktisch führendes Kommando im Rahmen des damaligen Konzeptes der Raumverteidigung oder der Status als Dienstbehörde kamen und gingen im Lauf der Zeit.

Heute ist das Militärkommando Wien als das Kommando der Streitkräfte in Wien vor allem zentrale Servicestelle des Militärs, für Repräsentationsaufgaben zuständig sowie Ansprechpartner und verlässlicher Dienstleister für Einsatzvorbereitung und Einsätze in der Bundeshauptstadt, vor allem bei sicherheitspolizeilicher Assistenz zum Schutz kritischer Infrastruktur, bei Unterstützungsleistungen für Großveranstaltungen und zur Katastrophenhilfe. So wirkt das Militärkommando Wien seit Jahren aktiv und erfolgreich im Katastrophenschutzkreis (K-Kreis) mit und ist integraler Bestandteil der Helfer Wiens.

Die Sonderrolle des Militärkommandos Wien zeigt sich natürlich in vielen Bereichen. Wien ist Standort des Bundesministeriums für Landesverteidigung und vieler anderer wichtiger militärischer Institutionen. Das Militärkommando Wien verfügt als einziges Militärkommando über zwei Milizbataillone und ist mit der traditionellen Leistungs- und Informationsschau zum Nationalfeiertag Veranstalter eines der größten Events Österreichs. Die Besonderheit der Bundeshauptstadt zeichnet sich auch durch die Partnerschaft mit den militärischen Hauptstadtkommanden von Berlin, Bratislava, Budapest, Bukarest, Laibach, Prag und Warschau aus.

Einsätze des Militärkommandos Wien 1963 – 2013

(Auszug)


1965 – Das Jägerbataillon 4 im Hochwassereinsatz
in Osttirol – Raum Lienz.

1966 – Brückenbau im Zuge der Errichtung der USTRABA
(unterirdische Straßenbahn). Unter der Leitung des Kommandanten
der Pioniertruppenschule, Oberst Karl Cerny, errichten Pioniere
eine Hilfsbrücke, um den Verkehr im Baustellenbereich
auf dem Gürtel möglichst wenig zu behindern.

1967 – Das Jägerbataillon 4 wurde im Rahmen eines
Sicherungseinsatzes an der Staatsgrenze im Eisenbahntransport
von Wien nach Tirol verlegt. Nach dem Bahntransport und dem
Entladen der Fahrzeuge wurde im Anschluss die endgültige
Marschordnung eingenommen, um in die Einsatzräume zwischen
den Ortschaften Brenner und Krimml zu gelangen.

1968 – Nach Lawinenabgängen in Tirol räumen Soldaten des
Militärkommandos Wien wichtige Verkehrsverbindungen frei.


1970 – Am Karlsplatz beginnen die Arbeiten für den U-Bahnbau.
Pioniere errichten eine D-Brücke, um den Verkehr aufrecht zu
erhalten. Der Karlsplatz wird in den nächsten Jahren die größte Baustelle Wiens als Knotenpunkt für die Linien U1, U2 und U4.

1971 – Wiener Pioniere errichten eine weitere D-Brücke auf der
U-Bahnbaustelle am Karlsplatz ohne den planmäßigen
öffentlichen Verkehr zu behindern.

1976 – Einsturz der Reichsbrücke. Pionierkräfte errichteten eine Ersatzbrücke. Sie diente während der Bauzeit der neuen
Reichsbrücke zur Aufrechterhaltung des Schienen- und
Straßenverkehrs und wurde allen Erfordernissen gerecht.


1979 – Am 8. Februar 1979 brennt nach Schweißarbeiten das Kaufhaus
„Gerngross“ auf der Mariahilferstraße. Kräfte der Wiener Berufsfeuerwehr
und des Bundesheeres löschen gemeinsam diesen Großbrand.


1983 – Zur Vorbereitung auf den Papstbesuch wird der Katholikentag in der
Wiener Innenstadt veranstaltet. Bundesminister Friedhelm Frischenschlager nimmt selbst an verschiedenen Veranstaltungen teil. Der Baupionierzug des Militärkommandos Wien errichtet an der Donauuferbahn einen Behelfsbahnsteig für die Wallfahrerzüge.


1988 – Die Pioniere desLandwehrstammregimentes 21 errichten in Mauerbach für die Bevölkerung eine Behelfsbrücke. Die Hilfeleistung erfolgte im Rahmen der Ausbildung. Die Fußgängerbrücke erleichterte den Anrainern den Zugang zu ihren Grundstücken.


1990 – Der Sicherheitspolizeiliche Assistenzeinsatz an der Burgenländischen Grenze begann. Dieser, vorerst nur 10 Wochen geplante Einsatz wurde bis 2011 in einem Turnussystem durchgeführt. Die Soldaten des Militärkommandos Wien, der Garde und die Milizsoldaten der Wiener Jägerbataillone waren in verschiedernen Bereichen und Turnussen im Einsatz, um illegale Grenzüberschreitungen zu verhindern.


1993 – Soldaten des Militärkommandos Wien räumen nach ergiebigen Schneefällen den Westbahnhof und die Station Hütteldorf.


1995 – Das neu aufgestellte Jägerregiment 2, gebildet aus dem Landwehrstammregiment 21 und 22, überwacht im Assistenzeinsatz
den Grenzabschnitt Burgenland Süd.


1997 – Es gibt in Wien kein zweites Wahrzeichen, das Beständigkeit
und Widerstand in jenem hohen Ausmaß repräsentiert, wie es der Stephansdom verkörpert. Weder Seuchen noch Kriegswirren und Zerstörung konnten den Geist dieses Gebäudes brechen. „Unser Steffel“ ist das Wahrzeichen Wiens. Die Garde und viel Prominenz feiern mit den Wienerinnen und Wienern, allen voran der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, diesen denkwürdigen Tag.


1998 – Beim zweiten Staatsbesuch wird Papst Johannes Paul II mit militärischen Ehren durch die Ehrenformation der Garde des Militärkommandos Wien am Flughafen Wien Schwechat empfangen.

Das militärische Protokoll sieht bei offiziellen Staatsbesuchen genormte militärische Abläufe vor. Beginnend an der Staatsgrenze wird das Flugzeug des Staatsgastes von zwei Luftraumüberwachungsflugzeugen nach Wien Schwechat geleitet. Das Verlassen der Maschine durch den Staatsgast wird durch ein Ehrensalut von 21 Schuss der Artillerie mit der leichten Feldhaubitze begleitet. Nach der Begrüßung des Gastes durch den Bundespräsidenten und Meldung des Kommandanten der ausgerückten Truppe mit den Worten…
„… meldet eine Ehrenformation der Garde zu ihrem Empfang …“
… erfolgt das Abspielen der Hymne des Gastlandes und der Österreichischen Bundeshymne. Danach erfolgt das Abschreiten der Front des zirka 250 Frau/Mann starken Ehrenbataillons der Garde, bestehend aus Musik, Adjudantur, Insignientrupp der Garde und zwei Ehrenkompanien. Zum Schluss meldet sich der Kommandant der ausgerückten Truppe beim Staatsgast ab. Weitere Ehrengestellungen sind ein Spalier von Gardesoldaten als Ehrenwache im Hotel des Staatsgastes und in den Räumlichkeiten der Präsidentschaftskanzlei in der Hofburg. Bei Arbeitsbesuchen von ausländischen Staatsgästen, wie zum Beispiel von Staatsoberhäuptern, Ministern und Generalstabschefs, besteht die Ehrenformation aus der Gardemusik, dem Insignientrupp der Garde und einer Ehrenkompanie. Die Koordination von offiziellen Staatsbesuchen und Arbeitsbesuchen ist eine der wesentlichen Aufgaben des Militärkommandos Wien.


2007 – Im Mai und Juni werden Sturmschäden nach dem Orkan „Kyrill“ von 376 Bundesheersoldaten beseitigt. Die Soldaten waren im Dauereinsatz und haben mit ihrer Arbeit eine Gefährdung des Trinkwassers verhindert. Sie werden als Retter des kostenbaren Wiener Wassers in der Gemeinde Wildalpen von Bürgermeister Michael Häupl geehrt und mit der Einsatzmedaille der Stadt Wien ausgezeichnet.


2011 – Sprengung eines 43 Meter hohen Schornsteines für das geplante Krankenhaus Wien Nord. Der Militärkommandant zeigte sich beim Interview sehr erfreut: „Das ist eine tolle Chance für unsere Pioniere, ihr Können und Wissen unter Beweis zu stellen“. Die Sprengung wurde als Übung für die Pionierkompanie des Militärkommandos genutzt, um einen realitätsnahen Einsatz wie etwa im Katastrophenschutz zu trainieren. Die Herausforderung war es, den Schornstein so zu sprengen ohne dabei angrenzende Infrastruktur zu beschädigen.

Verein der Freunde des Militärkommandos Wien, Panikengasse 2, 1160 Wien
Chefredakteur: Oberstleutnant Stefan KOUTNIK
Redakteure: Oberst Peter URBAN, Oberst Hans HAUNER, Harald G.M. MINICH, Hauptmann Norbert LICK
Gestaltung: Harald G.M. MINICH, Johannes CHRISTIAN, Oberst Peter URBAN, Oberst Hans HAUNER, Oberstleutnant Stefan KOUTNIK, Hauptmann Norbert LICK.
Layout & Design: Harald G.M. MINICH, Johannes CHRISTIAN
Texte: Wikipedia, Quelle internet, Wien – 2000 Jahre Garnisonsstadt (Rolf M. Urrisk-Obertynski), Archiv der Republik Österreich, Militärkommando Wien, BMLVS
Lektorat: Oberrat Mag. Robert ROZINSKY, Landesverteidigungsakademie, Sprachinstitut des Bundesheeres
Fotos: Harald G.M. MINICH, Johannes CHRISTIAN, HBF, Militärkommando Wien, Bezirksmuseum Penzing, Archiv der Republik Österreich, Helfer Wiens, Privat
Der Soldat (S11,12)

DharmeshGeschichteMilitärkommando Wien Vor einem der bedeutendsten Kulturdenkmäler Österreichs, dem Schloss Schönbrunn, fand am 13. August 2010 ein Festakt des Militärkommando Wiens statt: Die feierliche Angelobung von 250 Soldaten. Mit den Worten 'Ich gelobe' sprachen die Soldaten vor den zahlreich erschienenen Gästen am Ehrenhof des Schlosses ihr Treuegelöbnis. 50 Jahre Militärkommando Wien...