Tragflügelboot „RAKETA 1“ in voller Fahrt – 1966
Bild © Alfred Karrer

„Seit gestern gibt es neben der Straßenstrecke über Hainburg eine weitere Reisemöglichkeit nach Preßburg. Die Wiener können jetzt dreimal in der Woche mit der „Rakete“ – so heißt das neu in Dienst gestellte tschechoslowakische Tragflügelboot – in knapp 65 Minuten auf der Donau nach Preßburg reisen. Die Hin- und Rückfahrt kostet 91 Schilling. Das modern eingerichtete, schmucke Boot befördert auf einen Schub rund 60 Passagiere auf dem Wasserweg durch den eisernen Vorhang. Die Jungfernfahrt fand gestern statt.
Kronen Zeitung vom 2. Juli 1964

„Die Ersten Fahrten der RAKETA I. vor dem 1.Juli 1964, haben bestätigt, dass man Wien in 70 Minuten von Bratislava erreichen kann und das ins Zentrum…… “
Pressetext vom 11. Juli 1964


Wien-Bratislava-Wien mit der „Raketa“
Der lohnende Tagesausflug!
Prospekt 1969

Bereits seit 1964 verkehren die Boote der SPaP-LOD im regelmäßigen Linienverkehr zwischen den beiden Hauptstädten Wien und Bratislava. In nur 95 Minuten erreichen sie vom Personenhafen Wien Handelskai das Zentrum der slowakischen Hauptstadt. Die ersten Boote vom Typ „Raketa“ wurden in den Schiffswerften „Fedosi“ auf der Krim gebaut und fuhren eigenständig durch das Schwarze Meer zum Zielhafen Izmail, wo sie an die ersten zwei Schiffsbesatzungen der ČSPD (Tschechoslowakische Donauschifffahrt) übergeben wurden.


Tragflügelboot „RAKETA 1“ – 1967
Bild © Alfred Karrer

Die beiden Schiffsbesatzungen hatten zu dem Zeitpunkt die Ehre, die schnellsten Wasserfahrzeuge (60 km/h) Europas nach Bratislava zu überstellen. Die Überstellung von Izmail dauerte drei Tage. Nach der Ankunft in Bratislava wurden sie auf „RAKETA I“ und „RAKETA II“ getauft. Das dritte Wasserfahrzeug dieses Typs, „RAKETA III“ wurde erst in den Wintermonaten desselben Jahres auf einem Frachtschiff nach Bratislava überstellt.

Ein Originalfilm von 1964 auf YOU TUBE:
www.youtube.com/watch?v=d4yUvgrVbhk


Tragflügelboot „RAKETA 1“ – 1976
Bild © Alfred Karrer
Techn. Daten Tragflügelboot Typ „RAKETA“
Betriebnahme: 1957
Länge: 27 m
Breite: 5 m
Tiefgang: 1,8 m (Stillstand)
1,1 m (Fahrt)
Verdrängung: 27 t
Geschwindigkeit: ca. 58 km/h
Kapazität: 60 – 65 Personen

In den vierziger Jahren wurde von dem russischen Schiffbauingenieur und Konstrukteur Rostislaw Jewgenjewitsch Alexejew u. a. Panzer und Tragflügel-Kampfboote entwickelt und konstruiert. Bis zum Kriegsende wurden seine Tragflügelboote nicht produziert, erst danach erhielt die sowjetischen Flotte derartige Schiffe. Unter seiner Leitung wurden auch das Tragflügelboot vom Typ Raketa konstruiert und gebaut. Im August 1957 folgte die Jungfernfahrt dieses für den Transport von Passagieren entwickelten Bootes von Gorki nach Kasan.


Nach Bratislava mit dem Tragflügelboot „RAKETA“ – Prospekt 1972
ČSPD (Tschechoslowakische Donauschifffahrt)

Die Raketa gilt als das erste in großer Serie gebaute Tragflügelboot für den öffentlichen Passagierverkehr und wurde vorwiegend auf russischen Flüssen eingesetzt. Von dieser ersten Serie wurden von der sowjetischen Schiffswerft Krasnoje Sormovo, Gorki ab 1957 rund 100 Boote gebaut und abgeliefert. Einzelne Boote waren über 20 Jahre im Einsatz wie auch die Rheinpfeil. Insgesamt wurden über 400 Boote vom Typ Raketa in mehreren Serien gebaut.


Fahrplan 1978 der Linie Wien – Bratislava der
ČSPD (Tschechoslowakische Donauschifffahrt).
Im Bild das Tragflügelboot „RAKETA 2“.

Der Typ Woschod löste den Typ Raketa ab. In den 70er Jahren wurde auch die Flotte der ČSPD Personenschiffe um Tragflügelboote des Typs „VOSCHOD“ und „METEOR“ erweitert.


Tragflügelboot „VOSCHOD 1“ – 1979
Bild © Alfred Karrer

Tragflügelboot des Typs „Voschod“ der ČSPD
(Tschechoslowakische Donauschifffahrt) in der Schleuse Freudenau.
Techn. Daten Tragflügelboot Typ „VOSCHOD“
Betriebnahme: 1973
Länge: 27,6 m
Breite: 6,8 m
Höhe: 4 m
Tiefgang: 2,1 m (Stillstand)
1,1 m (Fahrt)
Verdrängung: 28 t
Geschwindigkeit: ca. 60 km/h
Reichweite: ca. 450 km
Kapazität: 73 Personen

Der erste Prototyp wurde im Jahr 1973 gebaut. Die Serienfertigung begann im Schiffsbauwerk „More“ in Feodossija. Bis zum Ende der Sowjetunion wurden ca. 150 Exemplare gebaut. Neben der Sowjetunion wurden die Woschods auch in 18 andere Länder geliefert. In letzter Zeit wurden neue Woschods im Auftrag der niederländischen Firma Connexxion gebaut.


Ankunft des ČSPD Tragflügelbootes „METEOR II. TRNAVA“
im Hafen Bratislava.

Inzwischen sind nur noch Tragflügelboote des Typs „Meteor“ für den Linienbetrieb zwischen Wien und Bratislava im Einsatz. Die aktuellen drei Tragflügelboote des Typs Meteor der LOD sind nach slowakischen Städten benannt worden, Myjava, Modra und Bratislava.


Taufe des ČSPD Tragflügelbootes „METEOR III. MYJAVA“
Techn. Daten Tragflügelboot Typ „METEOR“
Betriebnahme: 1961
Länge: 34,6 m
Breite: 9,5 m
Höhe: 5,63 m
Tiefgang: 2,35 m (Stillstand)
1,2 m (Fahrt)
Verdrängung: 36,4 t
Geschwindigkeit: ca. 70 km/h
Reichweite: ca. 600 km
Kapazität: 78-123 Personen

Der erste Kapitän des Tragflügelboottyps „Meteor“ war der berühmte Pilot und „Held der Sowjetunion“ Michail Dewjatajew, der während des Zweiten Weltkriegs aus der Gefangenschaft durch Entführung eines feindlichen Bombers in Peenemünde entkommen konnte.
mehr dazu in: de.wikipedia.org/Michail_Petrowitsch_Dewjatajew


Fahrplan 1979 der Linie Wien – Bratislava der
ČSPD (Tschechoslowakische Donauschifffahrt).
Im Bild ein Tragflügelboot vom Typ „METEOR“.

Die Tragflügelboote des Typs „Meteor“ sind für den Personentransport während der Tagesstunden an schiffbaren Flüssen, Süßwasser-Seen und Stauseen in Gebieten mit gemäßigtem Klima konzipiert. Die Bedienung ermöglicht die Steuerung und Überwachung des Schiffs direkt aus dem Steuerhaus. Das Tragwerk besteht aus Bug, Mittel- und Heckflügeln und zwei Klappen an der Seite, die am Bug befestigt sind. Die maximale Geschwindigkeit wird erreicht, wenn das Schiff oberhalb der Wasseroberfläche kommt und die Flügel das Wasser berühren. Die maximale Geschwindigkeit eines Tragflächenbootes wird nach GOST gemessen. Es wurden mehr als 400 Tragflügelboote dieser Serie gebaut.


Fahrplan und Preisliste1985
ČSPD (Tschechoslowakische Donauschifffahrt)
Im Bild ein „Meteor“ Tragflügelboot

Die Tragflügelboote der SPaP-LOD werden immer ab April bis Oktober im Linienbetrieb zwischen Bratislava und Wien eingesetzt. Außerdem werden die Schiffe auch für Charterfahrten angeboten.

Tragflügelbootfahrten Wien – Bratislava, Prospekt 1986
ČSPD (Tschechoslowakische Donauschifffahrt)

Der Innenraum der „Meteor“ Tragflügelboote erinnert ein wenig an ein Flugzeug. Große Fenster ermöglichen einen uneingeschränkten Blick nach draußen. Der vordere Salon fasst 26 Sitzplätze und verfügt über ein Panoramafenster. Der mittlere Bereich des Bootes, der Hauptsalon, bietet 42 Passagieren und dem Barbereich Platz. Der hintere Salon des Schiffes verfügt über 44 Sitzplätze. Zwischen dem hinteren Deck und dem Hauptdeck (Hauptsalon) des Schiffes befindet sich eine kleine Aussichtsmöglichkeit die ein Stück über das Hauptdeck hinausragt.


„Wien – Bratislava – Täglich außer Montag mit den
Tragflügelbooten „Meteor“ und „Voschod“.
Prospekt und Fahrplan 1987
ČSPD (Tschechoslowakische Donauschifffahrt)


Tragflügelboote vom Typ „VOSCHOD“ und „METEOR“ am
Anleger vor dem Hafengebäude in Bratislava – 1988
Bild © Alfred Karrer

Die Tragflügelboote der SPaP-LOD verfügen im mittleren Teil (Hauptsalon) über einen Barbereich. Während der Fahrt werden Snacks, Tee, Kaffee und weitere Getränke angeboten

Tragflügelboot Meteor V „BRATISLAVA“
in Hochgeschwindigkeitsfahrt – 2014
Bild © Alfred Karrer

Die Boote sind mittlerweile mit Klimaanlage und einem Bildschirm im mittleren Bereich, mit Livebildübertragung in Fahrtrichtung sowie Geschwindigkeits- und Standortangaben ausgestattet. Die Fahrt mit dem Tragflügelboot von Wien nach Bratislava bietet einen Ausblick auf unberührte Auenwälder, Flußarme und auf das Panorama der Ufer in Hainburg, Theben und auch Bratislava, gesäumt von Gebirgen, romantischen Burgruinen oder Stadtmauern.