Dipl.-Ing. Franz Viehböck
Der erste Österreicher im All


Franz Viehböck, geb. 24.8.1960 in Wien, war nach Abschluss des Studiums der Technischen Universität Wien, Studienrichtung Elektrotechnik (Industrielle Elektronik und Regelungstechnik), als Assistent am Institut für Elektronische Messtechnik
an der TU Wien tätig. Kurz vor Abschluss seiner Doktorarbeit wurde er unter zahlreichen Bewerbern als Aspirant zur Kosmonauten-Ausbildung im russischen Juri-Gagarin-Trainings-Center ausgewählt. Nach zweijährigem Training für das sowjetisch-österreichische Weltraum-Projekt „Austromir“ absolvierte er als erster und bis dato einziger Österreicher einen 9-tägigen Flug ins All zur Weltraumstation Mir.


Im Auftrag der österreichischen Regierung folgte eine zweijährige Informations- und Vortragstätigkeit über seine wissenschaftlichen Aktivitäten im All. Danach nahm er ein Angebot der Firma Rockwell als Program-Development Manager für deren Space-Systems-Division in den USA an. Der Schwerpunkt dieser Tätigkeit lag in der Erarbeitung gemeinsamer internationaler Programme mit Europa und auch der ehemaligen Sowjetunion. Kurz nach Übernahme der Rockwell Aerospace & Defense Group durch Boeing wurde Franz Viehböck zum „Director for International Business Development“ für Boeings damals neue Space
Systems Development-Group ernannt. Um Boeings Bedeutung als globales Unternehmen zu unterstreichen, war Viehböck ab 1999 Europa-Generaldirektor für den expandierenden Boeing Bereich „Space & Communications“ und parallel dazu als „Country-Director“ von Boeing Österreich tätig. Mit September 2002 trat Dipl.Ing. Franz Viehböck die Geschäftsführung der Berndorf Band Ges.m.b.H. im Technologieunternehmen Berndorf AG an.

Weltraumflug – Karriere – Vortragstätigkeit
Dipl.Ing. Franz Viehböck war als Assistent an der TU in Wien tätig, als die Ausschreibung für einen österreichischen Kosmonauten in den Medien publiziert wurde. Nach kurzer Überlegung entschied sich Viehböck zur Bewerbung an der Mir-Mission. Im Nachhinein betrachtet war dies der erste Schritt, mit dem er seinen vorgeplanten Lebens- und Berufsweg verließ. Es war ihm bewusst, dass diese Bewerbung einerseits eine enorme Herausforderung und ein unvergleichliches Abenteuer bedeutet, andererseits seine bislang vorgesehenen Berufspläne, zumindest für einige Zeit, total verändern würde. Er wusste, dass die Ausbildung und das bis an die menschlichen Grenzen gehende psychische und physische Training zwei Jahre seines Lebens in Anspruch nehmen würde. Das Ziel war der Raumflug – vorausgesetzt, er schafft die Qualifikation.

Unter unzähligen Bewerbern wurden er und Dr. Clemens Lothaller ausgewählt, das anstrengende, zweijährige Training in dem nahe Moskau gelegenen Sternenstädtchen aufzunehmen. Von nun an war Franz Viehböcks volle Konzentration auf die Realisierung seiner Vision – dem Flug ins All – ausgerichtet. Die Aussicht auf das einmalige Abenteuer ließ ihn alle Tests bravourös bestehen – er verfolgte konsequent sein Ziel: in der Spitze jener Rakete zu sitzen, die zur Raumstation Mir fliegen würde.


Die Flugmannschaft
Die Flugmannschaft des Fluges Sojus TM-13 bestand aus dem Russen Oberst Aleksandr Aleksandrovich Volkov (Kommandant), dem Kasachen Toktar Ongarbayevich Aubakirov (Bordingenieur) und dem Österreicher Franz Viehböck (Wissenschaftskosmonaut).



Die Reservemannschaft
Für die Reservemannschaft wurden der Russische Oberst Aleksandr Stepanovich Viktorenko (Kommandant), der Kasache Talgat Amangeldyevich Musabayev (Bordingenieur) und der Österreicher Clemens Lothaller (Wissenschaftskosmonaut) nominiert.

Bis zum Tag vor dem Start war nicht 100%ig fixiert, wer von den beiden Österreichern endgültig die Raumkapsel besteigen würde: Franz Viehböck oder sein Ersatzmann Clemens Lothaller. Letztendlich war es dann doch Viehböck, der am 2. Oktober 1991 den Raumanzug anzog. Die nervliche Anspannung und die unvermeidliche Unsicherheit, ob er sich für das Richtige entschieden hat, wich der notwendigen Konzentration und der Spannung auf das faszinierende Erlebnis.

Die Sojus-Rakete startete problemlos und flog ihrem Ziel, der Raumstation Mir, entgegen. Franz Viehböck realisierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass beim Abheben der Rakete auch sein eigenes Leben, seine berufliche Laufbahn und seine Zukunft unwiderruflich in eine neue Richtung gelenkt wurde.

Für ihn folgten 9 anstrengende, arbeitsintensive Tage auf der Station: wissenschaftliche Tests mussten durchgeführt werden, die auf der Erde simulierte Schwerelosigkeit wurde Realität.

Die Landung – im Nachhinein betrachtet, der gefährlichste Teil seines Raumabenteuers – führte ihn unvorbereitet in eine neue Position: die unerwartete und ungeahnte Popularität in Österreich, die bis in seine Privatsphäre hineinreichte.

Mit dem Abschluss des Unternehmens war aber das öffentliche Interesse an Austromir nicht abgeflaut; vertraglich war Viehböck noch die zwei folgenden Jahre an das Projekt gebunden. Er und Clemens Lothaller tourten durch Österreich und hielten Vorträge über ihre „russischen“ Erlebnisse. Doch auch diese zwei Jahre gingen vorbei. Für die meisten anderen Menschen wäre spätestens damit ein Kapitel ihres Lebens erfolgreich abgeschlossen gewesen, und sie hätten dort fortgesetzt, wo sie vor dem Abenteuer gestanden hatten.



Nicht so Franz Viehböck. Schon während seiner Ausbildung zum Kosmonauten wurde ihm klar, dass die Thematik HighTech und Weltraum seine weitere Zukunft bestimmen würde und er dieses Ziel weiterverfolgen müsse – die Faszination dieses Metiers hatte ihn vereinnahmt. Durch seine Fachkenntnis, seine Vorbildung und durch seine in kürzester Zeit erworbenen wichtigen internationalen Kontakte, wurde ihm ein unausschlagbarer Job bei Rockwell Aerospace angeboten, Amerika rief – Viehböck nahm an. Rockwell wurde dann von „The Boeing Company“ übernommen und infolgedessen wechselte er zum größten Flugzeughersteller und gleichzeitig innovativsten Raumfahrtkonzern der Welt. Innerhalb kürzester Zeit avancierte er zum General Director der Boeing Space & Communications Division für den europäischen Raum und führte ab 1999 seine Tätigkeit in einem neu in Wien gegründeten Boeing-Büro aus.

Aufgrund seiner internationalen Erfolge für Boeing wurde er Anfang 2002 nach Los Angeles zurückbeordert, um zusätzliche Aufgaben im Weltraum- und Kommunikationsgeschäft zu übernehmen. Doch die Herausforderung, den Job des Geschäftsführers der Berndorf Band GmbH& Co. in Berndorf anzutreten, so wie der Wunsch seiner drei Kinder in Österreich zu bleiben, hat Viehböck und seine Familie nach Europa zurückgeholt.

Viele wichtige Erfahrungen aus dem Abenteuer Weltraum erwiesen sich in seiner beruflichen Laufbahn in den verschiedenen Managementpositionen als sehr wesentlich. Immer wieder wurde er mit den Themen: Stressbewältigung, Teamarbeit, Konfliktmanagement, Motivation und Innovation konfrontiert. In seinen Vorträgen begeistert Franz Viehböck durch Schilderungen seiner faszinierenden Erlebnisse im Weltraum. Er ermutigt dabei die Menschen seiner Lebensphilosophie zu folgen – mit den Füßen am Boden zu bleiben und dabei nach den Sternen zu greifen.

Auswahl von Firmen und Organisationen,
bei der Franz Viehböck als Vortragender tätig war:

BA-CA, Boston Consulting Group, Compaq, Epson, Eunet, Eurisy, Generali, HP, IMAX, KLM, Kuffner Sternwarte, NASA, Oberbank , OMV, Oracle, Ortho-Clinical Diagnostics, Saab Ericsson , Siemens, Süddeutsche Zeitung, Swissair – Sabena, T-mobile, T-Systems, Tupper Ware, Unternehmen Erfolg, Wirtschaftskammer Tirol, Wirtschaftskammer Vorarlberg, Zeiss Planetarium, etc.

Kontakt

SCM Susanne Conrads Management
A 2344 Maria Enzersdorf, Martin Gusinde-Gasse 15

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+43/676/3508148
+43/2236/864510
s.conrads@aon.at

Ausgabe: 2. Oktober 1991
Nennwert: 9,- S
Sonderpostmarke


Anläßlich eines Staatsbesuches im Jahre 1987 bot der damalige sowjetische Außenminister Ryschkov der österreichischen
Bundesregierung an, einen gemeinsamen, sowjetisch-österreichischen Raumflug auf der Raumstation MIR durchführen zu lassen. Trotz der hohen Investitionskosten entschied der Ministerrat am 5. April 1988 dieses Angebot anzunehmen und im Oktober wurde ein diesbezüglicher Staatsvertrag unterzeichnet. Das war die Geburtsstunde des Projektes AUSTRO MIR. Der Start zur Raumstation erfolgte mit einer Sojus-TM-Rakete, in der Dipl.-Ing. Franz Viehböck als erster Österreicher ins All reiste. Eine ganze Reihe von Experimenten im Dienste des technischen und medizinischen Fortschritts wurden mit Unterstützung der sowjetischen Kollegen durchgeführt und auch tausend Stück der Sonderpostmarke mit dem Motiv der Raumstation begleiteten die Mannschaft auf ihrem Flug.

aus

aeiou – das kulturinformationssystem des bm:bwk
14.000 Stichwörter und 2000 Abbildungen aus Geschichte, Geographie, Politik und Wirtschaft Österreichs
www.aeiou.at

Aufenthalt auf der Raumstation MIR

Am 5. Oktober begann der Arbeitstag an Bord des Orbitalkomplexes MIR um 8 Uhr ZUP-Zeit, und er dauerte bis 23:00 Uhr. Sowohl Franz Viehböck als auch die sowjetischen Kosmonauten widmeten sich in erster Linie medizinischen Experimenten.
Bei den medizinischen Experimenten handelte es sich durchwegs um Untersuchungen von physiologischen Reaktionen des Organismus auf die Schwerelosigkeit, die zum damaligen Zeitpunkt noch nicht oder nur ungenügend erforscht worden sind. Der Großteil der medizinischen Experimente – bezeichnet als Block I und Block II – wurden sowohl am zweiten als auch am fünften Tag des Raumfluges durchgeführt. Unter Block I sind die gleichzeitig durchgeführten Experimente AUDIMIR, MONIMIR und OPTOVERT zusammengefaßt, unter Block II die ebenfalls gleichzeitig durchgeführten Experimente MIKROVIB, PULSTRANS, und MOTOMIR.

auszugsweise aus

MIGMAS
Abk. für Micro Gravity Mass Spectrometer

Die Mikroanalysestation MIGMAS ist ein materialwissenschaftliches Messgerät, das als ständige Einrichtung an Bord von Raumstationen Untersuchungen, die früher nur in Labors auf der Erde möglich waren, durchführen kann. Das Institut für Angewandte Systemtechnik hat dafür ein miniaturisiertes Sekundärionen-Massenspektrometer für die hochempfindliche Oberflächenanalyse von Feststoffen (Metallen, Halbleitern, Isolatoren) entwickelt. Es soll vor allem zur Untersuchung der Weltraumkorrosion von im freien Weltraum exponierten Materialien, zur Qualitätskontrolle bei Weltraumreparaturen sowie für generelle materialkundliche Forschung im Weltraum dienen. Das Gerät ist bereits fertiggestellt und wartet nur auf seinen Einsatz.


Bild: Durchführung des Experimentes MIGMAS gemäß Bordhandbuch durch Kosmonaut Franz Viehböck im Rahmen der Mission AUSTROMIR – www.joanneum.at

MIGMAS arbeitet nach dem Prinzip einer Rasterionenmikrosonde: Auf die zu untersuchende Probe wird ein feinfokussierter Ionenstrahl (Primärionenstrahl) gerichtet, wobei an der getroffenen Stelle geladene Probenatome (Sekundärionen) ausgesendet werden. Diese Sekundärionen werden in einem Massenspektrometer nach ihrem Atomgewicht getrennt. Auf diese Weise wird die chemische und isotopische Zusammensetzung der Oberfläche bestimmt. Wird der Primärionenstrahl in einem Raster über die Probe geführt und an jedem Rasterpunkt die Sekundärionenintensität gespeichert, so kann auf diese Weise die Elementverteilung an der momentanen Probenoberfläche als zweidimensionales „Bild“ dargestellt werden. Durch Kombination dieser Abbildungsmethode mit dem kontinuierlichen Abtragen der Probenoberfläche durch den Sputtereffekt (Material wird durch die Ionen abgetragen) kann auch die räumliche dreidimensionale Elementverteilung in der Probe mit hoher Ortsauflösung dargestellt werden. Die Oberflächenuntersuchungen sollen u. a. dazu beitragen, neue Materialien für Weltraumflugkörper zu finden.
MIGMAS soll an Bord des russischen Segmentes der internationalen Raumstation (ISS), aber auch bei zukünftigen ESA-Raumflügen verwendet werden.

DharmeshGeschichteDipl.-Ing. Franz Viehböck Der erste Österreicher im All Franz Viehböck, geb. 24.8.1960 in Wien, war nach Abschluss des Studiums der Technischen Universität Wien, Studienrichtung Elektrotechnik (Industrielle Elektronik und Regelungstechnik), als Assistent am Institut für Elektronische Messtechnik an der TU Wien tätig. Kurz vor Abschluss seiner Doktorarbeit wurde er unter zahlreichen Bewerbern als...