Die Wiener Wasserversorgung


Alt-Wiener „Bassena“
um 1900
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung


Auslauf der Albertinischen
Wasserleitung, 1905; August Stauda
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Der Weg des Wiener Wassers

Das Wiener Wasser kommt aus den niederösterreichisch-steirischen Kalkhochalpen. Das Quellgebiet der I. Wiener Hochquellenleitung umfasst den Schneeberg, die Rax und die Schneealpe, das Quellgebiet der II. Hochquellenleitung den Gebirgsstock des Hochschwab. Durch die Einleitung der Pfannbauernquelle, die sich am östlichen Ausläufer des Hochschwab befindet, in die I. Hochquellenleitung ist fast ein Ringschluss hergestellt. Die beiden Quellgebiete umfassen mehr als 600 Quadratkilometer.


Otto-Schutzhaus (benannt nach Erzherzog Otto) auf der Rax.

Die Rax ist ein Berg in den Nördlichen Kalkalpen an der steirisch-niederösterreichischen Grenze. Die höchste Erhebung des Kalkstocks ist die Heukuppe mit 2.007 m ü. A., welche in der Steiermark liegt. Das Raxalpengebiet gehört, gemeinsam mit der Schneealpe und dem Schneeberg, zum Einzugsgebiet der I. Wiener Hochquellenwasserleitung. Vom Schneeberg ist es durch das Höllental getrennt. Schneeberg und Rax zählen zu den Wiener Hausbergen und sind die wesentlichen Berge der Rax-Schneeberg-Gruppe.

Ohne Pumpe bis in die Stadt


Grafik: © www.wien.gv.at

Über Kanäle und Stollen, die zum Teil durch Berge geführt werden, gelangt das Wasser im natürlichen, freien Gefälle ohne eine einzige Pumpe bis in die Stadt. Die Gravitationsenergie wird entlang der Leitung sogar zusätzlich zur Stromproduktion verwendet. Auf Grund des großflächigen Quellschutzes ist eine Aufbereitung des Quellenwassers nicht notwendig.

Grundwasser als Reserve

Wien ist in der einmaligen Situation, sein Trinkwasser fast zur Gänze aus Hochgebirgsquellen zu beziehen. Ein kleiner Teil wird durch Grundwasserwerke abgedeckt. Heute greift Wien nur im Falle von Reparaturarbeiten an den Hochquellenleitungen, bei größeren Rohrgebrechen oder bei extrem hohem Wasserverbrauch in Hitzeperioden auf Grundwasser zurück. Dazu kommt noch ein geringer Teil Oberflächenwasser aus der Wientalwasserleitung.

Die Wasserverteilung


Wiener Stadtplan mit Verteilungsanlagen
der I. und II. Hochquellenwasserleitung um 1910
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Zur zentralen Aufgabe der Wiener Wasserwerke gehört der Ausgleich zwischen dem natürlichen Vorkommen und der unterschiedlichen Nachfrage nach Wasser in der Stadt.

Wien 19. Wasserversorgung
Hackenbergreservoir von der Krottenbachstraße gesehen. ;um 1910
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Dafür gibt es 32 Wasserbehälter (davon 30 in Wien) mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 1,6 Millionen m³, was etwa dem Verbrauch von drei Tagen entspricht. Dort wird das zugeleitete Hochquellenwasser gespeichert und durch ständige Durchströmung frisch gehalten. Die ältesten Behälter, so zum Beispiel der Behälter Rosenhügel, stammen aus dem 19. Jahrhundert (Fertigstellung 1873). Der jüngste Wasserbehälter Jubiläumswarte wurde im Herbst 2006 feierlich eröffnet.


Wasserbehälter Wien 19, Cobenzl. Ansicht schräg von links 1927.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Wasserbehälter Bisamberg

Das auf der niedersten Terrasse rechts der Donau gelegene Wiener Gebiet, bestehend aus den Bezirken 2, 20 und zum Teil 3 und 11, sowie die beiden links der Donau gelegenen Bezirke 21 und 22 bilden die größte Versorgungszone Wiens, die so genannte Tiefstzone. In ihr wird etwa ein Drittel des Wiener Trinkwassers verbraucht. Diese Situation und die Tatsache, dass das Versorgungsgebiet des 21. und 22. Bezirkes über keinen eigenen Hochbehälter verfügte, erforderten eine Verbesserung der Wasserversorgung im Hinblick auf Menge und Sicherheit.

Technische Daten

Wasserbehälter: 60.000 m3 nutzbarer Inhalt, 2 gleiche Kammern, durch einen Mittelgang getrennt
Baustoff: wasserdichter Stahlbeton
Rohrleitungen: Sphäroguss mit Steckmuffenverbindungen
DN 1000 ca. 4,8 km
DN 800 ca. 6,8 km
DN 600 ca. 1,5 km
Kosten: rund 500 Millionen Schilling (EUR 36,34 Mio.)

Wasserbehälter Michaelerberg

Der Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl eröffnete am 3. Mai den Wasserbehälter Michaelerberg (RK vom 3.5.2002).
Der Bau des Wasserbehälters am Michaelerberg ist die erste Ausbaustufe eines Projektes, dass zur Verbesserung der Wasserversorgung für jene Gebiete Wiens dient, die, aufgrund der hohen Lage, nicht gravitativ versorgt werden können. Das Wasser in diesen Bereichen im Westen Wiens wird mit Pumpen in die jeweiligen Behälter geleitet. Durch den Neubau, beziehungsweise die Erweiterung der Behälter Michaelerberg, Steinbruch und Jubiläumswarte wird das Fassungsvermögen der drei Standorte von 2.245 m³ auf 9.000 m³ erhöht.

Das Versorgungsgebiet und der Umbau

Der Wasserbehälter Michaelerberg versorgt die Bevölkerung von Neustift am Walde, Teile Obersieverings und der Siedlungsgebiete südlich des Michaelerberges. Das Speichervolumen des alten Behälters umfasste ca. 380 m³ – das entspricht 1/10 des Tageswasserbedarfes und ist somit versorgungstechnisch gering. Der neue Wasserbehälter hat ein Volumen von 4.000 m³ und gewährleistet nachhaltig die Versorgungssicherheit des oben genannten Gebietes. Der alte Behälter Michaelerberg wurde abgetragen. Die entstehende Freifläche wurde von der MA 49 – Forstamt Wien aufgeforstet, da es sich um eine Schutzzone handelt. Der Wasserturm, der nicht mehr genutzt wird, bleibt als Denkmal bestehen und wird von einem neu gegründeten Verein erhalten.

Technische Daten

Wasserbehälter: 4.000 m³ nutzbarer Inhalt, aufgeteilt auf 2 Wasserkammern
Baustoff: wasserdichter Stahlbeton
Baubeginn: Sept. 2000
Inbetriebnahme: Dez. 2001
Kosten: ATS 23 Millionen (= EUR 1,760 Mio.)
Behälterareal: 3.000 m³

Das Rohrnetz

Von den Endpunkten der Hochquellenleitungen wird das Wasser über Auffangbehälter in das städtische Rohrnetz eingespeist. Ein ausgedehntes Leitungssystem bringt das Wasser schließlich in unsere Wohnungen und Häuser: Das Wasserleitungsnetz umfasst mehr als 3.200 Kilometer öffentliche Rohrstränge und über 100.000 Anschlussleitungen.

Laufende Überwachung und Sanierung

Durch den verstärkten Einsatz in den vergangenen 20 Jahren im Bereich der Wasserverlustbekämpfung und Bewusstseinsbildung im Verbrauchsverhalten ist es gelungen, die notwendige Aufbringungsmenge um 25 Prozent zu reduzieren. Das entspricht rund 130.000 m3 pro Tag oder einer zusätzlichen Wasserleitung. Durch entsprechende Bau- und laufende Überwachungsmaßnahmen arbeiten die Wiener Wasserwerke daran, die Rohrnetzverluste (derzeit rund zehn Prozent) weiterhin gering zu halten.

I. Wiener Hochquellenleitung


Wien 23, Liesing, Aquädukt der ersten Wiener Hochquellenleitung.
um 1935 Österreichische Lichtbildstelle
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

1864 beschloss der Wiener Gemeinderat den Bau der I. Wiener Hochquellenleitung, die noch heute rund 40 Prozent des Wiener Wasseraufkommens deckt. Sie wurde von dem Geologen und Gemeinderat Eduard Suess geplant und von Bürgermeister Cajetan Felder realisiert. Diese Leitung sollte die Trinkwasserversorgung mengenmäßig auch für die Vorstädte sichern und qualitativ so weit verbessern, dass keine gesundheitliche Gefährdung der Bevölkerung mehr zu befürchten war.

Eröffnung 1873


Der Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz.
In Funktion mit Blick gegen das Palais Schwarzenberg. ;1913-08-02
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Nach nur dreijähriger Bauzeit wurde die I. Wiener Hochquellenleitung am 24. Oktober 1873 mit der Inbetriebnahme des Hochstrahlbrunnens am Schwarzenbergplatz durch Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Sie ist 120 Kilometer lang, kostete 16 Millionen Gulden und wurde zum Symbol für die Befreiung von Wassernot und Seuchengefahr.


Der Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz.

Für den privaten Gebrauch wurden nun die ehemaligen Hausbrunnen durch die Gangbassena abgelöst. 1888 waren bereits über 90 Prozent der bewohnten Häuser des damaligen Stadtgebietes an die neue Leitung angeschlossen.

Einleitung der Pfannbauernquelle

1965 wurde das gesamte Rax-Schneeberg-Schneealpenmassiv zum Wasserschutzgebiet erklärt. Ab Dezember 1988 kam zu den bestehenden Quellen die Einleitung der Pfannbauernquelle (aus dem Aschbachtal an der Mariazeller Bundesstraße) in das Leitungsnetz der I. Hochquellenleitung. Seit der Einspeisung dieser Quelle kann im Normalfall ganz Wien mit Hochquellenwasser versorgt werden.

II. Wiener Hochquellenleitung


Wiener Hochquellenleitung II
Wildalpen/Steiermark – Holzäpfeltalbrücke gegen den Hochstadl.
© Historisches Museum der Stadt Wien; ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

Die Eingemeindung der Vororte (1890/92) führte trotz des Ausbaus der I. Hochquellenleitung zu Versorgungsschwierigkeiten mit Trinkwasser. Nach umfangreichen Vorarbeiten wurde 1900 der Grundstein für die II. Wiener Hochquellenleitung gelegt. Sie wurde unter Bürgermeister Karl Lueger mit dem finanziellen Aufwand von 100 Millionen Kronen errichtet. Die Finanzierung des Baus erfolgte mittels Anleihen.

Vom Hochschwab nach Wien in 36 Stunden

10.000 Arbeiter waren mit dem Bau der über 170 Kilometer langen Wasserleitung von den Quellwässern aus dem steirischen Salzatal im Hochschwabgebiet bis nach Wien beschäftigt. Über 100 Aquädukte und 19 Düker (auf dem Gesetz der kommunizierenden Gefäße basierende Rohrsiphone) mit Längen bis zu 2,5 Kilometer mussten zur Über- bzw. Unterquerung von Flüssen und Tälern errichtet werden. Die Fließzeit des Wassers beträgt etwa 36 Stunden. Eröffnung 1910
Am 2. Dezember 1910 wurde die II. Wiener Hochquellenleitung durch Kaiser Franz Joseph I. im Festsaal des Wiener Rathauses eröffnet. Aus diesem Anlass wurden die beiden Springbrunnen im Rathauspark erstmals mit Hochquellenwasser betrieben. Der Bau dieser Wasserleitung hatte nicht zuletzt einen segensreichen Einfluss auf die Volksgesundheit. Mit der gesicherten Frischwasserversorgung konnten in allen Bezirken Wiens Brause- und Volksfreibäder errichtet werden. 1973 wurde zum Schutz der Quellen ein wasserrechtliches Schon- und Widmungsgebiet bestimmt.

Die erste Hochquellenwasserleitung

© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung


Motiv mit Bogen der ersten Wiener Hochquellwasserleitung um 1930.
© ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung

24. Oktober 1873. Bürgermeister Cajetan Felder eröffnet die Erste Wiener Hochquellenleitung mit den Worten: „Der Hütte der Armen sowie dem Palast des Reichen sollten die Wohltaten dieses Wunderwerkes zugute kommen.“ Gleichzeitig mit der Wasserleitung wird auch der Hochstrahlbrunnen auf dem Schwarzenbergplatz eingeweiht. In den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts war die Einwohnerzahl Wiens rapide gestiegen; sie betrug im Jahre 1830 inklusive der Vorstädte bereits 318000. Die fortschreitende Verbauung hatte zur Folge, dass die Schöpfleistung der damals rund 10 000 Brunnen immer mehr nachließ. So gehörte der Wassermann, der mit einem Pferdewagen frisches Wasser aus einem großen Fass zum Verkauf anbot, zum typischen Wiener Straßenleben. 1861 gab die Stadterweiterungskommision die erste Anregung zum Bau einer Hochquellenleitung. Im folgenden Jahr wurde eine eigene Wasserversorgungskommision eingesetzt, sie sich für eine Zuleitung aus dem Bereich von Schneeberg und Rax aussprach. Am 21.April 1870 nahm Kaiser Franz Josepf I. den ersten Spatenstich vor. Sieben Quellen mussten zusammengefasst, 120 Kilometer Rohrstränge gebaut und zahlreiche Aquädukte errichtet werden. Die Kritik blieb freilich nicht aus: Statt der prognostizierten zwei Millionen Eimer pro Tag lieferte die Erste Hochquellenleitung nur 1 200 000 Eimer.

DharmeshGeschichteDie Wiener Wasserversorgung Der Weg des Wiener Wassers Das Wiener Wasser kommt aus den niederösterreichisch-steirischen Kalkhochalpen. Das Quellgebiet der I. Wiener Hochquellenleitung umfasst den Schneeberg, die Rax und die Schneealpe, das Quellgebiet der II. Hochquellenleitung den Gebirgsstock des Hochschwab. Durch die Einleitung der Pfannbauernquelle, die sich am östlichen Ausläufer des Hochschwab...