DER NETWORKER
Udo Proksch (1934-2001)


Bild: Udo Proksch, der Darling der Schickeria, in Handschellen.

Die Dominanz der SPÖ bedeutete auch – trotz des Verlusts der absoluten Mehrheit und einer Koalition mit der FPÖ ab 1983 – absolute Macht – und die korrumpiert. Etliche Großskandale bestimmten die frühen Achzigerjahre: Im Zusammenhang mit dem Bau des Allgemeinen Krankenhauses wurden Provisionskonten in Liechtenstein entdeckt und Manager verurteilt. In der Not der Verstaatlichten Industrie verkaufte die Voest so genannte „Noricum“-Kanonen an die Krieg führenden Länder Iran und Irak.

Der Skandal aber, der am tiefsten in ein Geflecht aus Parteiprominenz, Schickeria und Halbwelt reichte, war nach einem unscheinbaren Frachtschiff benannt: „Lucona“. Die ging – gemeinsam mit sechs Matrosen – und einer angeblich wertvollen Fracht durch eine Explosion im Indischen Ozean unter. Begünstigter der Versicherung war Udo Proksch, ein Werbekreativer, Besitzer der Hofzuckerbäckerei „Demel“, Waffennarr, Frauenverzehrer, Journalistenfreund, Begründer des „Club 45″ im Demel, in dem sich allerlei Prominenz traf – ein „bunter Hund“ eben. Oder ein genialer Networker, wie man heute sagen würde.

Die dunkle Seite des Udo Proksch waren ungeklärte Beziehungen zu Waffenschiebern und Technologie-„Exporteuren“ (in den damaligen Ostblock) und eben die „Lucona“. Es dauerte Jahre, bis sich aus dem Verdacht der Sprengung der „Lucona“ ein anklagereifes Substrat ergab – und die Zahl der hochgestellten Freunde hauptsächlich aus dem SP-Lager, die sich für Proksch einsetzten, war Legion. Zwischendurch floh er auf die Philippinen und unterzog sich einer Gesichtsoperation. Am Ende wurde er doch verurteilt und wanderte ins Gefängnis, wo er bei einer Herzoperation starb.

Text auszugsweise aus

Hans Rauscher | Die Bilder Österreichs
Hans Rauscher versammelt erstmals die Bilder, die jeder mit Österreich assoziiert, die der österreichischen Identität zugrunde liegen. Er zeigt die Fotos, Fernsehbilder, Plakate und Gemälde historischer Ereignisse, die sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt haben. Er führt uns in ein Museum mit den Bildikonen Österreichs und erzählt eine Geschichte der Emotionen unseres Landes.

mit freundlicher Genehmigung

Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen
www.brandstaetter-verlag.at

OTS PRESSEAUSSENDUNG 26.08.2006

Nachlass von Udo Proksch entdeckt

Wien (OTS) – Der Fotoexperte und Museumsbetreiber Peter Coeln
(WestLicht) hat den Nachlass von Udo Proksch erworben. Mit Hilfe von
Prokschs Brüdern Rüdiger und Roderich gelang es Coeln, eine Sammlung
aus Objekten, Fotografien, Filmen, Gemälden, Kunstwerken,
persönlichen Briefen, privaten Aufzeichnungen, kreativen Entwürfen
und zahllosen Notizen aus mehreren Quellen zusammenzutragen. Das
Konvolut – ein Gesamtdokument des Lebens und Werks von Proksch aus
dem Zeitraum von 1950 bis zu seiner Inhaftierung 1990 – umfasst etwa
sechzig Kisten und wird derzeit von zehn Kunststudenten mit Hilfe der
intimen Kenntnisse von Rüdiger Proksch aufgearbeitet.


BILD zu OTS – Udo Proksch mit Christoph Prutscher bei Imelda Marcos in Manila,
ca. 1974; Fotograf: privat; Fotocredit: WestLicht


BILD zu OTS – Udo Proksch mit Maler Friedensreich Hundertwasser und Architekt Hans Neuffer in Stockholm, 1960; Fotograf: privat; Fotocredit: WestLicht

Peter Coeln will mit der Aufarbeitung und Verwertung dieser
Sammlung den Blick der Öffentlichkeit vor allem auf den Designer,
Kreateur und Erfinder Udo Proksch (alias Serge Kirchhofer) lenken.
Der gelernte Landwirt Proksch avancierte nach seinem Studium an der
Hochschule für angewandte Kunst Anfang der Sechziger Jahre zum
genialen Gestalter avantgardistischer Schmuck- und Brillenmodelle
(Viennaline, Carerra, Porsche Design, Serge Kirchhofer). Später wurde
Proksch Geschäftsführer und Miteigentümer der Nobelkonditorei Demel,
wo auch der berühmt-berüchtigte Club 45 untergebracht war. Teile des
Nachlasses zeigen Prokschs mannigfaltige Geschäftsideen und Projekte
mit Faksimiles und Fotos, etwa Dokumente über den „Verein der Freunde
der Senkrecht-Bestattung“ oder Material zu seinen zahlreichen
militärischen Entwicklungen und Experimenten. Eine Vielzahl von
Briefen berichten von Prokschs intensivem politischen, privaten und
künstlerischen Beziehungsleben. Es liegen u.a. Originale der
Korrespondenz mit Karl Lütgendorf, Leopold Gratz, Bruno Kreisky,
Imelda Marcos, Friedensreich Hundertwasser, Erika Pluhar, Daphne
Wagner und vielen anderen vor.


BILD zu OTS – Udo Proksch: Entwurf einer Carrera-Brille,
ca. 1960
Fotograf: privat
Fotocredit: WestLicht


BILD zu OTS – Udo Proksch auf einem Hochhaus in NY, ca. 1960
Fotograf: Roland Pleterski
Fotocredit: WestLicht

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Entwürfe und Prototypen,
die Udo Proksch als Designer hinterlassen hat, soll in einer
Kooperation mit der Wiener Universität für angewandte Kunst/Institut
für Design umgesetzt werden. Peter Noever wird im MAK eine
Ausstellung gestalten, die Proksch als Designer zeigt. Peter Coeln
will in seinem eigenen Museum WestLicht die fotografische Sammlung
präsentieren, die viele Werke berühmter zeitgenössischer Fotografen,
wie Roland Pleterski (ein Schüler von Irving Penn) oder Elfie Semotan
beinhaltet. Zu den Ausstellungen sind ein umfassender Fotoband unter
Mitwirkung eines Historikers und eines Experten für Design geplant
sowie ein Dokumentarfilm, der Ausschnitte aus Prokschs bislang
verschollenem einzigen Spielfilmprojekt „Simplicius Simplicissimus“
zeigt.


BILD zu OTS – Udo Proksch in seinem Studio in der Walfischgasse umgeben von Werbemitteln für Serge Kirchhofer Design, 1973
Fotograf: privat; Fotocredit: WestLicht

Der einzigartige Nachlass ist vor allem Udo Proksch selbst zu
verdanken, der Zeit seines Lebens alles gesammelt hat und keine
Niederschrift, kein Foto, keinen Brief wegwarf.

Peter Coeln betont, mit dieser Aufarbeitung kein politisches
Statement abgegeben zu wollen, sondern den „Schöpfer“ Proksch in
Erinnerung zu rufen, der im Zuge der Lucona Affäre der Öffentlichkeit
weitgehend abhanden kam.

Rückfragehinweis:
WestLicht. Schauplatz für Fotografie.
A-1070 Wien, Westbahnstraße 40
Peter Coeln
Tel.: +43-1-522 66 36
coeln@westlicht.com
www.westlicht.com

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Udo Proksch
Udo Proksch (* 29. Mai 1934 in Rostock; † 27. Juni 2001 in Graz) war ein deutscher Designer, Unternehmer und Netzwerker. Als Drahtzieher des „Falls Lucona“ war er wegen sechsfachen Mordes bis zu seinem Lebensende inhaftiert.

Udo Proksch war ein Enfant terrible der österreichischen Gesellschaft, ab 1974 Besitzer der berühmten k. u. k. Hofzuckerbäckerei Demel und Gründer des Club 45, einer Seilschaft mit maßgeblichen Politikern (v. a. SPÖ), die nach dem Vorbild der italienischen P2 zur Erlangung von Machtpositionen errichtet wurde. Prokschs Eltern Rudolf und Anna Elisabeth waren – auch nach dem Zweiten Weltkrieg – überzeugte Nationalsozialisten, Udo besuchte bis 1945 die NAPOLA-Schule nahe Bischofshofen. Später sah er sich als apolitisch, dennoch erklärte er, die Bourgeoisie zu hassen, obwohl er sich quer durch die europäische Oberschicht liiert und heiratet (z. B. Daphne Wagner). Proksch studiert einige Semester auf der Akademie für Angewandte Kunst, betreibt ein Designstudio (u. a. für Brillen). Ab 1972 scheint er unter Serge Kirchhofer als Einzelprokurist bei Demel auf. Zu seinen „Ideen“ gehörte etwa der „Verein der Senkrechtbegrabenen“, der Tote in Plastikröhren einschweißen und senkrecht in die Erde stellen wollte – Ziel: Plastikindustrie ankurbeln, Platzmangel auf Friedhöfen lösen – Mitglieder u. a.: Helmut Zilk, Prokschs zweite Ehefrau Erika Pluhar und Helmut Qualtinger (ein weiterer Trinkfreund Prokschs war übrigens Oskar Werner). Eine andere „Idee“ gegen die Langeweile sah ein Sperrgebiet vor, in dem Männer mit echten Waffen und scharfer Munition Krieg „spielen“ können – quasi ein kontrolliertes „Ausleben“ des unausrottbaren Tötungstriebes im Mann. Durch seine guten Verbindungen zum Verteidigungsministerium soll es ihm sogar einmal möglich gewesen sein, mit einem Kampfflugzeug über Wien zu fliegen.

Jedenfalls führt Proksch auf dem Truppenübungsplatz Hochfilzen in Tirol wiederholt Sprengübungen unter der Aufsicht von Major Hans Edelmaier durch, hier kommt er in den Besitz von Sprengstoff aus Beständen des österreichischen Bundesheeres. 1977 charterte er den Frachter Lucona, um angeblich eine auf 212 Millionen Schilling (15,4 Millionen Euro) versicherte Uranerzmühle zu verschiffen. Die Lucona sank im Indischen Ozean nach einer Explosion, bei der sechs Menschen starben. Die Bundesländer-Versicherung zahlte die Versicherungssumme nicht aus, da sie vermutete, die Lucona habe nur Schrott geladen, dies wurde durch den Umstand erhärtet, dass bisher niemals eine Uranerzanlage in Betrieb gewesen ist. Am 15. Februar 1985 wurden Proksch und Hans Peter Daimler wegen Betrugsverdachts verhaftet, aber schon am 28. Februar wieder auf freien Fuß gesetzt.

Erst durch die Aufdeckungsarbeit des Journalisten Hans Pretterebner, dessen Buch Der Fall Lucona im Dezember 1987 erschien, und Proksch‘ anschließende Flucht Anfang 1988 begann die Aufarbeitung des Lucona-Skandals, der in Österreich als „Jahrhundertskandal“ gilt. Er führte unter anderem zum Rücktritt des Parlamentspräsidenten Leopold Gratz und des Innenministers Karl Blecha. Proksch wurde nach einer Flucht nach Asien (inkl. Gesichtsoperation in Manila) und durch halb Europa im Oktober 1989 (unter dem Namen Alfred Semrad) erneut verhaftet. Ein Tiefseetauchteam mit Roboter entdeckte schließlich das Wrack auf dem Meeresgrund, die Aufnahmen der Explosionsstelle bestätigten die Vorwürfe der Anklage.

Nach einem der längsten Prozesse der Zweiten Republik erhielt er wegen sechsfachen Mordes lebenslange Haft. Er starb in Haft aufgrund einer misslungenen Herztransplantation.

Lucona
Der Frachter Lucona wurde vom Wiener Konditoreibesitzer Udo Proksch 1977 gechartert, in Chioggia mit einer bei der Bundesländer-Versicherung in Wien für 212 Millionen Schilling versicherten angeblichen Uranerzaufbereitungsanlage beladen und mit einer mittels Zeitzünder zur Explosion gebrachten Sprengladung in der Gegend der Malediven im Indischen Ozean versenkt. Dabei kamen 6 Menschen ums Leben.

Die Bundesländer-Versicherung verweigerte allerdings die Auszahlung der Versicherungssumme, da sie den Verdacht hegte, die Lucona habe nicht die behauptete wertvolle Fracht, eine Uranerzaufbereitungsanlage, sondern vielmehr Schrott geladen gehabt, was sich letztlich als richtig erweisen sollte: Die Lucona war in Wirklichkeit von einer aus österreichischen Heeresbeständen stammenden Bombe zerrissen worden und die Ladung repräsentierte einen wahren Wert von lediglich einer Million Schilling. Der Adressat der Lieferung war ein Strohmann Prokschs. Der „Fall Lucona“ gilt als negatives Lehrstück in Sachen Wirtschaftskriminalität und versuchten Versicherungsbetruges.

Zur Klärung der Verwicklung von Politikern in den Fall, insbesondere politischer Verbindungen zur SPÖ („Club 45“), wurde 1988-1989 ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, in dessen Folge der Nationalratspräsident Leopold Gratz zurücktrat. Der Gerichtsprozess gegen Proksch endete 1992 mit einem Schuldspruch wegen sechsfachen Mordes und mit der Verurteilung zu lebenslanger Haft. Proksch starb Ende Juni 2001 nach einer Herzoperation während der Haft. Der zweite Drahtzieher im „Fall Lucona“ -Hans Peter Daimler – wurde 1997 in Kiel zu einer 14-jährigen Haftstrafe wegen Beihilfe zum sechsfachen Mord verurteilt. Hinweise auf etwaige Verstrickungen Ausländischer Geheimdienste (CIA, KGB und BND) in dieser Affäre wurden vor dem Gericht in Kiel zwar aufgebracht, jedoch nicht weiter verfolgt. Der Versuch Daimler als Bauernopfer darzustellen scheiterte.[1]

Der Fall Lucona wurde durch den Journalisten Gerald Freihofner nach umfangreichen Recherchen in zahllosen Titelgeschichten für die Wochenpresse aufgedeckt. Auf dieser Basis verarbeitete der Journalist Hans Pretterebner die Kriminalgeschichte literarisch. Sein Buch diente als Vorlage für eine Verfilmung (1993) mit David Suchet in der Rolle des dort in Rudi Waltz umbenannten Proksch.

Der Lucona-Skandal war der größte Skandal der Zweiten Republik, der 1977 bis 1992 Österreich bewegte.

Lucona-Skandal
Lucona-Skandal: 1977 wurde das Schiff „Lucona“ des Wiener Konditoreibesitzers U. Proksch im Indischen Ozean versenkt; dabei kamen 6 Menschen ums Leben. Um die Versicherungssumme der angeblichen Ladung kam es zu einem jahrelangen Prozess. Zur Klärung der politischen Verbindungen insbesonders zur SPÖ („Club 45“) wurde 1988-89 ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, in dessen Gefolge der Nationalratspräsident L. Gratz zurücktrat. Der Gerichtsprozess gegen Proksch endete 1992 mit einem Schuldspruch wegen Mordes und mit der Verurteilung zu lebenslanger Haft.

aus

aeiou – das kulturinformationssystem des bm:bwk
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DharmeshGeschichteDER NETWORKER Udo Proksch (1934-2001) Die Dominanz der SPÖ bedeutete auch - trotz des Verlusts der absoluten Mehrheit und einer Koalition mit der FPÖ ab 1983 - absolute Macht - und die korrumpiert. Etliche Großskandale bestimmten die frühen Achzigerjahre: Im Zusammenhang mit dem Bau des Allgemeinen Krankenhauses wurden Provisionskonten in Liechtenstein...