Das Sophienbad und seine Säle


Der Schwimm-Saal des Sophienbades. Lithographie v. F. Kaliwoda. Um 1850

14.Jänner 1838. Auf der Landstraße wird das von Architekt P. Gerl errichtete Sophienbad eröffnet. Der Besitzer Franz Morawetz war zur Zeit des Wiener Kongresses nach Wien gekommen und hatte zunächst in der Marxergasse ursprünglich eine Tuchschererei eingerichtet. Da das Geschäft schlecht ging, wandelte er es in ein bis dahin in Wien unbekanntes „russisches“ Dampfbad um. Nachdem eine Kammerfrau der Erzherzogin Sophie, der Mutter des Kaisers, hier eine erfolgreiche Kur machte, nahm, das Bad einen bedeutenden Aufschwung. Die Kammerfrau zeigte sich erkenntlich, und Morawetz erhielt die Erlaubnis, seine Anstalt „Sophienbad“ zu nennen. Ein neues Gebäude wird errichtet, das mit Marmorwannen und chinesischen Malereien ausgestattet ist. 1845 wird das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, mit dem inzwischen erblindeten Morawetz als Leiter. Bei dieser Gelegenheit erbaut das Architektenteam Sicardsburg-van der Nüll den Mittelsaal als Schwimmhalle, die im Winter zu einem Tanzsaal umgewandelt werden kann. Aus der 1848 fertiggestellten Anlage entwikkeln sich die stadtbekannten „Sophiensäle“, berühmt vor allem wegen ihrer Faschingsbälle.

Brand der Sofiensäle

Am 16. 8. 2001 langte um 12:58 Uhr in der Nachrichtenzentrale der Wiener Berufsfeuerwehr ein Notruf ein, dem zufolge es am Dach der Sofiensäle brennen würde. Bereits sechs Minuten später
trafen die ersten Feuerwehrkräfte an der Einsatzstelle (3., Marxergasse 17) ein, von außen konnten aber zunächst keine Anzeichen eines Dachbrandes festgestellt werden! Erst nach Ausstieg auf ein Flachdach wurde leichter Rauchaustritt bemerkt. Unverzüglich mussten zwei vorgefundene Flüssiggasflaschen mit einer Drehleiter in Sicherheit gebracht werden, um eine mögliche Explosionsgefahr zu bannen. Gleichzeitig wurde ein Rohr über das Stiegenhaus in das Dachgeschoss sowie eine Löschleitung über eine Drehleiter auf das Flachdach vorgenommen. Aufgrund zunehmender Verrauchung und wegen der Probleme beim Auffinden des eigentlichen Brandherdes wurde zunächst auf Alarmstufe 2 erhöht. Da der Brandherd im Innenangriff auf Grund der Bauweise des Objektes nicht lokalisiert werden konnte, wurden das Flachdach sowie Teile des Giebeldaches mechanisch

geöffnet und die Brandherde mit einem Rohr bekämpft. Da im weiteren Verlauf des Einsatzes die Brandintensität zunahm und die Sicherheit der eingesetzten Mannschaft nicht mehr gewährleistet werden konnte, wurden die Gruppen vom Dach zurückgezogen und die Drehleiter mit einem Wasserwerfer zum Einsatz gebracht. In weiterer Folge wurde versucht, das Flachdach an einer anderen Stelle zu öffnen. Nach dem Durchbrennen der Dachkonstruktion musste die eingesetzte Gruppe auch diesen Bereich blitzartig verlassen! Wegen der eingetretenen Einsturzgefahr wurden auch mehrere Löschfahrzeuge zurückgezogen. Dann wurden die Wasserwerfer einer weiteren Drehleiter und einer Teleskopmastbühne zur Brandbekämpfung in Stellung gebracht. Gleichzeitig wurden Innenangriffe mit mehreren Rohren unter Atemschutz durchgeführt. Eine weitere Löschbereitschaft verstärkte die Brandbekämpfung mit Wasserwerfern und im Innenangriff vorgetragenen Rohren. Diese Innenangriffe verzögerten zunächst auch erfolgreich die Brandausbreitung im Bereich des Daches und der Saaldecke. Plötzlich stürzte aber das Dach in

den Saal und setzte dort den Fußboden – eine Holzkonstruktion über einem ehemaligen Schwimmbecken – in Brand. Über die hölzerne Stirnwand der Saalbühne breitete sich das Feuer in die Unterbühne und in den Schnürboden aus. Zur
Brandbekämpfung in den angeführten Bereichen waren über die beiden Bühnenzugänge vier Rohre eingesetzt. Die Atemschutztrupps wurden abwechselnd im Innenangriff und in den Ruhephasen als Rettungstrupps eingesetzt! Das bedeutet, dass die Feuerwehrmänner nach der Brandbekämpfung ein neues Atemschutzgerät anlegten und an der Gefährdungsgrenze in Bereitstellung blieben, um bei etwaigen Unfällen die eigenen Kollegen retten zu können. Auf Grund der starken Rauchentwicklung mussten die angrenzenden Häuser der Kegel- und Seidlgasse von der Polizei kurzzeitig evakuiert werden. Die Bewohner wurden in Bussen der Wiener Verkehrsbetriebe untergebracht und vom Rettungsdienst sowie einem Psychologenteam betreut. Von einer weiteren Löschbereitschaft wurden die angrenzenden Objekte begangen und die Dachböden auf eine mögliche Brandübertragung kontrolliert. Zeitgleich wurde immer wieder versucht, Löschleitungen im Innenangriff unter Atemschutz vorzutragen und es wurde ein Hochleistungslüfter zur Brandrauchentlüftung im Eingangsbereich in Betrieb genommen. Mit dem Wasserwerfer der Teleskopmastbühne wurde versucht, die Dachhaut des verbliebenen Dachstuhls abzuheben. Erst nach dem Abheben der Eindeckung durch den Wasserstrahl bis auf die Holzverschalung zeigte sich ein Löscherfolg. Gleichzeitig wurden einzelne Brandherde im Bereich der eingestürzten Bühnenkonstruktion mit mehreren Rohren im

Innenangriff unter Atemschutz bekämpft.Die Einsatzstelle wurde schließlich um 22:00 Uhr mit vereinzelten Glutnestern an eine Löschbereitschaft übergeben. Zur Zeit (19. 8.2001 / 12:00 Uhr) befinden sich zwei Löschgruppen und eine Teleskopmastbühne an der Einsatzstelle, Nachlöscharbeiten werden auch mit Schaumrohren durchgeführt, von „Brand aus“ kann also noch keine Rede sein! Bei diesem – nicht ungefährlichen – Einsatz wurden fünf Feuerwehrmänner verletzt und mussten
ambulant behandelt werden.Um die Anforderungen an Mannschaft und Logistik zu veranschaulichen wird abschließend festgestellt, dass während des Brandes der Sofiensäle zwischen 12:58 und 22:00 Uhr 45 andere Einsätze abgewickelt wurden, wobei bei einem Brand mehrere Personen in Sicherheit gebracht werden mussten!

Linktipp:


Das Online Magazin der Wiener Berufsfeuerwehr

Firefighter Online ist ein Informationsmedium für alle am Feuerwehrwesen interessierten Personen.
ONLINE SHOP

Online seit: 1999
Typ: Information
Sprache: Deutsch
Land: Österreich
Anbieter: Ing. Alexander Markl,
Feuerwehroffizier
BF-Wien

DharmeshGeschichteDas Sophienbad und seine Säle 14.Jänner 1838. Auf der Landstraße wird das von Architekt P. Gerl errichtete Sophienbad eröffnet. Der Besitzer Franz Morawetz war zur Zeit des Wiener Kongresses nach Wien gekommen und hatte zunächst in der Marxergasse ursprünglich eine Tuchschererei eingerichtet. Da das Geschäft schlecht ging, wandelte er es...