Bombenkrieg


US Amerikanische Fliegerbombe
im Heeresgeschichtlichen Museum – © Citype

Freitag, 13. August 1943

Österreich erlebt den ersten westallierten Luftangriff des Krieges:

61 schwere Bomber der 9.USAAF greifen von ihren Stützpunkten in Nordafrika aus die Messerschmidt-Flugzeugwerke in Wiener-Neustadt an. Die Einwohner zählen 181 Tote und 850 Verletzte. Die „Wiener Neustädter Flugzeugwerke“ lieferten 1940 bereits ein Viertel der Gesamtproduktion der Me 109 Jagdflugzeuge, und in den in den Anlagen der ehemaligen Wiener Neustädter Lokomotivfabrik etablierten „Rax-Werken“ wurden nicht nur Lokomotiventender gebaut, sondern hier ist 1943 auch mit der Montage von A-4-Raketen begonnen worden. All dies führte dazu, dass Wiener Neustadt im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig durch Bomben zerstört wurde: Rund 50.000 Bomben legten die Stadt in Schutt und Asche.

John C. Schumacher’s
Story of WW II

451st Bomb Group (H)
Einsatz 13/00 am 13. 10. 1944

Es war Freitag der 13. Oktober 1944, ein Tag den ich niemals vergessen werde. Das Tagesziel war Wien in Österreich; mit einer Angriffsleistung von 6 Geschwadern mit jeweils 7 Flugzeugen, gesamt eine Gruppenleistung von 42 Flugzeugen. Wir nahmen im Geschwader den zweiten Platz ein, in der vordersten Linie. Beim Abflug strömte jedoch Benzin aus der Brennstoffzelle des linken Flügels, weil der Verschluss nicht richtig verschlossen war und deshalb brachen wir die Mission ab und landeten. Das Ersatzflugzeug war einsatzbereit und wir entluden das defekte Flugzeug und nahmen unsere Flakwesten mit. Nachdem wir an Bord gegangen waren, bemerkten wir, dass das Flugzeug mit Flakwesten ausgestattet war, aber wir behielten diese mit den Flakwesten, die wir angezogen hatten. Wir legten die zusätzlichen Westen als Sicherheit vor der Flak am Boden aus. Nachdem wir zu unserem Geschwader zurückgekehrt waren, nahmen wir im Flug, bekannt als Tailend-Charly, Platz zwei ein und wir flogen zum Einsatzgebiet. Das Flugzeug mit der Seriennummer 44-41152, Model J, wurde „Our Gal“ genannt.


Die 451st Bomb Group (H) auf ihrem Flug ins Zielgebiet nach Wien, 13. Oktober 1944

Über den meisten Teil der Strecke hatten wir eine uns versteckende Wolkendecke unter uns. Wir mussten trotzdem aufmerksam sein, ob sich feindliche Jäger näherten. Als wir uns unserer IP näherten, dem Wendepunkt zu unserem Ziel, war der Himmel klar, was den Deutschen ein klares Ziel schuf. Die Flakgeschütze bestanden aus 88 mm, 105 mm und 155 mm. Obwohl wir in verschiedenen Höhen flogen, 20000 Fuß und höher, und wir uns auf einer Höhe von 24000 befanden, wurde unser Flugzeug durch starkes Flakfeuer durchgehend durchgeschüttelt. Wir wissen nicht was mit Nummer drei unseres Geschwaders los war. Es rutschte nach hinten und beim Bombenabwurf warf Nummer drei seine Bomben auf Nummer sechs. Die Explosion unseres rechten Flügelmannes war gewaltig. Nachdem ich mich wieder vom Boden erhoben hatte, zog ich mir meinen Fallschirm an. Nachdem ich mir meinen Fallschirm angezogen hatte, bemerkte ich den Schaden, ein großes Loch an der rechten Seite des Flugzeuges, nur etwas weiter vorne, wo ich stand und die mittlere Kanone bediente. Der Motor Nummer drei war auch außer Kontrolle und lag in der Motorhaube schief, was viel Luftwiderstand verursachte. Zur selben Zeit wurden 155 mm Granaten durch das Flugzeug, ohne zu explodieren und Treibstoff drang zu uns in den hinteren Teil. Wir waren uns sicher, dass das das Ende war. Eddie-Joe setzte seine Schutzbrille auf und wartete auf ein Signal des Kapitäns, während er von Treibstoff bespritzt wurde. Als nächstes war Feuer in Maschine Nummer 1 und dann auch in Nummer 2. Nachdem das Heckteil zu schmelzen begonnen hatte und wir Lenny aus dem Gefechtsturm befreit hatten, gab Eddie-Joe uns das Signal, das Flugzeug zu verlassen.


Einsatz der 451st Bomb Group (H) am 13. Oktober 1944 über dem Zielgebiet in Wien. Bild von Capt. R. E. Smith.

Zuvor hatten wir die Ausstiegsluke schon geöffnet. Wir waren mit unseren angezogenen Fallschirmen bereit und bestimmten die Reihenfolge, in welcher wir aussteigen. Ich war der Erste; also sprang ich. Ungefähr 5000 Fuß ließ ich mich fallen und zog dann am Ring der Fallschirmleine. Der Fallschirm kam heraus und eine Schnalle der Gurte traf mich am Mund und deswegen verlor ich ein großes Stück eines Zahnes. In den wenigen Minuten die ich in der Luft verbrachte, sah ich den Rest der Crew und als ich mich dem Boden näherte, sah ich Bauern, die zur Stelle rannten, wo ich landen sollte. Nachdem ich in einem Kornfeld gelandet war, sammelte ich den Fallschirm ein, den ich in ein Kornbündel steckte, und setzte mich, damit ich mir meine Schuhe anziehen konnte. Wenn ich flog, trug ich warme Schuhe mit Fliegerstiefeln, um meine Füße warm zu halten. Aber für den Fall hatte ich ein Paar Schuhe an einem Karabiner an meinem Geschirr befestigt. Nachdem ich meine Schuhe losmachte und diese anzog, kamen die Feldarbeiter. Zuerst kamen wenige Männer zu mir, aber dann kam ein Kerl mit einer Schrotflinte mit doppeltem Lauf, die er mir vor die Nase hielt. Wir hatten Probleme mit der Verständigung und ich glaubte, das wäre es gewesen. Ich stand auf und mir wurden der Fallschirm und die Stiefel zum Tragen gegeben und so marschierten wir in Richtung eines kleinen Dorfes, während mir der doppelte Lauf der Schrotflinte in den Rücken gestoßen wurde. Es schien so, dass er sich von uns provoziert fühlte, weil wir „Terrorflieger“ waren. Am Weg traf ich den Bombenschützen für diese Mission, Vern Drower. Das uniformierte Militär brachte uns ins Dorf und ich war froh, von den Schrotflinten weggekommen zu sein.

aus John C. Schumacher’s Story of WW II

Sonntag, 21. Jänner 1945

Luftangriffe auf Wien in den Mittagsstunden.

Dienstag, 23. Jänner 1945

Amerikanische Bomberverbände führen bei trübem Wetter in den Mittagsstunden einen Angriff auf Wien durch und werfen dabei Spreng- und Brandbomben, sowie Langzeitzünder ab. Die Bevölkerung wird aufgefordert, den Absperrvorschriften unbedingt Folge zu leisten.

Donnerstag, 1. Februar 1945
Nach den Bombenabwürfen des Vortages sind viele Menschen im westlichen Stadtgebiet Wiens mit Aufräumungsarbeiten und der Suche nach Verschütteten beschäftigt. – Eltern werden aufgefordert, ihren Kindern „in diesen Wochen der rasch improvisierten Reisen und überfüllten Züge“ einen selbstgebastelten Ausweis aus Schnur und Karton um den Hals zu hängen.

Sonntag, 4. Februar 1945

Die Namensliste der mehr als 600 durch Bombenabwürfe am 15. und 21. Jänner getöteten Menschen in Wien wird veröffentlicht.

Mittwoch, 7. Februar 1945
In den Mittagsstunden wird Wien bombardiert. Es entstehen Personenverluste und Sachschaden. Getroffen werden hauptsächlich Wohnhäuser, in der Innenstadt historische Bauten und öffentliche Gebäude, unter anderem das Parlament und das Anatomische Institut.

Montag, 19. Februar 1945

Wieder ein schwerer Luftangriff auf Wien, wobei vor allem Favoriten, Meidling und Hietzing betroffen sind. Auch auf Schloss und Tiergarten Schönbrunn fallen Bomben. Alle Bahngebäude Wiens sind zerstört oder schwer beschädigt. In Hütteldorf wird ein alter Weinkeller, der als Luftschutzraum dient, von Bomben getroffen. Viele Menschen sind tot.

Dienstag, 20. Februar 1945

In den Mittagsstunden Bomben auf Wien. – Der Luftangriff hat zur Folge, dass der Großteil Wiens vom Vormittag bis in den späten Abend, Teile der Stadt Wien auch noch weitere Tage ohne Gas und Strom sind. – Erstmals tauchen einzelne Tiefflieger über der Stadt auf, die auf alles schießen, was sich bewegt. Die deutsche Fliegerabwehr ist praktisch nicht mehr vorhanden. – Die Zeitungen melden die Programme von 120 Kinos, aber wegen Bombenschäden oder Strommangel spielt keines mehr.

Mittwoch, 21. Februar 1945
Wieder ein schwerer Luftangriff, bei dem außer Favoriten und Simmering neuerlich Schönbrunn sowie der 1. und der 6. Bezirk besonders betroffen sind. U.a. werden das Rathaus und die Universität schwer, das Burgtheater und die Votivkirche geringer beschädigt. Durch die Bombardements der Alliierten und die Kämpfe in Wien wurde der gesamte Prater in schwere Mitleidenschaft gezogen.

Montag, 12. März 1945
Schwerster Luftangriff auf Wien. Neben den östlichen und südlichen Stadtteilen ist vor allem die Innenstadt betroffen. Die Staatsoper brennt aus, erheblich beschädigt werden auch Kunsthistorisches Museum, Burgtheater, Hofburg, Stephansdom und Volkstheater. Beiderseits des Donaukanals werden zahlreiche Gebäude zerstört, darunter das Hauptquartier der Gestapo in Wien, das ehemalige Hotel Metropol am Morzinplatz. Auch der Philipphof bei der Albertina wird völlig zerstört. In seinem Luftschutzkeller, der als sehr sicher galt und deshalb auch von vielen Leuten aus der Umgebung aufgesucht wurde, starben mehr als 200 Menschen. Nur einige der meist völlig verkohlten Leichen konnten geborgen werden.

Montag, 26. März 1945
Erstmals kreisen sowjetische Flugzeuge über Wien, während gleichzeitig amerikanische Verbände verschiedene Orte in Niederösterreich angreifen. Auf Wien fallen nur wenige und leichte Bomben, doch wird der längste Fliegeralarm registriert: Die Bevölkerung verbringt 5 Stunden und 20 Minuten in den Luftschutzräumen.

Insgesamt erlitt Wien im März 1945 siebzehn Luftangriffe, die Bevölkerung verbrachte insgesamt mehr als 54 Stunden in den Luftschutzkellern (offizielle Alarmdauer 54 Stunden und 31 Minuten). Bei diesen Luftangriffen starben in Wien 1547 Menschen.


Schwedenbrücke


Eumig-Werk / Buchengasse


Staatsoper


Rathaus

Bilder: Pressebildagentur Votava

Der Zweite Weltkrieg hinterließ massive Beschädigungen. Trotz der rund 1.800 Bombentreffer, die das Kanalnetz aufwies, brachen aber keine Epidemien aus. Bis 1950 sollte es dauern, bis auch die letzten Kriegsschäden im Kanalnetz der Stadt behoben waren.


Der Dachstuhl des Stephansdomes
steht in Flammen. 8. April 1945
© Pressebildagentur Votava


Stephansdom, April 1945
© Bildzusendung eines Users
aus Großbritannien

Bis 1945 bombardierte die am 1. 11. 1943 aufgestellte 14. US-Luftflotte zusammen mit dem 205. britischen Geschwader von Italien aus Österreich. Die schwersten Angriffe fanden im Februar und März 1945 statt. 1943-45 wurden von den Alliierten über Österreich 80.000 t Bomben abgeworfen und rund 30.000 Menschen getötet, 12.000 Gebäude und viele andere Bauwerke wurden zerstört.

Einsatzbilder der
461st und 376st Bomber Gruppe


461st Bomber Gruppe
Mission: 87
22. August, 1944
Ölhafen Lobau

Bild aus www.461st.org



461st Bomber Gruppe
Mission: 147
11. Dezember, 1944
Wien Matzleinsdorf

Bild aus www.461st.org





461st Bomber Gruppe
Mission: 178
19. Februar, 1945
Wien Südbahnhof

Bild aus www.461st.org



461st Bomber Gruppe
Mission: 180
21. Februar, 1945
Wien

Bild aus www.461st.org



461st Bomber Gruppe
Mission: 199
22. März, 1945
Wien Floridsdorf – Raffinerie

Bild aus www.461st.org



376st Bomber Gruppe
22. März, 1945
Wien

Bild aus www.376hbgva.com



461st Bomber Gruppe
Mission: 200
23. März, 1945
Wien Kagran – Raffinerie

Bild aus www.461st.org

Sprengbomben werden nahezu nur bei Bauarbeiten aufgefunden, da sie bis zu 5 m in das Erdreich eindringen. Für die Beurteilung, welche Maßnahmen einzuleiten sind, ist eine Ermittlung der Länge und des Durchmessers erforderlich. Diese Daten sind sofort dem Entminungsdienst zu übermitteln. Bomben müssen vor Ort durch Fachbeamte des Entminungsdienstes entschärft werden

Flammstrahlbomben und Phosphorbrandbomben werden meist bei Bauarbeiten gefunden. Bei undichten Phosphorbrandbomben beginnt der Phosphor zu reagieren, wenn Luftsauerstoff hinzutritt (Rauchentwicklung, gesundheitsschädigende Dämpfe). Hierbei muss die Bombe sofort mit Erde abgedeckt werden, um eine weitere Sauerstoffzufuhr zu unterbinden. Ist die Bombe mit Erde abgedeckt, besteht keine weitere unmittelbare Gefahr. Brennt eine Phosphorbrandbombe hell, ist sofort das Gelände zu räumen, weil eine Zerlegeladung die Bombenhülle aufreißt und die Brandmasse bis zu 50 m Entfernung verteilen kann.

Durch die Bearbeitung von 1.288 Fund- bzw. Wahrnehmungsmeldungen wurden zur Verbesserung der Sicherheitsverhältnisse in Österreich von den 16 Bediensteten des Entminungsdienstes im Jahre 1998 insgesamt 97.233 kg sprengkräftige Kriegsrelikte von Baustellen der Industrie, der öffentlichen und privaten Hand, von land- und forstwirtschaftlichen Nutzungsflächen sowie im Hochgebirge als auch aus Gewässern unter teils schwierigen Bedingungen geborgen und vernichtet. In der ausgewiesenen Gesamtmenge ist u.a. die besonders gefahrvolle Entschärfung von 87 Stück Fliegerbombenblindgängern enthalten.
Das Gesamtgewicht der seit dem Jahre 1945 geborgenen und vernichteten Kriegsmunition hat sich bis 31.12.1998 auf 25,246.740 kg, die Anzahl der Fliegerbombenblindgänger auf 20.301 Stück erhöht. Weiters wurden im Berichtsjahr minen- bzw. munitionsbelastete Geländebereiche im Ausmaß von 163.010m2 abgesucht. Seit Kriegsende bis 1999 konnten insgesamt 56,251.440m2 Gelände zur Nutzung freigegeben werden.

Fliegerbombe und Seemine
Artefakte des Entminungsdienstes anläßlich der Veranstaltung
„Wiener Sicherheitsfest am Rathausplatz“ 2009 – © Citype

Vom 1. Jänner bis 31. Dezember 2000 musste sprengkräftige Kriegsmunition im Gewicht von insgesamt 63.683 kg einzeln geborgen, untersucht und vernichtet werden.
Im Berichtsjahr waren zahlreiche schwierige Munitionsbergungen von Baustellen der Industrie, der öffentlichen und privaten Hand, von Land- und forstwirtschaftlichen Nutzungsflächen, im Hochgebirge sowie aus Gewässern durchzuführen. In der ausgewiesenen Gesamtmenge ist u. a. die besonders gefahrvolle Entschärfung und Beseitigung von 42 Bombenblindgängern verschiedener Art, Herkunft und Kaliber.

Bei der Bergung einer 250-Kilo-Fliegerbombe ist am 16. Juli 2003 im Salzburger Stadtteil Schallmoos das Kriegsrelikt explodiert. Zwei Mitarbeiter des Entminungsdienstes wurden getötet, ein Dritter erlitt schwerste Verletzungen. Seit der Einrichtung des Entminungsdienstes im Innenministerium im Jahr 1946 sind 19 Kollegen bei Explosionen von Minen und Granaten ums Leben gekommen; der letzte tödliche Unfall vor dem tragischen Unglück in Salzburg geschah im Jahr 1952.

aus Bundesministerium für Inneres Entminungsdienst
Entminungsdienst
Zentrale Wien
Rossauer Kaserne – Schlickplatz 6, 1090 Wien
Auskünfte: Montag bis Freitag (werktags) jeweils von 07.00 Uhr bis 15.00 Uhr
Tel. 01/24836 – 85 632
Fax. 01/24836 – 85 891

DharmeshGeschichteBombenkrieg Freitag, 13. August 1943 Österreich erlebt den ersten westallierten Luftangriff des Krieges: 61 schwere Bomber der 9.USAAF greifen von ihren Stützpunkten in Nordafrika aus die Messerschmidt-Flugzeugwerke in Wiener-Neustadt an. Die Einwohner zählen 181 Tote und 850 Verletzte. Die 'Wiener Neustädter Flugzeugwerke' lieferten 1940 bereits ein Viertel der Gesamtproduktion der Me 109...