2. Türkenbelagerung – Die Heere

Das Türkische Heer

Eine Eliteeinheit in der türkischen Armee bildeten die Janitscharen. Ursprünglich setzte sich diese Truppe aus gefangenen Christenknaben zusammen, die in einer sorgfältigen Schulung zu fanatischen Streitern des Islam erzogen wurden. Sie waren hochbesoldete (Sold = Bezahlung der Soldaten) Berufssoldaten, die ständig ein hartes Training über sich ergehen lassen mussten und ständig einsatzbereit waren. Als Ausrüstung verfügte ein Janitscharenkrieger über eine moderne Steinschlossflinte (meist französischer Herkunft), einen Krummsäbel, ein langes Messer, sowie über zwei Pistolen.


Zu den Stützen des Heeres zählte auch die reguläre türkische Reiterei. Sie setzte sich aus freien Bauern und kleinen bis mittleren Grundeigentümern zusammen, die vom Herrscher mit Gütern belehnt worden waren und dafür im Krieg Heerfolge leisten mussten. Sie waren keine Berufssoldaten. Ihre Ausbildung war folglich mangelhaft und auch ihre von zu Hause mitgebrachte Ausrüstung, bestehend aus Säbel, Lanze und Pistole, war in den meisten Fällen veraltet. Allerdings besaßen sie eine hohe Kampfmoral.

Schwierigkeiten bereitete den Türken das Nachschubproblem. Da nach alter Tradition ein heiliger Krieg gegen die Ungläubigen von Istanbul aus angetreten werden musste, waren bis zum eigentlichen Einsatz der Truppen enorme Anmarschwege (bis Wien 1700 km!) zurückzulegen. Bedingt durch die geringe Marschgeschwindigkeit der Truppe, die durch ihren riesigen Tross (=Versorgungstruppen u.a.) behindert wurde, konnte man den Kampfschauplatz zumeist erst im Spätsommer erreichen, so dass für die kriegerischen Operationen nur wenig Zeit zur Verfügung stand, denn mit Einbruch der kalten Jahreszeit musste der Rückzug in die Winterquartiere angetreten werden. Für die Verpflegung der Heerscharen mussten riesige Proviantmengen mitgeführt werden. Um beweglicher zu sein, wurde das Gepäck auf das Nötigste beschränkt. Die schweren Belagerungsgeschütze wurden aus diesem Grunde in Istambul zurückgelassen.


Im Frühjahr 1683 brach der Großwesir Kara Mustafa mit einer insgesamt mehr als 160.000 Mann starken Armee auf. Die Zahl der mitgeführten erfahrenen Kampftruppen betrug allerdings nur ca. 50.000 Mann, der Rest entfiel auf den Tross und mangelhaft ausgerüstete (und nicht immer kampfwillige) Hilfstruppen. Die zahlenmäßige Größe der Armada war mehr hinderlich als nützlich. Selbst auf guten Straßen kam die Armee nicht mehr als 15 Kilometer täglich voran.


Die mitgeführte türkische Artillerie war für eine Belagerung nicht nur in ihrem Kaliber zu schwach, sondern zugleich hoffnungslos veraltet. Zum Teil wurden noch händisch bearbeitete Steinkugeln verschossen, während die kaiserliche Armee bereits Explosivgeschosse kannte.

Das Kaiserliche Heer

Trotz des chronischen Geldmangels war die kaiserliche Armee durchaus modern ausgerüstet und der türkischen Streitmacht waffentechnisch und organisatorisch überlegen.
Bewaffnet war die Österreichische
Infanterie mit kurzen Stoßdegen und leichten Musketen, deren Reichweite ca. 200 Meter betrug.


Einer aus 188 Musketieren bestehenden Kompanie waren noch acht Grenadiere zugeordnet. Diese waren mit gusseisernen oder gläsernen Handgranaten ausgerüstet, die, mit Schwarzpulver gefüllt, mittels einer Lunte gezündet wurden.


Die berittenen Truppen setzten sich aus den Kürassieren und den Dragonern zusammen.
Die Kürassiere waren Angehörige der schweren Reiterei. Als Ausrüstung besaßen sie pro Mann einen kurzen Karabiner, zwei Pistolen und ein gerades Schwert. Über einem dicken, bis zu den Knien reichenden Lederkoller trugen sie einen Brust- und Rückenpanzer (Küraß). Der Kopf war durch einen mit Nasen-, Wangen- und Nackenschutz versehenen runden Helm geschützt.


Zur leichten Kavallerie zählten die Dragoner. Sie waren eigentlich berittene Infanteristen, die neben der berittenen Aufklärungstätigkeit auch für den Kampf zu Fuß oder in der Festung geschult waren. Sie besaßen keine Brustpanzerung und waren mit Kavalleriesäbel, Karabiner und zwei Pistolen ausgestattet.


Polnischer Husar der Sobieski-Truppen. Zu beachten der eigentümliche Schmuck der mitgeführten Adlerflügel, sowie die eher altertümliche Bewaffnung mit Stoßlanze, Streitkolben und Pfeil und Bogen.

DharmeshGeschichte2. Türkenbelagerung - Die Heere Das Türkische Heer Eine Eliteeinheit in der türkischen Armee bildeten die Janitscharen. Ursprünglich setzte sich diese Truppe aus gefangenen Christenknaben zusammen, die in einer sorgfältigen Schulung zu fanatischen Streitern des Islam erzogen wurden. Sie waren hochbesoldete (Sold = Bezahlung der Soldaten) Berufssoldaten, die ständig ein hartes...