Gerhard Blaboll
ZEITBESTIMMUNG

Advent – die stillste Zeit im Jahr. Diese Wortschöpfung ist selbst in ihrer ironischen Variante schon so unoriginell, dass man sie kaum noch verwenden mag. Überall hört man ein einziges Klagen gegen die Hektik und den Stress, die sich in der Vorweihnachtszeit ausbreiten, und ein Rufen nach dem eigentlichen Sinn des Festes.
Dabei könnte man selbst etwas dagegen tun, indem man sich nicht in den Strudel hineinziehen lässt, indem man alte Bräuche bewusst pflegt und Geschenke noch vor dem Dezember besorgt. Aber dann liefe man ja möglicherweise Gefahr, als stressfreier Mensch am Rande der Gesellschaft zu stehen. Und wer will das schon?

Wenn der Schnee vom Himmel fållt
und es mi am Gehsteig knållt,
weil es in der Innenstådt
rutschig is, und ziemlich glått,
wenn die Trümmerln von die Hund
zuadeckt san in aner Stund,
und i drüber går net fluach,
weil i panisch Gschenke such,

wenn, egal wohin’s an ziagt,
ma an Punsch zu kaufen kriagt,
der so ’panscht is, dass i fråg,
wer den Pansch so trinken måg,
wenn die Menschen hektisch san
und si grimmig anfåhrn tan,
kaum dass irgendwås passiert,
wås sie ärgert oder stiert,
wenn sie ålle grantig schaun
und si so ihrn Tåg versaun,
dann is es mir endlich klår:
Jetzt is d’ stillste Zeit im Jåhr!
DIE ADVENTKRANZBINDER

Adventkränze sind seit hundertfünfzig Jahren ein schöner Brauch, in dem viel Symbolik steckt: Der Kreis wird als Symbol der Ewigkeit betrachtet, das Grün als Symbol des Lebens und die Kerze als Symbol des Lichts. Jede Woche wird – gegen den Uhrzeigersinn – eine Kerze mehr angezündet, als ein Zeichen der steigenden Erwartung der Geburt Jesu, der ja von den Christen auch als das Licht der Welt bezeichnet wird. Und die vielen kleinen Verzierungen und Schleifen am Adventkranz sind ein Symbol für die unternehmerische Kreativität und die Begabungen unserer Geschenkartikelhändler und Floristen und ein Symbol für die Vorliebe meiner Frau für Kramuri. – Und so ist es ein netter Brauch geworden, den Adventkranz nicht einfach zu kaufen, sondern gemeinsam mit den Liebsten selbst anzufertigen und zu verzieren. So wie bei uns.

Des wird wieder a Theater!
Weil heut werdn beim Schwiegervater
in der Schupfen, in der runden,
unsere Adventkränz bunden.
Längst is ålles eingeleitet,
ålle samma vorbereitet:
I håb Strohkränz aufgetrieben,
die san irgndwo übrig blieben.

Waarn die nur a bisserl größer
und no runder, waar’s zwår besser,
aber dafür wårn sie gratis,
wås jå a a Prädikat is.
Onkel Edi, der wår fleißig,
bringt an Låstwågn voller Reisig,
damit könnt ma – net zum Låchen –
leicht an Kranz fürs Råthaus måchen.
Seine Frau, die Tante Mitzi,
und ihr Urgroßenkerl Fritzi
und mei Frau erregn a Gsturi:
Sie håbn schåchtelweis Kramuri!
Bockerln, Engerln, goldne Bandeln,
kitschig rote Weihnåchtsmandeln,
echte Nuss und fålsche Sterndeln,
Krampusköpf mit klane Hörndeln,
Glocken, Kugeln, bunte Herzen,
dazu jede Menge Kerzen,
trocknete Orangenscheiben –
ma kann’s går net ålls beschreiben!

Håbn s’ des Zeug am Flohmårkt gfunden?
Mit dem Klumpert brauch ma Stunden!
Wenn ma des ålls aufestecken,
spieln d’ Adventkränz glei Verstecken!
A die Nåchbarn san im Rennen,
weil s’ Adventkränz binden können.
Sie und ihre klanen Kinder
waarn perfekte Rastelbinder.
Nur die Klanste is leicht gnatschig
und a wengerl hoppadatschig.
Gott sei Dank! Weil durch die Klane
bin i wenigst net allane!
Meine liebste Schwiegermutter
bringt für d’ Kranzelbinder Futter:
Weihnåchtskeks åls Unterlåge
und danåch a Punschgelåge.
Etwås tuat zu åll den Dingen
a der Schwiegervåter bringen:
Er bringt einen leichten Schwips
und an Schippel guter Tipps.

Ganz konträr die Tante Grete.
Die bringt nämlich dünne Drähte
für des Reisigaufebinden
auf die Strohkränz – fålls ma s’ finden.
Weil durch göttliche Bestimmung
wårn die scheinbår net in Stimmung
und san irgndwo liegen blieben.
Hätt i mir’s nur aufgeschrieben!
Deswegn nehm ma Weidenasteln,
tuan aus denen Kränze basteln,
es wird g’arbeit, flott und froh,
und des klingt im Urtext so:
„Edi, geh, du sitzt scho richtig,
måch di doch a bisserl wichtig
und hau mir a Reisig uma.
Danke – net gråd mir am Brummer!“
„Florian, hör auf zum Påtzen,
weil sonst picken deine Pråtzen
von der bleden Pickpistolen.
Willst mir net an Glühwein holen?“

„Gerhard, is dir des entgangen?
Wås då liegt, des is a Zangen.
Schneid des Reisig mit die Dinger,
aber schneid di net in d’ Finger!“
„Fritzi-Burli, håst a Hungerl?
Mågst an Schlecker auf dei Zungerl?
’s Punschi is no ausgeschlossen,
des is mehr wås für die Großen.“
„Florian, des derf net wåhr sei!
Schmiert der Bua des Engelshåår ei
und pickt’s dann auf d’ Fensterscheiben!
Florian, jetzt låss des bleiben!“
„Måg no wer an Punsch zum Trinken?“
„Mitzi, deine Koffer stinken!“ –
„Druck mir net den Bledsinn eine,
des san sicherlich net meine!“
„Låssts die Keks då umawandern!
Ållweil stehn die bei die andern.
Håbts uns då herübn vergessen?
Wir wolln a davon wås essen!“

„Florian, tua weg die Grebeln.
Muass i mit dir ständig keppeln?
Bleib då unauffällig sitzen
oder geh a Pfeiferl schnitzen!“
„Au, verflixt, die Asteln stechen!“ –
„Då muass i dagegensprechen!
Då sticht nix, des is a Tanne!
Sei net haaklich, Marianne!“
„Könnt ma denn net zum Gelingen
a påår Weihnåchtsliadeln singen?“ –
„Hearst, seit wann kannst du denn Noten?
Håbn s’ dir ’s Singen net verboten?“
„Grete, håst in deine Schwingerln
vielleicht a påår Gummringerln?
Weil mit deine åltersschwåchen
Drahteln kannst kan Eindruck måchen!“
„Gerhard, spinnst? Hör auf zum fitzeln,
wås du måchst, san Reisigschnitzeln.
Die san doch net zum gebrauchen,
die kannst in der Pfeifen rauchen!“

„Wer will Punsch, wer will an Glühwein?“ –
„Danke, hearscht, du sschenkst net vü ein!
Mir sscheint fåscht, die Gllühweinbecher
håbn am Boden kkllane Llöcher!“
„Florian, du blede Pfeifen!
Kann denn wer den Buam begreifen?
Der schnitzt Pfeiferln aus die Kerzen!
Håbts an Schnåps für d’ Mågenschmerzen?“

Lösung:
Manchmål gibt’s Situationen,
då tuan si Investments lohnen.
I verlåss den wilden Haufen
und geh – an Adventkranz kaufen.

Wenn „Kinderln“ mit „Christ“ und „Mandeln“ mit „Weihnachts“ gemischt werden, kommt dieses herrliche Buch dabei heraus, welches die Weihnachtszeit in allen Facetten widerspiegelt! Zurücklehnen und lesen … dann wird’s Weihnachten!

„Ein umwerfend lustiges Vortrags- und Geschenkbuch für alle, die einmal im Leben Weihnachten erlebt haben und trotzdem noch lachen können.“
So beurteilen Karlheinz Hackl und Elfriede Ott das neueste Werk von Gerhard Blaboll, der nach den erfolgreichen Büchern „Von Kranken und Gsunden“ und „Von Sportlern und Hättiwaris“ ein neues Thema des menschlichen Alltags ins Visier genommen hat: die lieben Gewohnheiten.

Gerade zu Weihnachten gibt es ja eine Menge davon und nicht alle sind wirklich sinnvoll. Im Gegenteil, sie können zu Missverständnissen, Konflikten und Situationen führen, die mit der ursprünglichen Bedeutung des friedlichen Festes nicht mehr viel gemeinsam haben. Gerhard Blaboll hat es auf seine gewohnt elegante und selbstironische Weise geschafft, diese Situationen von ihrer humorvollen Seite her zu beleuchten und uns dadurch mit einem Augenzwinkern daran zu erinnern, dass es sich lohnen könnte, seine eigenen Gewohnheiten von Zeit zu Zeit zu überdenken. Und das nicht nur zu Weihnachten,
sondern im ganzen Leben.

Gedichte, Lieder und Illustrationen: Alle 31 Kapitel sind auf die 31 Kalendertage des Dezembers abgestimmt (4.: Thema Barbarazweigerl, 6.: Nikolo etc.). Es handelt sich also gewissermaßen um einen erweiterten Adventkalender, sozusagen ein Advent- und Weihnachtskalender oder Dezemberkalender.
Gerhard Blaboll
Gerhard Blaboll ist, was man gemeinhin als polyglotten Menschen bezeichnet. Ob in Europa, ob in Asien, Arabien, Afrika oder Amerika – kaum ein Land, in dem er in seinem Beruf als Wirtschaftsjurist und Topmanager nicht schon gearbeitet oder auch für einige Zeit gelebt hat. Je mehr er sich mit diesen Kulturen auseinandergesetzt hat, umso mehr sind ihm seine eigenen Wurzeln bewusst und wichtiger geworden:
Wien, wo er geboren wurde und wo er es liebt, zu leben; das Burgenland, woher seine Frau stammt; Niederösterreich, wo er gerne seine Wochenenden verbringt; die Steiermark, woher seine Mutter stammt. Ein wichtiger Teil dieser Wurzeln ist die lokale Umgangssprache, die in den letzten Jahrzehnten immer mehr zurückgedrängt wird und die ihre lokalen Besonderheiten zu verlieren droht. Damit soll nicht einer vulgären Strizzi- oder Fäkalsprache das Wort gesprochen werden, sondern den vielen Schattierungen, den treffenden Wortspielen und charmanten Umschreibungen, die in ihrer Summe eine sprachliche Wiedergabe des ostösterreichischen Lebensgefühls sind.
In selbstironischer und humorvoller Weise bringt Gerhard Blaboll seine Geschichten in der Form einer Neuen Wiener Lyrik zu Papier: Durch die Beachtung von Versmaßen und Versfüßen, Silbenanzahl und Rhythmus schwingen seine Gedichte beim Lesen und Vortragen in sich. Die Satzstellung wird nicht durch unnatürliche Umordnungen missbraucht, „damit es sich am Ende ausgeht“, sondern sie entspricht dem gewohnten Sprachgebrauch. Diese besondere Qualität seiner Gedichte und Lieder, die er frei nach Einstein mit 90 Prozent Transpiration und 10 Prozent Inspiration erreicht, ist der Grund, warum nicht nur viele bekannte Schauspieler oft und gerne aus seinen Werken vortragen, sondern warum auch in privaten Runden seine Gedichte garantierte Lacherfolge sind.
Wer sich darauf einlässt, kann von Herzen lachen und irgendwann, beim zweiten oder dritten Mal Lesen, erkennen, weniger aus einem Buch zu lesen, als in einen Spiegel zu schauen.
„Von Christkinderln und Weihnachtsmandeln“ von Gerhard Blaboll
erschienen im Mohl Verlag
im Handel zum Preis von € 19,90 erhältlich (ISBN 978-3-902524-04-1)

DharmeshFest- & FeiertageGerhard Blaboll ZEITBESTIMMUNG Advent – die stillste Zeit im Jahr. Diese Wortschöpfung ist selbst in ihrer ironischen Variante schon so unoriginell, dass man sie kaum noch verwenden mag. Überall hört man ein einziges Klagen gegen die Hektik und den Stress, die sich in der Vorweihnachtszeit ausbreiten, und ein...