Gründonnerstag (auch Hoher Donnerstag) ist seit dem 12. Jahrhundert die volkstümliche Bezeichnung für den Tag, an dem nach christlicher Überlieferung das letzte Abendmahl stattgefunden hat und Jesus von Nazareth den versammelten Jüngern die Feier dieses Abendmahls für künftige Zeiten zu seinem Gedächtnis aufgetragen hat. An letzteren wird seit 1500 Jahren besonders gedacht. Wegen des nahenden Todes Jesu ist er dennoch ein Trauertag, von festlichen Elementen und Riten zum Gedächtnis der Einsetzung abgesehen.


Albrecht Dürer;Das Abendmahl Christi;1523;Tuschfederzeichnung
Wien, Graphische Sammlung Albertina



Allgemeines

Der Gründonnerstag ist der Tag vor dem Karfreitag und gehört somit zu den Kartagen. Durch seine Stellung als Gedächtnis des letzten Abendmahls und Einsetzung der Abendmahlsfeier kommt ihm ein besonderer liturgischer Rang zu. Da die Kartage von ihrem grundsätzlichen Charakter eine besondere Prachtentfaltung nicht gestattet, wurde in der katholischen Kirche im Mittelalter das Fronleichnamsfest eingeführt, das somit direkt mit dem Gründonnerstag zu tun hat.

Abendmahl bedeutet: man nimmt Abschied von Jesus, doch gleichzeitig wird der Anfang des christlichen Glaubens gefeiert, denn in Form von Brot und Wein wurde Jesus selbst aufgenommen und um Vergebung der Schuld gebeten. Doch es wird auch schon auf die Auferstehung und das Weiterleben Jesu hingedeutet.
Jesus forderte seine Jünger auf, fortan das Abendmahl zu feiern. Wohl deshalb ist der Gründonnerstag Ursprung aller Abendmahlsfeiern.
Der Gründonnerstag in der römisch-katholischen Kirche
An Gründonnerstag wurden Büßer wieder in die Gemeinde aufgenommen. Dieser Brauch wird in der katholischen Kirche jedoch kaum noch ausgeübt, während er in der Orthodoxie häufiger anzutreffen ist.

Liturgisch hat der Gründonnerstag eine besondere Prägung. In Bischofskirchen findet am Vormittag die Messe zur Weihe der Heiligen Öle (das Katechumenenöl für die Taufbewerber, das Krankenöl für die Krankensalbung und der Chrisam für die Weihe-, Firm, und Taufkandidaten) durch den Ortsbischof statt. Dieser Gottesdienst wird aber immer häufiger auf einen der vorherigen Tage verlegt.

Am Abend wird in allen Kirchen die Messe vom Letzten Abendmahl gefeiert und dabei in besonderer Weise an das Geschehen im Abendmahlssaal erinnert. Nach dem Gloria dieser Messe schweigen die Glocken und in der katholische Kirche auch die Orgel (Orthodoxe Riten verwenden keine Instrumente) bis zum Gloria der Osternacht. Nach alter Überlieferung in vielen Gemeinden auch der Ritus der „Fußwaschung“ vollzogen. Der zelebrierende Priester wäscht dabei zwölf ausgewählten Personen aus der Pfarrgemeinde symbolisch den rechten Fuß. In den meisten katholischen Pfarrgemeinden wird bei dieser Messfeier den Gläubigen die Eucharistie in beiden Gestalten (Brot und Wein) gereicht.

Nach der Messe werden werden die verbliebenen konsekrierten Hostien in einer Prozession an einen Seitenaltar gebracht. Sie werden den Gläubigen am Karfreitag gereicht, da an diesem Tag keine Eucharistiefeier stattfindet. Nach der Prozession werden der Hauptaltar und alle anderen Altäre, mit Ausnahme dessen, auf dem sich nun die Hostien befinden, vollständig abgedeckt. Dies soll Trauer symbolisieren, aber auch konkret an eine Überlieferung erinnern, wonach Jesus die Kleider vom Leib gerissen wurden.

Nach der Messe findet in Anlehnung an die überlieferte Nachtwache der Jünger Jesu am Ölberg in vielen Gemeinden ebenfalls solche Wachen statt, die mancherorts durch die ganze Nacht gehen. Die Wachen finden meist direkt vor dem Altar statt, auf dem sich nun die Hostien befinden. Dies soll den Gläubigen die Möglichkeit geben, das Sakrament in Anbetung zu verehren. In der Orthodoxie findet dagegen grundsätzlich keine Verehrung des Sakraments außerhalb der Messe statt.
Der Gründonnerstag in der evangelischen Kirche
Hier wird der Gründonnerstag mit einem abendlichen Abendmahlsgottesdienst begangen. Dieser Gottesdienst wird in vielen Gemeinden besonders ausgestaltet. Ausgehend von der heutigen liturgischen Erneuerungsbewegung wird oft versucht, ihn im Rahmen der Karwoche als den 1. Tag des Sacrum Triduum besonders zu begehen.