Schloß Belvedere. Gartenfront des Unteren Belvedere.

Schloß Belvedere steht angeblich auf den Fundamenten eines römischen Standlagers, das hier aus strategischen Gründen errichtet worden war. 1693 erwarb Prinz Eugen von Savoyen Acker-und Weingartengründe zwischen dem heutigen Rennweg und dem heutigen Gürtel. Um 1700 begann Johann Lukas von Hildebrandt mit der Errichtung eines Gartenpalastes (Unteres Belvedere), dessen im französischen Stil angelegter Park mit großen Wasserbassins, einer Orangerie mit kostbaren ausländischen Pflanzen und einer Menagerie ausgestattet war. Prinz Eugen war ein großer Tierliebhaber, und manche Tiere seiner Sammlung ließen sich ausschließlich von ihm selbst füttern.

1720 faßte der Prinz den Plan, das Sommerschloß durch einen
weiteren Schloßbau auf der Anhöhe des Gartens zu ergänzen.
Die 1721 von Johann Lukas von Hildebrandt begonnenen Arbeiten
waren bereits 1724 abgeschlossen. Das Obere Belvedere diente im Gegensatz zum Unteren ausschließlich repräsentativen Zwecken
und war nie zum Wohnen gedacht.

Dem Prinzen und seinem Architekten gelang eine perfekte Symbiose zwischen Architektur und Garten. Nach dem Tod des Savoyers (1736) erbte seine Nichte Victoria von Savoyen-Soisson, verehelichte Prinzessin Hildburghausen, seinen gesamten Besitz. Von ihr erwarben die Habsburger Anfang 1752 das Belvedere. Ab 1755 verlegte Kaiserin Maria Theresia die Arcierenleibgarde und die galizische Garde in die Nebengebäude des Belvedere. Das Schloß stand im übrigen fast leer.


Schloß Belvedere. Kupferstich von Salomon Kleiner, 1731/40 (links).
Wien vom Belvedere aus. Kolorierter Kupferstich von
Carl Schütz, 1784 (rechts).

1770 war Schloß Belvedere Schauplatz glänzender Festlichkeiten:
In Schloß und Park wurde die Vermählung von Erzherzogin Maria Antonia (Marie Antoinette) mit dem Dauphin von Frankreich per procura gefeiert. Rund 2000 Personen waren geladen, mehr als 1500 Flaschen Champagner, der in Wien damals noch nicht lange heimisch war,
wurden geleert. Zur Bewirtung der Gäste gab es runde Tische, die mit Silber gedeckt waren. Allerdings mußte der Wiener Hof einen großen
Teil der Silberservice von Adeligen ausleihen, denn die Vorräte der Silberkammer reichten nicht aus. Beschlossen wurde das Fest durch
ein prachtvolles Feuerwerk.

1776 wurde die kaiserliche Gemäldegalerie aus der Stallburg ins Obere Belvedere übertragen, die Tiere der Menagerie kamen nach Schönbrunn. Kurz vor dem Wiener Kongreß stellte man 1814 im Unteren Belvedere die Ambraser Sammlung aus. Während des Krieges gegen Napoleon I. (1805-1809) mußte ein Großteil der Gemäldesammlung ausgelagert werden. Der Korse beanspruchte 400 Meisterwerke für sich, die jedoch nach seiner Niederlage bei Waterloo an die Habsburger zurückgestellt wurden. Das nach den Franzosenkriegen völlig verwahrloste Gebäude wurde erst zwischen 1850 und 1866 restauriert.


Schloßpark mit Oberem Belvedere. Photographie, um 1890.

1819 hatte Kaiser Franz II. (I.) dem Institut für Botanik der Universität Wien weitläufige Gründe zur Vergrößerung des Botanischen Gartens am Rennweg überlassen. Kaiser Franz war an Botanik sehr interessiert und gemäß einem Habsburger Hausgesetz – jeder Erzherzog muß einen bürgerlichen Beruf erlernen – zum Gärtner ausgebildet worden. In einem Nebengarten von Schloß Belvedere ließ er aus seinen Privatgeldern einen Botanischen Garten („Flora Austriaca“) anlegen, der dem Institut für Botanik zur Nutzung überlassen wurde.

Während der Choleraepidemie des Jahres 1831 diente das Belvedere ebenso wie Schloß Schönbrunn der kaiserlichen Familie als Zufluchtsort; angeblich war man dort von der schlechten Luft, der man den Ausbruch der Krankheit zuschrieb, geschützt. Beide Schlösser lagen auf dem „Land“, die Luft war hier viel besser als in der dichtbesiedelten Stadt. In Kriegszeiten wurde im Schloß ein Lazarett eingerichtet.

Als der Platz für die kaiserlichen Sammlungen zu klein wurde, dachte man daran, das Obere Belvedere durch Flügelbauten zu erweitern. Dieser Plan wurde aus ästhetischen Gründen jedoch fallengelassen. Nach der Stadterweiterung (Schleifung der Basteien und Glacis) entstanden an der neu angelegten Ringstraße die Hofmuseen; dorthin übersiedelte 1891 ein Großteil der Gemälde.


Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este beim Volks- und Kinderfest im Park von Schloß Belvedere. Photographie, 1905.

Um 1893/94 dürfte Erzherzog Franz Ferdinand das Obere Belvedere zu seinem Wohnsitz in Wien gewählt haben. Andere Quellen sprechen davon, daß es ihm von Kaiser Franz Joseph als Aufenthaltsort in Wien zugewiesen worden sei. Die Räume wurden restauriert, für Wohnzwecke adaptiert und mit neubarocken Möbeln ergänzt. Der Erbe der Estensischen Sammlungen stattete seine Residenz mit zahlreichen Kunstgegenständen aus. Er hatte das Schloß auch für die Unterbringung seiner Sammlungen ins Auge gefaßt; im Jahr 1893 lagerten zahlreiche Kisten aus Indien und Singapur im Belvedere. Schon 1894 konnte Kaiser Franz Joseph die Sammlungen besichtigen: „Gestern fuhr ich ins Belvedere, wo Franzi mir seine nun ganz und sehr schön aufgestellten Sammlungen zeigte. Dieselben sind ebenso imposant als interessant durch die unglaubliche Menge der Gegenstände und durch die Seltenheit und Schönheit derselben. Ich glaube, daß diese Ausstellung auch Dich interessieren würde“, schrieb der Monarch an seine Gemahlin, Kaiserin Elisabeth.“ Im selben Jahr zeigte Erzherzog Franz Ferdinand seine Sammlungen auch seiner zukünftigen Gemahlin, Sophie Chotek,
„wo ich Sie Ihre Müdigkeit nicht ahnend, mit besonderer Rohheit
von Kasten zu Kasten schleppte“, wie er entschuldigend aus
Budweis an die Gräfin schrieb.

Danach siedelten die Sammlungen einerseits ins Palais Modena in die Beatrixgasse, andererseits nach Konopischt um. Erst im Jahr 1898 wurde Franz Ferdinand von Kaiser Franz Joseph gestattet, das Belvedere als Wiener Residenz zu beziehen. Weitere Revitalisierungsarbeiten wurden durchgeführt und waren auch notwendig. Technische Modernisierung und Bewahrung des ursprünglichen Bauzustandes hatten Priorität – wie immer bei den Projekten Erzherzog Franz Ferdinands. Als Einrichtungsgegenstände dienten noch erhaltene Möbel aus Schloß Hof, die durch neue im alten Stil ergänzt wurden. Die Privaträume waren neben elektrischer Beleuchtung auch mit Zentralheizung ausgestattet.


Schloß Belvedere. Stiegenaufgang im Oberen Belvedere (links).
Marmorlastk „Apotheose des Prinzen Eugen“ von Balthasar Permoser im Goldkabinett des Unteren Belvedere (rechts).

Wenn seine Anwesenheit in Wien erforderlich war, konnte Franz Ferdinand hier ein normales Familienleben führen und den Zwängen des Hofzeremoniells entfliehen, in dem seine ihm in morganatischer Ehe verbundene Frau den Bosheiten der Höflinge ausgesetzt war. Wenn der Thronfolger Gäste ins Belvedere lud, konnte ihm seine Frau als Gastgeberin gegenübersitzen, während sie in der Hofburg immer nach der jüngsten unvermählten Erzherzogin gereiht wurde. Über das gemütliche Familienleben im Belvedere berichtete Fürst von Clary-Aldringen:
„Tante Sophie lud uns … zur Jause ins Belvedere ein, unerwartet
erschien plötzlich der Erzherzog – wir erstarrten förmlich in unserer
Hab-Acht-Stellung. Er begrüßte uns freundlich … [ich lernte] den Erzherzog als freundlichsten Hausherrn kennen, der mit seinen
Kindern spielte und lachte ,..“

Zwischen 1899 und 1914 war im Unteren Belvedere die
Militärkanzlei des Thronfolgers untergebracht. Weitere bekannte
Bewohner – allerdings von Nebengebäuden – waren Anton Bruckner,
der 1896 in der Kustodenwohnung starb, und Richard Strauss,
der hier von 1925 bis 1944 lebte.

Nach der Ermordung des Erzherzogs und seiner Gemahlin in Sarajevo sollte das Belvedere als Wohnsitz des neuen Thronfolgers Erzherzog Karl und seiner Familie dienen. Dieser hielt sich jedoch lieber in Schönbrunn und vor allem in der Villa Wartholz auf. Im Jahr 1917 zog Karls Bruder Erzherzog Max mit seiner Familie im Belvedere ein.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloß durch Bomben schwer beschädigt, aber nach Kriegsende sofort wieder aufgebaut. Am 15. Mai 1955 war der Marmorsaal Schauplatz der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags. Heute beherbergt das Obere Belvedere bedeutende Kunstsammlungen.

Bezeichnung f�r das Sommerschloss, das sich Prinz Eugen von Savoyen zw. Rennweg und Schweizergarten errichten lie�. Die Bezeichnung, die auf die einmalige Aussicht �ber Wien Bezug nimmt, stammt erst aus der Zeit Maria Theresias. Prinz Eugen kaufte 1697 ein Grundst�ck am Rennweg, das er bis 1721 in 4 Etappen auf das heutige Areal erweiterte. Zw. 1714 und 1716 entstand das Untere Belvedere. Es ist ein langgestreckter Erdgeschoßbau, aus einem 7achsigen Mittelrisalit, 2 Fl�gelbauten und 2 Eckpavillons gestaltet. Der 3achsige Mittelpavillon beherbergt den Marmorsaal. Das Schloss diente dem nur selten in Wien weilenden Bauherrn w�hrend der Sommermonate als Lustschloss.

Erst 1720 begannen die Bauarbeiten für das Obere B. Erste Pläne dafür gab es schon 1717. Das in seiner Ausdehnung und Formensprache im Vergleich zum Unteren B. bes. prachtvolle Obere B. diente v. a. als repräsentativer Ort für glanzvolle Empfänge und Festlichkeiten. Die Baugeschichte des B. ist durch den Verlust des Eugenianischen Bauarchivs im Detail nicht lückenlos zu erforschen. 1723 (nach Rizzi 1721/22) gilt das Obere B. als vollendet. Der Architekt J. L. v. Hildebrandt, der wiederholt für den Prinzen Eugen tätig war, hat mit dem Bau des B. sein Hauptwerk geschaffen. Es zählt in seiner vielgestaltigen architekton. wie bauplast. Gliederung zu den bedeutendsten Barockbauten des 18. Jh. Die zum Ensemble gehörige, zw. Oberem und Unterem B. liegende Gartenanlage wurde vom bayer. Garteningenieur D. Girard gestaltet und ist heute nur noch in groben Zügen original. Die Entwürfe für die Innenausstattung des Schlosses stammen von C. le Fort du Plessy.

Nach dem Tod des Prinzen ging das B. in den Besitz von Eugens Universalerbin Viktoria Herzogin von Sachsen-Hildburghausen über. Sie verkaufte das B. 1752 an Maria Theresia. Auf Geheiß von Joseph II. wurde ab 1775 die kaiserl. Gemäldegalerie hierher übertragen, die hier 1781 erstmals der Öffentlichkeit zugängl. war. Seit 1806 befand sich im Unteren B. die Ambraser Sammlung. Beide Sammlungen wurden 1890 in das Kunsthist. Museum überführt. 1894 wurde das Schloss Residenz für den Thronfolger Erzhzg. Franz Ferdinand.

Nach dem 1. Weltkrieg installierte die Republik �. im B. die �. Galerie. 1945 erlitt das B. schwere Kriegssch�den. 1950 wurde das „Goldkabinett“ im nordöstl. Eckpavillon des Oberen B. durch Brand zerstört und durch eine Kopie ersetzt. Die seit 1988 laufende Generalsanierung soll 1996 abgeschlossen sein.