Punschstandln
Punschtrinken für einen guten Zweck.


In der Gruft unter der Mariahilfer Kirche herrscht Alkoholverbot. Oben auf der Mariahilferstraße werden aber auch heuer in der Gruft-Punschhütte Glühwein und Punsch für einen guten Zweck ausgeschenkt.
Nicht an Obdachlose, sondern an all jene, die sich bei ihren vorweihnachtlichen Einkäufen mit einem heißen Getränk „für einen guten Zweck aufwärmen wollen“. Mit der Spende wird Menschen geholfen, die alles verloren haben und auf der Straße stehen.

Standort: Mariahilferstraße 51
15. November – 31. Dezember 2008, 09:00 – 21:00 Uhr

Gruft: A-1060 Wien, Barnabitengasse 14
E-Mail: gruft@caritas-wien.at

Wohltätige Todesfallen

Punschstandln: in den vergangenen zwei Dezennien entstandener Adventbrauch. In den Zentren der Städte werden auf Initiative wohltätiger bourgeoiser Vereinigungen Punsch und Glühwein, manchmal auch Imbisse, zu guten Zwecken verkauft. Scheinbare andauernde Nüchternheit beim Genuss des Heißgetränks erweise sich in der Folge oft als Kapitalrausch.

Ich weiß nicht, ob diese Zeilen meine Leser erreichen, Sie kommen, sagt mir mein Hirn, viel zu spät. Mein Hirn sagt mir das ganz langsam. Wort für Wort.

Es ist etwas dazwischengekommen, zwischen mich und die Fähigkeit des Schreibens. Ich habe gestern getrunken, oh, zu viel. Zu viel für einen Abend, zu viel für zwei, genug für viele Wochen. Vielleicht auch gar nicht zu viel, sondern bloß das Falsche. Ich wollte das nicht. Es hat sich ergeben. Ich habe diesen Bekannten getroffen. Er stand vor dem vereinbarten Café. Kein Platz, sagte er. Drinnen saßen Hunderte Menschen in Mänteln und mit Sackerln. Dasselbe im zweiten Café. Nichts anderes im dritten. Schließlich sagte mein Bekannter mitten auf der dämmrigen Fußgängerzone: „Geh, trink’ ma doch hier was.“

„Nein“, begann ich, „bitte nicht hier. Ich habe“, sagte ich, „das noch nie ausgehalten. Erstens dieses Gesöff. Zweitens die langsam in die Hemmungslosigkeit gleitenden Bürohengste und –stuten.“


Punschstandl am Rathausplatz, Wien 2005

Also bitte, sei“, sagte mein Bekannter, „jetzt bitte kein Dogmatiker.“ Wir tranken den ersten Becher, und, ich muss sagen, er ging ganz gut runter. Wir besprachen unser Thema, dann noch ein, zwei andere. Büroschluss, Hengste und Stuten, gut gelaunt, erschienen tatsächlich an unserer Seite, eigentlich eh nett, fand ich.

Ein kalter, klarer Winterabend. Vielleicht, sagte mein Bekannter, gibt es Schnee. Er bestellte zwei weitere Becher, links neben mir erzählte eine Frau im Strenesse-Mäntelchen einen banalen Witz. Ich musste lachen. Jetzt kommt das alte Problem, sagte mein Bekannter, wo geht man hier aufs Häusel? Er machte sich auf die Suche. Ich erzählte der Frau im Strenesse-Mäntelchen meinerseits einen banalen Witz. Sie und ihre Bekannten mussten lachen. Wir einigten uns auf die Bestellung einer, später einer zweiten Runde von Bechern. Mein Bekannter kam nie zurück. Er sagt zwar, er wäre zurückgekommen, ich hätte ihn aber nicht mehr erkannt. Er sagt, er habe mich den ganzen Weg von einer Statue Johannes Gutenbergs, wo ich meine Notdurft hätte verrichten wollen, bis zu meinem Haus gebracht. Er sagt das zwar, aber er muss lügen. Es geht mir nicht gut.

Eine andere Bekannte sagte mir am Telefon: Trink dieses Zeug einmal im kalten Zustand, dann tust du’s nie mehr wieder. Gar nicht gut geht es mir: Dieser Text wird vielleicht meine Leser nie erreichen. Jetzt weiß ich es wieder: Von Punschstandln im Advent sollte er handeln

DharmeshEssen & TrinkenPunschstandln Punschtrinken für einen guten Zweck. In der Gruft unter der Mariahilfer Kirche herrscht Alkoholverbot. Oben auf der Mariahilferstraße werden aber auch heuer in der Gruft-Punschhütte Glühwein und Punsch für einen guten Zweck ausgeschenkt. Nicht an Obdachlose, sondern an all jene, die sich bei ihren vorweihnachtlichen Einkäufen mit einem heißen Getränk 'für...