Semmelweis, Ignaz Philipp

* 1. Juli 1818 in Ofen (bei Buda; heute: Budapest), † 13. August 1865 in Döbling (bei Wien)
Semmelweis hatte in Pest (heute: Budapest) und Wien Medizin studiert und dort im Jahre 1844 auch promoviert. 1846 wurde er zum Assistenten der Geburtshilflichen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien ernannt. Diese bestand aus zwei Abteilungen, eine, die
den Ärzten und Medizinstudenten zugeordnet war und eine zweite, für die die Hebammen verantwortlich waren. Die schweren „Epidemien“ mit auffallend mehr Todesopfern in der ersten Abteilung führten Semmelweis zu der Annahme, dass die Ursache in der ärztlichen Untersuchung liegen musste. Durch den Tod des befreundeten Gerichtsmediziners Jakob K. Kolletschka (1803-1847), der an einer Blutvergiftung (Sepsis) starb, die er sich durch eine Wunde beim Sezieren zuzog, konnte Semmelweis im Mai 1847 zeigen, dass das Krankheitsbild der Sepsis bei diesem Kollegen identisch war mit dem Krankheitsbild des Kindbettfiebers der Mütter. Die gemeinsame Ursache waren, wie er schrieb, „die Leichenteilchen, die in das Blutgefäßsystem gelangten.“ Dies war nicht verwunderlich, denn Ärzte und Studenten kamen direkt vom Seziersaal zur Untersuchung und infizierten so ihre Patientinnen. Durch Einführung der Desinfektion durch Waschungen der Hände mit einer Lösung aus Chlorkalk als hygienische Maßnahme konnte Semmelweis in seiner Abteilung die hohe Sterblichkeit der Frauen um die Hälfte herabsenken. Man ernannte ihn zwar zum Privatdozenten, doch ansonsten wurde er in Kollegenkreisen diskreditiert. Gekränkt verließ Semmelweis 1849 Wien und kehrte in seine ungarische Heimat zurück. Im Jahr 1855 erhielt Semmelweis an der Pester Universität eine Professur für Geburtshilfe. Hier verfasste er eine umfassende Darstellung seiner Entdeckung, Untersuchungen und Ergebnisse, die er in „Offenen Briefen“ verbreitete, und die 1861 als „Die Ätiologie, der Begriff und die Prophylaxe des Kindbettfiebers“ erschienen. Nur wenige Kollegen, unter ihnen die Mediziner Ferdinand von Hebra (1816-1880) und Joseph Skoda (1805-1881), setzten sich für ihn ein und verbreiteten seine Ideen.
Jedoch erst als man das von dem schottischen Chirurgen Joseph Lister (1827-1912) im Jahre 1867 vorgeführte Besprühen des Operationsfeldes mit desinfizierendem Karbol in die Chirurgie eingeführt und damit einen steilen Abfall der Mortalität im Operationssaal erreicht hatte, erhielt Semmelweis posthume Anerkennung. Erst über Lister und die Erkenntnisse in der noch jungen Bakteriologie fand das Händewaschen vor einer geburtshilflichen Untersuchung Eingang in die alltägliche Arztpraxis. Bis dahin hatten noch unzählige Mütter durch ärztliche Ignoranz ihr Leben lassen müssen. Heute tritt das Kindbettfieber bei aseptischer Entbindung bis auf ganz wenige Fälle von Autoinfektionen nur selten auf.

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Onmeda – medicine worldwide
Das Portal wurde 1997 – damals noch unter dem Namen Medicine-Worldwide – von Medizinern der Berliner Charité-Klinik und Wissenschaftlern des Berliner Max-Planck-Instituts ins Leben gerufen.
www.onmeda.de

DharmeshGesundheitSemmelweis, Ignaz Philipp * 1. Juli 1818 in Ofen (bei Buda; heute: Budapest), † 13. August 1865 in Döbling (bei Wien) Semmelweis hatte in Pest (heute: Budapest) und Wien Medizin studiert und dort im Jahre 1844 auch promoviert. 1846 wurde er zum Assistenten der Geburtshilflichen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien...