Die Pest von 1679
Kaum hatte das Land sich aus der völligen Stagnation befreit, die der Dreißigjährige Krieg in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht bedeutet hatte, erlebte Wien eine furchtbare Heimsuchung. Im Frühjahr 1679 traten in der Leopoldstadt die ersten Erkrankungen an Beulenpest auf, und nach kurzer Zeit griff die Seuche auf die anderen Vorstädte über.


Spital mit Pestkranken. Zeitgenössischer Stich 1679

Der in Wien wirkende Doktor Paul de Sorbait, der als „Pestarzt“ bekannt wurde, hatte schon ein Jahr zuvor, als in Ungarn die Beulenpest festgestellt wurde, die Durchsetzung prophylaktischer Hygienemaßnahmen gefordert. Aber wie immer verhallten diese Warnrufe ungehört, und die durch Ratten und Flöhe übertragene Pest brach bald voll aus. Abraham a Sancta Clara verfasste als Augenzeuge eine aufrüttelnde Darstellung „Mercks Wienn“, in der er die Pest als Heimsuchung Gottes anprangerte und das Volk zu Gebeten und Bußübungen aufrief. Mit dem Einbruch der warmen Jahreszeit verbreitete sich die Krankheit immer mehr, und die Stadt begann sich zu entvölkern; teils, weil viele Leute die Flucht ergriffen und damit alle Quarantänemaßnahmen zunichte machten, teils auch, weil ganze Häuser und Gassen durch die Todesfälle verödet dalagen. Handel und Geschäftsleben brachen völlig zusammen; die meisten Menschen waren vor Furcht wie gelähmt. Große Verdienste bei der Bekämpfung der Krankheit erwarb sich Johann Andreas von Liebenberg, zur Zeit der Türkenbelagerung von 1683 Bürgermeister der Stadt. Unter qualvollen Umständen verstarben die Menschen in den Vorstädten wie auch in der Innenstadt, deren Bewohner zuerst gemeint hatten, von dem Wütenverschont zu bleiben. Mindestens ein Drittel der Bevölkerung der Stadt fiel der Seuche zum Opfer. Als die Pest endlich verlosch, hielten die Verschont gebliebenen im Sommer 1680 auf dem festlich geschmückten Graben eine Dankfeier ab, wobei Abraham a Sancta Clara eine große Predigt hielt. Die hölzerne Pestsäule auf dem Graben, die ihr Entstehen einem Gelübde Kaiser Leopolds I. verdankte, diente ihm dabei als Kanzel. 1687 legte der Kaiser den Grundstein zur Erbauung der jetzigen steinernen Dreifaltigkeitssäule, die nach Entwürfen von Matthias Rauchmiller ausgeführt wurde und an der Johann Bernhard Fischer von Erlach und Paul Strudl sowie Ignaz Bändl mitarbeiteten. Ein weiteres Pestgelübde, allerdings aus späterer Zeit, nämlich dem Jahre 1713, wurde von Kaiser Karl VI. eingelöst: die Errichtung der Karlskirche, die dem Pestheiligen Karl Borromäus geweiht und 1716 – 1739 von den Architekten Fischer von Erlach, Vater und Sohn, errichtet wurde.

Die Pestepidemie


Das Pestlazarett am Alsergrund, das zur Isolierung und Behandlung der Kranken diente
(Votivbild eines unbekannten Künstlers)

Die Pest ist eine bakterielle Infektionskrankheit von Nagetieren, die meist durch Flohstiche z.B. von der Ratte auf den Menschen übertragen wird. Bei der Lungenpest erfolgt die Ansteckung durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Bei der (Beulen-)Pest kommt es zwei bis sieben Tage nach dem Flohbiss zu hohem Fieber mit Schüttelfrost. Es bilden sich sog. Bubonen (große, weiche Lymphknoten, meist in der Leiste). Dazu kommen Kopf- und Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfälle, Hautblutungen und Absterben von Hautgewebe. Unbehandelt kommt es in der Hälfte der Fälle innerhalb von 2 bis 10 Tagen zu allgemeiner Sepsis und Tod. Wegen der dunkel schwarzblauen Hautverfärbung sprach man früher auch vom „Schwarzen Tod“. Die Lungenpest ist eine stürmisch verlaufende Lungenentzündung mit Fieber, Atemnot und Husten im Verlauf der Beulenpest oder nach der Tröpfcheninfektion. Unbehandelt ist diese Krankheit immer tödlich. 1679 breitete sich in Österreich eine Pestepidemie aus, die bereits Ende Jänner in Wien 410 Opfer forderte. Bedingt durch die große Bevölkerungsdichte der Stadt gab es in Wien auch in Folge die meisten Pesttoten, bis November insgesamt 49.486.

Pestsäule am Graben
Die Pest- oder Dreifaltigkeitssäule wurde 1679 von Kaiser Leopold I. der Heiligen Dreifaltigkeit, Schützerin gegen die Pest und den neun Chören der Engel gelobt, und im selben Jahr als hölzerne Säule errichtet. 1687 legte Kaiser Leopold I. den Grundstein für eine neue Säule. Aus Marmor sollte sie sein, gefertigt nach Entwürfen von Matthias Rauchmüller, der den Auftrag für eine Mamorsäule bereits 1682 erhalten hatte.


Pestsäule am Graben, Wien

Nach dem jähen Tod Rauchmüllers, im Jahr 1686, übernahm Johann Bernhard Fischer von Erlach gemeinsam mit dem Hofarchitekten Ludowico Purnacini das Projekt. Am Dreifaltigkeitstag des Jahres 1693 war die Säule vollendet und wurde geweiht. Über dem Sockel erhebt sich aus den Wolken eine dreiseitige Pyramide. Auf deren Spitze schwebt als Krönung die Hl. Dreifaltigkeit. Das ikonographische Programm stammt aus der Hand des Jesuitenpaters Franciscus Menegatti, dem Beichtvater Kaiser Leopold I. Die untere Reihe der Reliefs zeigt die Schöpfung, die Pest, das Passahfest, das Letzte Abendmahl, die Sintflut und das Pfingstwunder. In der darüber liegenden Zone sehen sie die Himmelskugel mit Tierkreis und Gestirnen, die Erdkugel mit vier Winden, das Lamm Gottes mit Osterfahne, ein Cherubim mit Kelch, die Hand Gottes mit Gesetzestafeln und ein geflügeltes flammendes Herz. Drei Engel halten Schriftrollen deren Texte Gott preisen. Darunter befinden sich die Wappen Österreichs, Ungarns und Böhmens. Über der Sockelzone können Sie die zentrale Statue des in das Gebet versunkenen Kaiser Leopold I. erkennen. Unter ihm ist der Sieg des Glaubens über die Pest dramatisch dargestellt, eine Arbeit des Bildhauers Peter Strudel.

DharmeshGesundheitDie Pest von 1679 Kaum hatte das Land sich aus der völligen Stagnation befreit, die der Dreißigjährige Krieg in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht bedeutet hatte, erlebte Wien eine furchtbare Heimsuchung. Im Frühjahr 1679 traten in der Leopoldstadt die ersten Erkrankungen an Beulenpest auf, und nach kurzer Zeit griff die Seuche...