Kaiserin Elisabeth auf Korfu

1860 litt Elisabeth unter starkem Husten. Den offiziellen Vorwand für die erneute Reise der Kaiserin, die Diagnose einer Lungenkrankheit und die Empfehlung einer Kur auf Madeira, nutzte sie zum Ausbruch aus dem Hofleben und zur ersten ihrer Auslandsreisen, die sie allein unternahm. Kaum in Wien zurück erlitt sie einen schweren Rückfall. Die Ärzte vermuteten „Lungenschwindsucht“. Dieses Mal fuhr die Kaiserin nach Korfu im Ionischen Meer. Die Insel gefiel ihr sehr, und später, zwischen 1889 und 1891, ließ sie dort ihr griechisches Schloss im pompejischen Stil erbauen, das Achilleion.

Die „Flucht“ vor dem Wiener Hof 1860/61 war der Anfang einer Odyssee, die sie bis zu ihrem Tod fortführen sollte. Neben Europa bereiste sie Kleinasien und Nordafrika, ab 1867 besonders häufig Ungarn, ihre Lieblingsinsel Korfu und Großbritannien. Sie reiste auch in die Türkei, um dort die von Schliemann entdeckten Reste des antiken Troja zu sehen.

Als Elisabeth nach fast zweijähriger Abwesenheit an den Wiener Hof zurückkehrte, war sie von einer als schüchtern und blass geltenden jungen Frau zu einer selbstbewussteren Monarchin geworden, die ihre Anmut durch Haltung in Szene setzte und Forderungen stellte. Auf einer Reise im Jahr 1888, die sie nach Griechenland und Kleinasien führt, lässt sich Elisabeth einen Anker auf die schulter tätowieren. Franz Joseph ist entsetzt.

In Abwesenheit des Kaisers setzte Kaiserin Elisabeth ihr gewohntes Leben fort: Stundenlange Gewaltmärsche in den abgelegensten Gegenden und tagelange Schifffahrten auf ihrer Jacht quer durch das Mittelmeer – selbst bei stürmischem Wetter. Dabei leisteten ihr vor allem ihre Hofdamen und griechischen Vorleser Gesellschaft, die sie mit Werken antiker Schriftsteller sowie französisch- und englischsprachiger Literatur unterhielten.

Elisabeth nahm das Studium des Alt- und Neugriechischen sehr ernst und sprach Zeitgenossen zufolge besser Griechisch als alle deutschen Königinnen von Griechenland. Sie übersetzte unter anderem Theaterstücke wie jene von Shakespeare ins Neugriechische. Griechenland wurde laut Aussagen ihres Vorlesers Constantin Christomanos zur „Heimat ihrer Seele“.

Bilder: Achilleion – Ing. P. Gruber, Citype

Das Achilleion

Das Achilleion ist ein Palast auf Korfu bei Gastouri, etwa 7 km südlich der Inselhauptstadt Korfu, den die österreichische Kaiserin Elisabeth (Sisi) in den Jahren 1890–1892 erbauen ließ.

Es wurde auf dem Grundstück des bekannten Korfioten Petros Brailas-Armenis (eines Freundes Sisis) nach seinem Tod errichtet. Benannt wurde es nach Achilles, den Sisi wegen seiner Kraft bewunderte. Im Schlosspark ließ sie die 1884 von Ernst Herter geschaffene Marmorskulptur „Sterbender Achill“ aufstellen. Die Einrichtung sowie der pompejische Baustil thematisieren die griechische Mythologie; Architekt war der Italiener Raffaele Carito.

Im Obergeschoss des Treppenhauses, von der Terrasse aus durch ein Fenster sichtbar, befindet sich ein großes Fresko des österreichischen Malers Franz Matsch aus dem Jahr 1892, das den siegreichen Achilles zeigt, wie er auf einem Streitwagen stehend, den besiegten Hektor vor den Toren von Troja schleift.

Bis zu ihrem Tod im Jahr 1898 besuchte Sisi das Achilleion immer wieder. Ihre beiden Kinder Gisela und Marie-Valerie waren nur einmal dort, ihr Gatte Kaiser Franz Joseph hat es nie besucht. Kaiser Wilhelm II., der schon immer Interesse an diesem Objekt bekundet hatte, und 1905 die griechische Königsfamilie auf Mon Repos (deren Sommerresidenz auf Korfu) besuchte, kaufte es schließlich im Jahr 1907 von den Erben. Er funktionierte den früher vorwiegend privat genutzten Palast in ein diplomatisches Zentrum um. Große Teile der Einrichtung Sisis wurde durch Einrichtungsgegenstände aus Berlin ersetzt.

Er beauftragte den Potsdamer Bildhauer Johannes Götz damit, einen riesenhaften zweiten männlich-heroischen und vor allem „siegreichen Achilles“ mit Schild und Speer zu schaffen und ihn gegen Sisis „sterbenden Achilles“ zu setzen. Er ließ den „sterbenden Achilles“ von seinem Hauptplatz im Garten einige Meter nach hinten versetzen und platzierte dafür den siegreichen Achill an dessen angestammten Platz.

Helm und Speerspitze waren mit Gold überzogen und bei klarem Wetter bis zum Hauptort Kerkyra sichtbar. Mittlerweile ist das aufgetragene Gold verwittert und nicht mehr erkennbar. Beide Statuen sind bis heute im Garten des Achilleion zu bewundern. Eine von Elisabeth aufgestellte Skulptur des Dichters Heinrich Heine, 1873 geschaffen vom dänischen Bildhauer Louis Hasselriis, ließ der Kaiser entfernen und ersetzte sie durch eine Skulptur von Elisabeth.

Der Garten des Schlosses erstreckt sich den Hügel hinunter bis an die Küstenstraße zwischen Korfu-Stadt und Moraitika. Früher wurde das Gartengelände mit einer Brücke mit dem Strand und der eigenen Anlegestelle für das Achilleion verbunden. Als die Insel im Zweiten Weltkrieg ab 1943 von der deutschen Wehrmacht besetzt war, wurde die Brücke zerstört, um großen Fahrzeugen Platz zu machen. Die Reste der „Kaiser’s Bridge“ und die ehemalige Anlegestelle der königlichen Schiffe sind noch heute an der Küstenstraße etwa 5 km südlich von Korfu-Stadt zu besichtigen.

Bilder: Achilleion – Ing. P. Gruber, Citype

DharmeshUrlaubKaiserin Elisabeth auf Korfu 1860 litt Elisabeth unter starkem Husten. Den offiziellen Vorwand für die erneute Reise der Kaiserin, die Diagnose einer Lungenkrankheit und die Empfehlung einer Kur auf Madeira, nutzte sie zum Ausbruch aus dem Hofleben und zur ersten ihrer Auslandsreisen, die sie allein unternahm. Kaum in Wien zurück...