Mariahilf

6. Bezirk
Fläche: 1,48 km²
Einwohner: 30.298 (1991)
27.867 (2001)
29.310 (2005)

Allgemeine Informationen


Barnabitengasse – im Hintergrund die Mariahilfer Straße, 1904/05
Bild aus „August Stauda – Ein Dokumentarist des alten Wien“
erschienen im Verlag Christian Brandstätter – zur Buchbeschreibung

Mariahilf am Steilhang gegen den Wienfluss gelegen (urspr. Weingärten und Lehmgruben); der untere Teil des Flusses wurde ab 1895 überwölbt und trägt den Naschmarkt (Grenze zum 5. Bez.). Von der Mariahilfer Straße, die die Grenze zum 7. Bez. Neubau bildet, führen Stiegenanlagen zum Steilabfall gegen den Wienfluss hinunter. Den Namen erhielt die 1660 um den Barnabitenfriedhof entstandene Ortschaft M. von einem Gnadenbild gleichen Namens (1660, eine Kopie des Passauer Gnadenbilds von L. Cranach d. Ä.), das sich heute in der Kirche M. befindet. 1862 wurden mit M. die ehem. Vorstädte Laimgrube, Windmühl- und Magdalenengrund („Ratzenstadl“) und Gumpendorf (urk. 12. Jh.) vereinigt; später ging der Name auf den gesamten Bez. über. Durch die Lage an der Straße nach Schönbrunn und an der ehem. Poststraße nach Linz entwickelte sich M. rasch. Es wurde ein typ. kleinbürgerl. Bez., Sitz vieler Handwerker und Gewerbetreibender, v. a. für Modeartikel, weiters für Stahlmöbel, Gitter, Vorhänge, Spitzen, Strickwaren, Textilien und Schuhe. Die Bedeutung der Mariahilfer Straße wurde durch die Errichtung des Westbahnhofs 1857 und durch die Einbindung in das Straßenbahnnetz 1869 noch verstärkt. Gegen Ende des 19. Jh. war sie mit der Errichtung zahlr. Warenhäuser (Gerngroß, Herzmansky u. a.) die bedeutendste Geschäftsstraße der Vorstädte und ist heute eine der Hauptgeschäftsstraßen Wiens mit großen Kaufhäusern. Die gründerzeitl., secessionist. und modernen Häuser (Generali-Center, Herzmansky, C & A) prägen das Straßenbild. 1993 wurde die U-Bahn-Linie U3 bis zum Westbahnhof fertiggestellt und die Mariahilfer Straße neu gestaltet.


Der „Ratzenstadl“ am Magdalenengrund

Text auszugsweise aus

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Magistratisches Bezirksamt:
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Berühmte Bewohner
Die berühmtesten Bewohner von Mariahilf aus der Musikwelt waren Joseph Haydn (1732-1809) und Ludwig van Beethoven (1770-1827). Zwischen Mariahilfer Straße und Gumpendorfer Straße liegt die Haydngasse mit dem Haus Josef Haydns. Er erwarb das Haus 1793, ließ es umbauen und bewohnte es von 1796/97 bis zu seinem Tod. Dort schrieb er seine großen Oratorien. Heute beherbergt das Haus ein dem Komponisten gewidmetes Museum, während das Haydn-Denkmal vor der Mariahilfer Kirche steht. Mariahilf hat auch ein Beethovenhaus: Der Komponist bewohnte 1822/23 im Haus Laimgrubengasse 22 eine Hofwohnung. Er schrieb dort an der Missa solemnis und der 9. Symphonie. Vorher hatte Beethoven länger im Theater an der Wien gewohnt, wo, wie erwähnt, seine Oper „Fidelio“ entstand. Die leichtere Muse ist durch Karl Millöcker (1842-1899) vertreten, der 1842 im Haus Gumpendorfer Straße 17 geboren wurde und später in der Magdelenastraße wohnte.

Franz Lehár
(1870 – 1948)

Franz Lehár (1870-1948) besaß ein Haus in der Theobaldgasse. Unter den Schriftstellern ist Ferdinand Raimund (1790-1836) zu nennen, der in dem Haus „Zum goldenen Hirschen“, Mariahilfer Straße 45, einem Durchhaus mit vier Innenhöfen, geboren wurde. Ferdinand von Saar (1833-1906), geboren in der Laimgrube, wohnte Getreidemarkt 3; der sozialkritische Schriftsteller Ludwig Anzengruber (1839-1889) in der Hofmühlgasse 2 und in der Amerlingstraße2.

Die berühmteste Tänzerin des Biedermeier, Fanny Elßler (1810-1884), wurde als Tochter des Notenkopisten Josef Haydns im Haus Hofmühlgasse 17 geboren (die Gedenktafel wurde irrtümlicher Weise am Nebenhaus angebracht).

Aber auch Erinnerungen an technische Errungenschaften findet man in Mariahilf. Im Hinterhaus von Mariahilfer Straße 107 wurde 1864 der erste „pferdelos fahrende Wagen“ von dem aus Deutschland eingewanderten Mechaniker Siegfried Marcus (1831-1891) konstruiert. Seine Marmorbüste im Resselpark wurde 1938 von den Nazis wegen der jüdischen Herkunft des Erfinders abmontiert und erst 1948 wieder aufgestellt. Eine Portraitbüste am Haus der Mechanikerhandwerke, Gumpendorfer Straße 130, erinnert an den genialen Inhaber von 38 österreichischen Patenten. An dem Gebäude sind außerdem Portraitreliefs von Peter Mitterhofer (1822-1893, Erfinder der Schreibmaschine), von Josef Madersperger (1768-1850, Erfinder der Nähmaschine) und von Josef Ressel (1793-1857, Erfinder der Schiffsschraube) zu sehen.

Aus der Politik ist Viktor Adler (1852-1918) zu nennen: der unermüdliche Kämpfer für die Rechte der Arbeiter und Einiger der österreichischen Sozialdemokratie wohnte von 1905 bis zu seinem Tod im Haus Gumpendorfer Straße 54.

Textauszug aus
Diem, Peter – Göbl Michael – Saibel, Eva
Die Wiener Bezirke
Ihre Geschichte, ihre Persönlichkeiten, ihre Wappen

Deuticke Verlag
ISBN: 3852234638

Auszugsweise Veröffentlichung
mit freundlicher Genehmigung
des Deuticke Verlages

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