Der Mexikoplatz und die Gedächtniskirche


Bild: Die Kirche zum hl. Franz von Assisi
(auch Gedächtniskirche genannt) am Mexikoplatz.

Der geheimnisvolle Mexikoplatz
Es gibt eine Möglichkeit, die Sehenswürdigkeiten Wiens zu betrachten, ohne die belebte Ringstraße zu frequentieren: Man unternimmt eine Rundfahrt per Schiff den Donaukanal hinunter und die Donau hinauf. So sieht man vielleicht weniger pompöse Bauten, doch dafür ein paar ungewöhnliche Plätze, die die meisten Touristen nicht kennen. Darunter sind die Schleusen in der Freudenau und in Nußdorf, die UNO-City und der Donauturm, das Danube Hilton, für das ein alter Getreidespeicher adaptiert wurde, den Millennium Tower (der viertgrößte Bürokomplex Europas), Friedensreich Hundertwasser buntes Fernheizwerk Spittelau und die gigantische Rossauer Kaserne.

Zu sehen sind auch die auffälligen, mit roten Ziegeln gedeckten Türme der Kirche zum heiligen Franz von Assisi. Das auch als Gedächtniskirche bekannte Bauwerk dominiert den Mexikoplatz und wurde zur Feier des Goldenen Thronjubiläums von Kaiser Franz Joseph I. (1848 – 1916) 1898 geweiht. Der Entwurf der vom Architekten Victor Luntz stammt und aus einem Wettbewerb als Sieger hervorging, ist im rheinisch-romanischen Stil gehalten. Im Jahr der Einweihung wurde die Gemahlin des Kaisers, Elisabeth (Sisi, 1837-1898), vom italienischen Anarchisten Luigi Luccheni ermordet, während sie am Genfersee ein Schiff besteigen wollte. Im linken Seitenschiff der Kirche erinnert an sie die Elisabeth-Kapelle, die auf der Capella Palatina im Aachener Dom basiert; Goldmosaiken geben ihr ein byzantinisches Gepräge.

Vom Mexikoplatz weg führt die berühmte Reichsbrücke in den 22. Bezirk (Donaustadt). Über diese Brücke flohen im April 1945 die Deutschen von den anrückenden sowjetischen Truppen auf das Westufer der Donau; einige Jahre hieß sie denn auch Brücke der Roten Armee. Die erbitterten Kämpfe zwischen deutschen Soldaten bis in die Innere Stadt sind der Grund dafür, dass es in der Leopoldstadt und besonders am Ufer des Donaukanals relativ wenige Gebäude aus älterer Zeit gibt; sie fielen alle dem Artilleriegeschütz zum Opfer. (In der Leopoldstadt wurden in wenigen Tagen 1178 Gebäude zerstört, zweimal so viele, wie vorher durch Bombenangriffe in Schutt und Asche fielen).

Am 1. August 1976 brach die Brücke völlig unerwartet zusammen, wobei ein Mann ums Leben kam; sie wurde in der Folge neu errichtet. Die Sache ist umso seltsamer, als die Reichsbrücke die einzige Donaubrücke war, die den Krieg überstanden hatte. Offenbar hatten unsichtbare Schäden unterhalb der Wasserlinie den Einsturz verursacht. Von der im Krieg zerstörten Floridsdorfer Brücke stromaufwärts sind noch zwei originale Stützpfeiler vorhanden, die ebenso wie der westliche Brückenpfeiler im Wasser zu sehen sind.

Interessant ist auch, wie der Mexikoplatz zu seinem Namen kam. Manche sind der Ansicht, er sei zur Erinnerung an Maximilian so benannt, den Bruder Kaiser Franz Josephs I., der 1876 von republikanischen Revolutionären in Mexiko exekutiert wurde, nachdem sein Versuch, dort eine Kaiserreich zu etablieren, gescheitert war. Die Inschrift auf einem Stein am Mexikoplatz allerdings weist auf die wenig bekannt Tatsache hin, dass im Jahr 1938 außer der Sowjetunion nur Mexiko vor dem Völkerbund gegen den „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland protestierte.

Für Reisende und Zuwanderer aus dem ehemaligen Ostblock war der Mexikoplatz jedenfalls über Jahre ein Treffpunkt, und noch heute wirkt er wie ein quirliger östlicher Basar, mit seinen Geschäften voller billiger Uhren, Wodka und Textilien. Passagieren von den großen Donauschiffen, die hier in der Nähe anlegen, bereichern noch diese lebensvolle Völkermixtur.

auszugsweise aus
Duncan J. D. Smith; Nur in Wien
Ein Reiseführer zu sonderbaren Orten, geheimen Plätzen und versteckten Sehenswürdigkeiten
Aus dem Englischen von Brigitte Hilzensauer
Fotografien von Duncan J. D. Smith

„Die Straßen Wiens sind mit Kultur gepflastert, die Straßen anderer Städte mit Asphalt.“ Karl Kraus (1874-1936)
Wien ist sicherlich eine der großartigsten und zugleich homogensten Hauptstädte in Europa. Und es ist eine der faszinierendsten. Die Überfülle an Reiseführern, die es zu kaufen gibt, präsentiert dem nicht allzu anspruchsvollen Besucher eine märchenhafte (und leicht zugängliche) Fülle an Museen, Kirchen, Palais und kulinarischen Lokalitäten, und sie erzählen von der Geschichte der Stadt seit den Zeiten der Römer über jene des Habsburgerreiches bis zur Gegenwart.

mit freundlicher Genehmigung

Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen
www.brandstaetter-verlag.at

Mexikoplatz
Dort, wo die Lassallestraße an die Donau stößt, liegt der weitläufige Mexikoplatz, überragt von der eigenwilligen Franz-von-Assisi-Kirche (auch: Jubiläumskirche), die anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Franz Josephs (1898) errichtet wurde. Nach der Ermordung der Kaiserin im selben Jahr wurde im linken Querschiff die Kaiserin-Elisabeth-Gedächtniskapelle eingefügt.

Vom Mexikoplatz spannt sich die Reichsbrücke über die Donau in den 22. Bezirk. Hier flohen im April 1945 die deutschen Truppen auf ihrem Rückzug ans linke Donauufer (ihr Nachkriegsname: Brücke der Roten Armee). Im August 1976 stürzte die Brücke, die einst als einzige alle Kämpfe heil überstanden hatte, plötzlich ein und mußte neu erbaut werden. Aber warum Mexikoplatz? Wollte man an Maximilian, den 1867 in Mexiko erschossenen Bruder Franz Josephs, erinnern? Oder Dank an Mexiko ausdrücken, das sich als einziges Land geweigert hat, den Anschluß Österreichs an Deutschland 1938 diplomatisch anzuerkennen, wie eine Gedenktafel am Platz verrät? Wie auch immer, das Leben in „Mexiko“, wie die Gegend um den Platz volkstümlich heißt, hat weniger mit dem fernen Westen als mit dem nahen Osten zu tun. Vor der Öffnung der Grenzen Osteuropas Endstation Sehnsucht für Billigtouristen aus Polen, sowjetische Schiffer und allerlei Gestrandete aus Bulgarien oder Rumänien, haben Polizeirazzien gegen Schmuggler und die politischen Umwälzungen den legendären Basarcharakter dieses Viertels verändert. Aber man ahnt ihn noch: Die unzähligen kleinen Läden bieten noch immer in grellem Durcheinander und unglaublichen Modellen preiswerte Uhren, Taschenrechner, Textilien, Kaugummi, Campingbetten und Wodka an, noch immer tragen die Läden slawische oder ostjüdische Namen und kreuzen sich im Sprachengemisch die Schicksale, Sehnsüchte und Hoffnungen der Zugewanderten – ganz so, wie es in diesem Bezirk der Immigranten und Heimatlosen seit jeher war.

auszugsweise aus

Käthe Springer; Wien City Guide
Top Tips
Top Secrets
Top Infos
Photographien von Manfred Horvath
Verlag Christian Brandstätter – Wien

mit freundlicher Genehmigung

Christian Brandstätter Verlagsgesellschaft m.b.H.
Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen
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Franz-von-Assisi-Kirche am Mexikoplatz

Die Kirche zum heiligen Franz von Assisi (auch: Kaiserjubiläumskirche oder Mexikokirche) ist eine von 1898 bis 1910 erbaute und 1913 geweihte römisch-katholische Pfarrkirche am Mexikoplatz im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt.

Der Platz hieß zur Bauzeit Erzherzog-Karl-Platz, die benachbarte zweispurige, von der Straßenbahn mitbenützte Donaubrücke Kronprinz-Rudolph-Brücke, das frei in einer Grünanlage stehende Gotteshaus Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumskirche, weil der Bau aus Anlass des 1898 gefeierten 50-Jahre-Jubiläums der Regierung Kaiser Franz Josephs I. erfolgte. Die Kirche ist heute umrahmt vom Mexikopark.

Der Kirchenbau entstand nach einem Wettbewerbsentwurf des Architekten Victor Luntz im rheinisch-romanischen Stil. Der vierjochige, basilikaartige Backsteinbau wurde, da die Kirche auch – was später unterblieb – als Garnisonskirche dienen sollte, groß und massig angelegt, die drei massiven Türme sind mit roten Dachziegeln gedeckt und weithin sichtbar.

Da 1898, im Jahr des Baubeginns, der italienische Anarchist Luigi Lucheni die Gattin von Kaiser Franz Joseph I. in Genf ermordet hatte, wurde im linken Seitenschiff der Kirche die mit Goldmosaiken geschmückte Elisabeth-Kapelle eingerichtet, die an das Attentat erinnert. Ihr Entwurf ist der Capella Palatina (Pfalzkapelle) im Aachener Dom nachempfunden. Aus diesem Grund ist die Kirche auch als Gedächtniskirche bekannt.

Die Kirche wird seit 1917 vom Trinitarier-Orden betreut. Seit damals ist sie auch Pfarrkirche. Seit den 1980er Jahren wird sie von Pater Mario Maggi geleitet.

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