Rudolf II.

* 18. 7. 1552 Wien, † 20. 1. 1612 Prag (Tschechische Republik), ab 1572 König von Ungarn, ab 1575 König von Böhmen, ab 1576 Kaiser; Sohn von Kaiser Maximilian II. 1563-71 am spanischen Hof erzogen, residierte ab 1583 fast nur in Prag, wohin er auch die Reichsverwaltung verlegte. Seine Interessen galten vor allem den Künsten, der Wissenschaft und der Magie (Alchimie, Astrologie); Rudolf II. war der größte Kunstsammler seiner Zeit und ließ unter anderem die habsburgische Hauskrone herstellen, die 1804 die Reichskrone des Kaisertums Österreich werden sollte. In Österreich wurde in seinem Namen die Gegenreformation durchgeführt. Weil er als Herrscher tatenlos war und die Türkenabwehr (Türkenkriege) vernachlässigte, verschworen sich ab 1600 die anderen Erzherzöge ("Bruderzwist") und zwangen ihn 1608 zum Verzicht auf Österreich, Ungarn und Mähren, 1611 auch auf Böhmen zugunsten seines Bruders Matthias.
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Ferdinand II.

* 9. 7. 1578 Graz (Steiermark), † 15. 2. 1637 Wien, Kaiser; Sohn von Erzherzog Karl II. von Steiermark, Enkel von Kaiser Ferdinand I. Ausbildung in Graz und Ingolstadt. 1590 beim Tod des Vaters minderjährig, ab 1595 Regent von Innerösterreich (Steiermark, Kärnten und Krain), setzte dort mit Härte die Gegenreformation durch, 1617 König von Böhmen, 1618 von Ungarn, 1619 Kaiser nach dem Tod seines kinderlosen Cousins Kaiser Matthias. Auseinandersetzungen mit den Ständen von Niederösterreich und Oberösterreich (Sturmpetition am 5. 6. 1619). Nach dem Sieg am Weißen Berg 1620 setzte er den Absolutismus in Böhmen ("Vernewerte Landesordnung", 1627) und Österreich durch, erließ am Höhepunkt seiner Macht 1629 das Restitutionsedikt, war aber dann im Dreißigjährigen Krieg bald Rückschlägen ausgesetzt. 1630 entließ er Wallenstein und befahl 1634 dessen Ermordung. Er war äußerst fromm und führte ein vorbildliches Familienleben. Sein Mausoleum in Graz ist ein hervorragendes Kunstwerk.
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Ferdinand III.

* 13. 7. 1608 Graz (Steiermark), † 2. 4. 1657 Wien, Kaiser; Sohn von Kaiser Ferdinand II. Wurde von Jesuiten erzogen und lernte 7 Sprachen. 1625 König von Ungarn, 1627 von Böhmen, 1636 römischer König, 1637 Kaiser. Er übernahm nach der Ermordung Wallensteins nominell den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen (Sieg bei Nördlingen 1634) und leitete 1645 die Verhandlungen ein, die 1648 zum Westfälischen Frieden führten. Danach beendete er die Gegenreformation in Österreich. Er galt als sehr pflichtbewusst, hatte wissenschaftliche, künstlerische und literarische Interessen (1657 italienische literarische Akademie in Wien). Seine besondere Neigung galt der Musik (erster der "komponierenden Kaiser"); er schuf Messen, Hymnen und ein Musikdrama. Durch ihn wurde die Basis für die große Zeit der barocken Hofmusikkapelle geschaffen.
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Franz I.

* 8. 12. 1708 Nancy (Frankreich), † 18. 8. 1765 Innsbruck (Tirol), Kaiser (ab 1745). Als Franz III. Stephan 1729 Herzog von Lothringen und Bar, musste er 1735 auf seine Länder verzichten, wurde dafür (nach dem Aussterben der Medici) 1737 Großherzog von Toskana. Ab 1736 Gemahl von Maria Theresia, begründete das Haus Habsburg-Lothringen, ab 21. 11. 1740 Mitregent in den österreichischen Erbländern; seinem geringen politischen Einfluss stand eine starke wirtschaftliche Begabung gegenüber. Aus seinem großen Vermögen wurde 1765 der habsburgische Familienfonds geschaffen. Begraben in der Kapuzinergruft. Denkmäler von B. F. Moll im Burggarten, im Park von Schönbrunn (beide Wien) und in Laxenburg (Niederösterreich).
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Johann Strauß – Vater

Mit dem Begriff des „Wiener Walzers“ verbindet man heute in erster Linie Johann Strauß. Johann Strauß Vater und Joseph Lanner werden im allgemeinen als „Wegbereiter“ gesehen, was jedoch ihren eigenständigen Leistungen für die Entwicklung der Tanzmusik im 19. Jahrhundert nicht gerecht wird. Der „alte“ Strauß wird am 14. März 1804 in Wien geboren, wo er am 25. September 1849 auch stirbt. Johann Strauß Vater, der zunächst eine Buchbinderlehre absolviert, lernt die Unterhaltungsmusik seiner Zeit als Kind im väterlichen Wirtshaus kennen. Wahrscheinlich um 1823 gesellt er sich zum Violintrio Joseph Lanners (12.4. 1801 – 14.4. 1843), das in den Wiener Vorstadtwirtshäusern zum Tanz aufspielt. 1827 trennt er sich von Lanner und gründet seine eigene Kapelle. Seine Stücke sind so erfolgreich, dass er sich neben Joseph Lanner bald etablieren kann. Lanner und Strauß treten getrennt mit ihren Kapellen in mehreren Wiener Lokalitäten auf, bevor sie 1831 gemeinsam die Leitung der Ballmusik…
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Gustav Mahler

Am Kalender ist der 7. Juli 1860 zu lesen, als Gustav Mahler in Kaliste in Böhmen als Sohn einer armen jüdischen Familie zur Welt kommt. Seine musikalische Begabung, die er sowohl als Komponist als auch als Dirigent auslebt, wird nur noch von seinem Ehrgeiz übertroffen.Vom Kapellmeister der Wiener Hofoper bringt er es bis zum künstlerischen Direktor. Darüberhinaus ist er von 1898 bis 1901 Leiter der Wiener Philharmoniker, ab 1907 Kapellmeister an der Metropolitan Opera in New York, wo er 1909 zusätzlich die musikalische Direktion der New York Philharmonic Society übernimmt. Als Dirigent zeichnet sich Mahler durch seine Werktreue aus. Als Komponist findet er rasch vom Lied zur Sinfonie, entwickelt hier seinen eigenen, unverwechselbaren Stil, setzt Solisten und Chöre ein und hält sich nicht an strenge traditionelle Formen der Instrumentalmusik. Gustav Mahler, der am 18. Mai 1911 in Wien stirbt, hinterlässt der Nachwelt mehrere Lieder, Orchesterlieder sowie 10 Sinfonien, von …
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Elias Canetti

* 25. 7. 1905 Rustschuk (Ruse, Bulgarien), † 14. 8. 1994 Zürich (Schweiz), Erzähler, Dramatiker, Essayist, Aphoristiker, Nobelpreisträger für Literatur 1981; ab 1934 verheiratet mit Veza Canetti. Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns sephardischer Herkunft kam 1913 nach Wien; weitere Stationen seiner Jugend waren Zürich und Frankfurt am Main; 1929 Dr. phil. nat. (Chemie). Literarisches Vorbild und sprachkritische Autorität wird K. Kraus. Im Herbst 1938 Emigration, ab 1939 lebte Canetti in London. 2. Hauptwohnsitz wurde Zürich. Canettis Erstlingswerk, der Roman "Die Blendung" (1935), gestaltet in grotesker Überzeichnung den Zusammenprall von Geisteswelt und Instinkten der Masse. Die Dramen "Hochzeit" (1932), "Komödie der Eitelkeit" (1950) und "Die Befristeten" (1964) enthüllen anhand bizarrer Gedankenexperimente das Antlitz einer zutiefst korrumpierten Gesellschaft. Die theoretische Grundlage zu seinem Werk schuf Canetti mit dem Essay "Masse und Macht" (1960), der die fundamen…
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Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

(geb. Freiin von Dubsky, ab 1843 Gräfin von Dubsky), * 13. 9. 1830 Zdislawitz b. Kremsier (Zdislavice, CZ), † 12. 3. 1916 Wien, bedeutende ö. Erzählerin, Dramatikerin und Aphoristikerin des späten Realismus; ab 1848 Ehefrau ihres Cousins, des späteren Feldmarschallleutnants Moritz Frh. von Ebner-Eschenbach; lebte abwechselnd auf ihrem Schloss und in Wien. Bekanntschaft mit F. Grillparzer, F. Halm, F. Hebbel und H. Laube; versuchte sich anfangs als Dramatikerin, doch "Das Waldfräulein" (Urauff. 1873) stieß aufgrund der darin geübten Adelskritik auf Ablehnung. In der Folge wandte sie sich der Prosa zu. Bekannt wurde sie mit der Künstlernovelle "Ein Spätgeborener" (1875); es folgten die erste große Erzählung "Bozena" (1876) und "Dorf- und Schloßgeschichten" (1883), die ihre bekanntesten Erzählungen ("Der Kreisphysikus", "Krambambuli") enthalten. In ihrer Geisteshaltung der ö. Spätaufklärung verpflichtet, schildert sie in ihren Erzählungen v. a. das Schicksal von Außenseite…
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Oskar Werner

(eigentl. Josef Bschließmayer), * 13. 11. 1922 Wien, † 23. 10. 1984 Marburg a. d. Lahn (D), (Film-)Schauspieler. Bereits 1941 von L. Müthel an das Burgtheater engagiert, dessen Ensemble er bis 1949, 1951-55 und 1960/61 angehörte; spielte außerdem am Theater in der Josefstadt (1950), am Raimundtheater und am Volkstheater in Wien sowie an Theatern in Deutschland und der Schweiz und trat bei den Sbg. Festspielen auf (klass. und moderne Rollen). W. galt in den 50er Jahren als herausragender Darsteller von Liebhaberrollen, berühmt als Hamlet; später Verkörperung widersprüchl. Charaktere, denen er durch sein sensibles Spiel und seine spezif. Wortmelodik bes. Gepräge gab; internat. Filmkarriere. W. gründete sein eig. O.-W.-Ensemble und war in seinen letzten Lebensjahren häufig als Rezitator auf Tournee
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Swieten, Gerhard von, Frh.

* 7. 5. 1700 Leiden (NL), † 18. 6. 1772 Wien, Leibarzt und Berater Maria Theresias (ab 1745); Vater von Gottfried Frh. van Swieten. Schüler H. Boerhaaves; veranlasste die Herrscherin, den Staatseinfluss auf die Univ. wesentlich zu verstärken ( Universitätsorganisation) und v. a. den medizin. Unterricht zu reformieren: Errichtung neuer Lehrstühle, eines Botan. Gartens, einer Klinik für praktische medizin. Ausbildung, eines chem. und physikal. Laboratoriums, Berufung bedeutender Professoren u. a.; G. v. S. gilt daher als Begründer der älteren Wiener Medizinischen Schule. Zudem erhöhte er den medizin. Standard in Wien durch Verbesserung von Spitälern und Heilanstalten mit J. v. Quarin, Gründung von Hebammenschulen, Findelhäusern und einer Schule für Tierärzte. Er drängte weiters zur Errichtung eines neuen Universitätsgebäudes ( Universität Wien). Als Dir. der Hofbibl. ermöglichte er durch einen Lesesaal allg. Benützung, als Leiter der Studien- und Bücherzensur-Hofkommissio…
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